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Hildegard von Bingen


Evangelische Kirche Köln und Region bei „Köln zeigt Haltung“: „Nächstenliebe kennt keine Herkunft!“

Mit über 7.000 Menschen startete die Kundgebung von „Köln zeigt Haltung“ am gestrigen Sonntag auf dem Roncalliplatz. Rund 12.000 waren es, die mit dem Demonstrationszug später auf dem Heumarkt ankamen. Vorweg trugen Stadtsuperintendent Rolf Domning im Namen des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region sowie der Vorsitzende des Katholikenausschusses Georg Stiels gemeinsam mit anderen Unterstützerinnen und Unterstützern das Banner der Initiative: „Köln zeigt Haltung! Aufnehmen. Hierbleiben. Solidarität.“

Stadtsuperintendent Rolf Domning positionierte sich als Vertreter der Evangelischen Kölner Kirchen sehr deutlich zu den aktuellen fremdenfeindlichen Forderungen populistischer und rechtsextremer Gruppierungen nach Ausweisung und Abschottung: „Jeder Mensch soll unabhängig von seiner Nationalität und Religionszugehörigkeit das Recht haben, in Frieden, Sicherheit, Freiheit und Gerechtigkeit hier bei uns und auf der ganzen Welt leben zu können.“ Schließlich sei Nächstenliebe kein sogenanntes „Gutmenschentum“.

Menschenmasse mit Dom

Viele Tausende sind dem Aufruf „Köln zeigt Haltung!“ gefolgt

„Unser Kreuz hat keine Haken“
Domning betonte damit den Wunsch der Evangelischen Kirche in Köln und Region nach einer Flüchtlingspolitik im Geiste der Nächstenliebe. Die Evangelische Kirche setzt sich explizit für eine humane Flüchtlingspolitik, den würdevollen Umgang mit schutzbedürftigen Menschen und die Achtung vor dem hohen Gut des Asylrechts ein. Gemeinsam mit dem Katholikenausschuss in der Stadt Köln grenzte sie sich durch ihr Banner auch optisch unmissverständlich von migrationsfeindlichen Tendenzen ab: „Unser Kreuz hat keine Haken.“

Stadtsuperintendent Rolf Domning zusammen mit Gregor Stiels bei seiner Rede auf dem Kölner Roncalliplatz: „Wir verwahren uns gegen jeglichen Missbrauch christlicher Werte durch rechtspopulistische Gruppierungen und Parteien.“

„Wir beobachten in diesen Tagen nach Chemnitz mit Schrecken, wie migrationsfeindliche Einstellungen die Mitte unsere Gesellschaft erreicht haben, und das sicher nicht nur in Chemnitz“, so Stadtsuperintendent Domning. „Diejenigen, die Angst schüren und kriminelle Handlungen einzelner auf alle Migranten übertragen, schaffen ein Klima der Feindseligkeit unter uns. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir trauern um jeden Menschen, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, der durch Gewalt zu Schaden oder gar zu Tode kommt. Unser Rechtsstaat hat hierfür ein ausreichendes Instrumentarium geschaffen.“ Die Migration sei nicht die Mutter aller Probleme, sie sei eher der Motor für die Weiterentwicklung einer Gesellschaft, erklärte Domning und fuhr fort: „Als Kirchen beobachten wir auch aufgrund des öffentlichen Drucks mit Sorge die zunehmende Kriminalisierung des Kirchenasyls. Für uns ist das nach wie vor ein letztes Mittel, noch einmal ein Verfahren zu überprüfen, es ist ein legitimes Mittel und dient als ‚ultima ratio‘ in Einzelfällen. Es dient dem Schutz der Menschen.“

Auch sie positionierten sich deutlich: Pfarrerin Susanne Beuth (li.), Stadtdechant Robert Kleine (2.v.li.), Superintendent Dr. Bernhard Seiger (4.v.li.) und Superintendent Markus Zimmermann (re.)

„Wir sind die Mehrheit, meine Damen und Herren!“
Von der Bühne auf dem Heumarkt aus wandte sich nach Ankunft der Demonstranten auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker an die Menge, die in der Versammlung ein humanitäres Signal sah. Reker betonte die Nicht-Verhandelbarkeit einer rechtsstaatlichen und humanitären Flüchtlingspolitik und ergänzte eindringlich: „Wir sind die Mehrheit, meine Damen und Herren!“

Wichtige Zeichen setzten darüber hinaus zahlreiche Künstler und Bands, die das Programm auf dem Heumarkt gestalteten. Unter anderem traten Kasalla, Max Mutzke, Wilfried Schmickler und Carolin Kebekus auf. Ihr Anliegen war es, Schwierigkeiten nicht wegzureden, aber dennoch Gemeinsamkeiten zu betonen.

„Wir sind die Mehrheit, meine Damen und Herren!“ Das betonte Oberbürgermeisterin Henriette Reker gestern auf der Demonstration „Köln zeigt Haltung“

„Eines Morgens ist es zu spät“
Insbesondere Kasalla-Sänger Bastian Campmann erhielt positives Feedback und sprach vielen der Fremdenhass-Gegner aus der Seele. Sein Appell galt allen: „Jetzt muss sich die Mitte der Gesellschaft zeigen. Gegen die schrillen Töne von Rechtsaußen. Gegen die schleichende Infiltrierung der politischen Kultur mit nationalistischem, antidemokratischem Gedankengut. Jetzt! Nicht morgen. Eines Morgens ist es zu spät.“

Bastian Campmann

Kasalla-Sänger Bastian Campmann rockte nicht nur die Bühne, sondern rief dazu auf, Gesicht zu zeigen: „Jetzt! Nicht morgen. Eines Morgens ist es zu spät.“

Initiative „Köln zeigt Haltung“
„Köln zeigt Haltung“ ist ein Bündnis aus verschiedenen Willkommensinitiativen, Vereinen, Initiativen, Kirchen und anderen religiösen Organisationen, Parteien, Gewerkschaften, Verbänden und zahlreichen Menschen aus Köln und der Region. Die Initiative steht für und steht auf gegen eine Politik der Abschottung. Sie fordert sichere Fluchtwege und setzt sich ein für das Grundrecht auf Flucht und Schutz. Land und Bund sind aufgefordert, das Angebot der Oberbürgermeisterin von Köln, Henriette Reker, umzusetzen, Geflüchtete aufzunehmen und Köln zuzuweisen.

Pfarrer Hans Mörtter

Hans Mörtter, evangelischer Pfarrer in der Kölner Südstadt, setzt sich nicht nur bei „Köln zeigt Haltung“ gegen eine Kriminalisierung von Flüchtlingen ein, sondern auch in seinen Talk-Gottesdiensten in der Lutherkirche

Die gestrige Kundgebung samt Demonstrationszug ist nur eine der von der Initiative geplanten Aktionen. Weitere Termine und Informationen werden rechtzeitig vorab auf der Internetpräsenz der Initiative angekündigt: www.koelnzeigthaltung.org

 

 

 

 


Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller, APK

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