Am zweiten Sonntag im Dezember entsteht weltweit ein Band aus Licht, das Menschen in ihrer Trauer miteinander verbindet. An diesem Tag – dem „Worldwide Candle Lighting Day“ – entzünden Angehörige verstorbener Kinder um 19 Uhr Kerzen, damit ihr Licht über die Zeitzonen hinweg weiterwandert und ein stilles Zeichen der Liebe in die Welt trägt. Für viele Mütter, Väter, Geschwister und Familien ist dieser Tag ein Moment, an dem Trauer Raum bekommt und das Andenken an ein geliebtes Kind sichtbar wird. Auch in Köln und der Region laden an diesem Tag mehrere kirchliche Gemeinden zu besonderen Gedenkgottesdiensten ein, in denen Trauer, Erinnerung und Licht ihren Platz finden dürfen:
Ökumenischer Gedenkgottesdienst: Gedenken für Angehörige verstorbener Kinder
Der ökumenische Gedenkgottesdienst am Samstag, 13. Dezember, 16 Uhr, in der Evangelischen Clarenbachkirche, Aachener Straße 458, bietet Müttern, Vätern, Geschwistern und Angehörigen verstorbener Kinder einen geschützten Raum für Trauer und Erinnern. Die Feier verbindet Worte des Trostes, Musik und symbolische Rituale zu einem behutsamen gemeinsamen Weg des Gedenkens. Der Gottesdienst wird vom Katholischen Stadtdekanat Köln und dem Evangelischen Kirchenverband Köln und Region gemeinsam angeboten.
Gottesdienst des Erinnerns zum Weltgedenktag für verstorbene Kinder: Ein behutsamer Abend für Eltern, Familien und Zugehörige
Ein stiller Raum des Mitgefühls öffnet sich am Sonntag, 14. Dezember, 18 Uhr, in der Christuskirche am Stadtgarten, Dorothee-Sölle-Platz 1, wenn der Gottesdienst zum „Weltgedenktag für verstorbene Kinder“ stattfindet. Gemeinsam mit dem Evangelischen Kirchenkreis Köln-Mitte und „Himmel auf Köln“ lädt das Vorbereitungsteam zu einem Abend ein, der an Kinder erinnert, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Durch Worte, Musik und Lichter entsteht ein Ort, an dem Trauer und Liebe ihren Ausdruck finden dürfen.
Candle Lighting – Ökumenischer Gedenkgottesdienst in Bensberg: Ein Licht für verstorbene Kinder
Unter dem Titel „Ein Licht für dich“ lädt die Evangelische Kirchengemeinde Bensberg gemeinsam mit der Katholischen Pfarreiengemeinschaft St. Nikolaus und St. Joseph am Sonntag, 14. Dezember, 17 Uhr, zu einem Candle-Lighting-Gedenkgottesdienst in die Evangelische Kirche Bensberg, Friedhofsweg 9, ein. In Bensberg wird der Gottesdienst mit Pfarrer Samuel Dörr im ökumenischen Rahmen begangen, um un- und frühgeborene Kinder, verstorbene Babys, Kinder und junge Erwachsene zu würdigen und Angehörigen einen Ort zu geben, an dem Trauer, Schmerz und Erinnerung ihren Platz finden dürfen.
https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2025/11/Gottesdienst-am-Weltgedenktag-fuer-verstorbene-Kinder.jpg10801920https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2020/11/logo.png2025-11-28 23:00:002025-11-29 19:00:05Gedenkgottesdienste für verwaiste Eltern und Geschwister im Dezember
Auf dem Gelände des Campus Kartause, des ehemaligen Kartäuserklosters, ist eine evangelische Kommunität geplant: Das Wohnprojekt ist inspiriert von der Vision der ökumenischen Community of Iona und wird Anfang 2027 bezugsfertig sein. Bereits Anfang des kommenden Jahres können die ersten Mietverträge unterschrieben werden.
Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, berichtete auf der Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, dass die geplante evangelische Kommunität auf dem Campus Kartause bald ins öffentliche Gespräch gebracht werde. „Wir werden konkret Menschen suchen, die sich in diese Kommunität einbringen wollen und mit denen, die sich dazu schon entschlossen haben, in Kontakt treten möchten.“ Drei Grundregeln für die Kölner Kommunität sind schon geplant. Diese beinhalten einen gemeinsamen Abend pro Woche, regelmäßige Treffen mit dem Iona-Freundeskreis und Engagement bei den spirituellen Angeboten im „Raum der Stille“ auf dem Campus Kartause oder in der Kartäuserkirche.
Gemeinschaftliche Räume wie Küche und Essbereich
Es gibt neun Appartements und gemeinschaftliche Räume wie Küche und Essbereich. Die Appartements haben eine Größe von 59 bis 83 Quadratmeter inklusive der Anteile an den Gemeinschaftsflächen. Der Mietpreis pro Quadratmeter beträgt voraussichtlich 18 Euro ohne Nebenkosten. Es wird erwartet, dass sich Interessierte zumindest für einen Zeitraum von drei Jahren zu einem Zusammenleben mit der Gruppe verpflichten. Bei Interesse bitte melden unter: rinecker@melanchthon-akademie.de
Antje Rinecker, Studienleiterin bei der Melanchthon-Akademie im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, beschreibt, wie das gemeinschaftliche Wohnprojekt durch geteiltes geistliches Leben, verantwortlichen Umgang mit Ressourcen und bewusstem Miteinander Einsamkeit begegnen kann und eine tiefe, nachhaltige Form von Gemeinschaft entstehen lassen kann:
Was ist für Sie die größte Stärke dieses Projekts – und warum braucht es gerade jetzt solch neue Formen von Gemeinschaft?
Antje Rinecker: Gesellschaftlich gibt es in meinen Augen zwei Themen, die viele Menschen im Alltag umtreiben: Einsamkeit und Wohnen. Darin liegt die große Stärke des Projekts. Menschen teilen ihr alltägliches und ihr geistliches Leben. Das verbindet, schafft einen Raum in dem Vertrauen, Miteinander und, wer weiß, auch Kreativität und Engagement blühen können. Der Zuschnitt der Appartements bietet darüber hinaus genug Offenheit für Rückzug und Individualität.
Dieses freie und gleichzeitig verbindliche Miteinander geht über eine traditionelle Wohngemeinschaft hinaus. Wer zusammen betet, sich mit der Bibel und geistlichen Fragen beschäftigt, lernt sich auf einer anderen Ebene kennen. Das Miteinander gewinnt an Tiefe. Eine gemeinsame Aufgabe, wie z.B. das Gestalten einer Andacht im Raum der Stille o.ä., gibt zusätzlich Struktur und erlaubt zugleich sich experimentell auszuprobieren.
Sie orientieren sich bei der Entwicklung des Wohnprojekts an der Vision der Iona-Community. Welche Elemente aus Iona sind auch für Köln besonders wichtig?
Antje Rinecker: Die Community of Iona orientiert sich an wenigen, grundlegenden Regeln: Neben Gebet und Bibelstudium sind das vor allem der verantwortliche Umgang mit den Ressourcen Geld und Zeit und der Einsatz für Bewahrung der Schöpfung, für Gerechtigkeit und Frieden. Diese Ausrichtung passt in ihrer Aktualität perfekt in den Kontext der Kölner Südstadt. Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Frieden sind unsere heutigen brennenden Themen. Sie fordern von uns ein Umdenken in Hinblick auf Gewohnheiten unseres Lebens. Doch wie kann das konkret aussehen, wie können wir uns gegenseitig ermutigen und unterstützen? Die Community of Iona bietet spannende Materialien und Diskussionsforen. In meinen Augen ist der größte „Gamechanger“ die Möglichkeit der gegenseitigen kollegialen Beratung im Umgang mit den eigenen Ressourcen im Wohnprojekt. Im konstruktiven Austausch können neue Perspektiven entstehen, auf die man alleine gar nicht kommt.
Gelingende Gemeinschaft lebt von Menschen, die sich bewusst aufeinander einlassen. Was sollten Interessierte mitbringen?
Antje Rinecker: Wer gemeinschaftlich leben will, sollte sich darüber bewusst sein: Was brauche ich und was kann ich geben? Denn das konkrete Miteinander müssen die Menschen, die zusammen wohnen wollen, aushandeln. Und jede/jeder braucht den Wunsch, miteinander an geistlichen Themen zu arbeiten, zusammen zu beten und sich mit biblischen Texten zu befassen. Nicht immer, aber regelmäßig. Einmal pro Woche ist im Augenblick angedacht. Neugierde, etwas Mut, Lust am Miteinander und auf Neues, das erscheint mir ein guter Mix.
https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2025/11/Wohnprojekt-im-Campus-Kartause-Praesentation.jpg10801920https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2020/11/logo.png2025-11-28 08:00:002025-11-29 19:00:05„Neugierde, etwas Mut, Lust am Miteinander und auf Neues“: Evangelische Kommunität im „Campus Kartause“ geplant
An diesem Tag sind sie noch in der Kirche unterwegs – unheilvoll, verheißungsvoll und ein bisschen trostvoll in ihrer schrecklich-schönen Klarheit. Der Künstler Thomas Baumgärtel hat für das 2024 von der Evangelischen Kirche im Rheinland veranstaltete Kunstprojekt „Apokalypse“ den vier Reitern aus der biblischen Offenbarung des Johannes malerisch eine Gestalt gegeben – mit vier mal vier Meter großen Gemälden. Vier Wochen lang waren sie in der Erlöserkirche in Weidenpesch ausgestellt und hinterließen großen Eindruck.
Bei der Finissage, die von Christine Högel und den Klängen ihrer keltischen Harfe passend begleitet wurde, schildert Pfarrerin Susanne Zimmermann ihren persönlichen Zugang: „Die vier sind mir fast zu Freunden geworden“, sagt sie, „mit denen ich mitfühle, die aber auch ganz schön herausfordernd sind. Sie haben uns etwas geschenkt: geistliche Trotzkraft.“ Diese brauche es, um den eigenen Lebensstil, das Gemeinschaftsleben und das Wirtschaften grundlegend zu verändern. Ein kleines bisschen sei sie aber froh, dass die vier düsteren Gestalten nun weiterziehen würden.
Kunstvolle Visionen der Apokalypse: Vier Reiter in der Erlöserkirche
Thomas Baumgärtel vor seinem roten Reiter.
Die farbkräftigen Riesenformate des Kölner Streetart-Künstlers Baumgärtel verwandelten die Wände des Kirchenraums in eine bedrohliche Kulisse: In einem orangerot leuchtenden Inferno vor blauem Himmel etwa nähert sich der Schwarze Reiter einer zerstörten Stadt – links Reste des Capitols, rechts die brennende Pariser Kirche Notre-Dame. „Er steht für mich für den Untergang der westlichen Welt“, erläutert Baumgärtel, „für die Kriege. Bis Putin die Ukraine überfallen hat, habe ich noch gedacht, dass die Länder gar nicht mehr viel für Rüstung ausgeben müssen.“ Die Armut auf der Welt sei schließlich riesig.
Der weiße Reiter, der auf dem Gemälde durch ein Universum voller gesprayter Internetsymbolik galoppiert – zwischen Hashtag, dem Twittervögelchen und „X“ –, stehe für Ideologie, digitale, wirtschaftliche und politische Macht. Der rote Reiter symbolisiere Militarisierung und Krieg in der ganzen Welt, der blasse Reiter die Gefahr durch Umweltzerstörung und Ökokollaps. In seinem Schatten ist in einer Bild-Ecke Platz für Hoffnung: Am faulen Gewässer, zwischen leeren Plastikflaschen, sitzt eine Sprayfigur – ein kleines Mädchen –, das einen grünen Sprössling in die Erde pflanzt. Jedes Gemälde weist zudem einen Lichtschein am Horizont auf.
Konfrontation mit inneren und äußeren Kräften: Die theologische Deutung
So betont auch Frank Vogelsang, Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland, das biblische Verständnis der Apokalypse sei keine Untergangs-, sondern eine Hoffnungsgeschichte. Die Beschäftigung mit ihr werfe die spannende Frage auf, wer die Reiter sind: Ob sie vielleicht Kräfte in einem selbst repräsentieren, die man gerne verdränge. Ob sie für Übermenschliches stünden oder Kräfte, die einen beherrschen – oder ob eine Begegnung mit Fremdem stattfinde. „Die Bilder konfrontieren uns“, so Vogelsang. Es bleibe die Hoffnung. Auch in ihr schwinge Übermenschliches mit. „In der Bibel ist klar: Gott richtet sein Reich auf“, sagt Vogelsang. „Wenn wir ihm auf die Spur kommen wollen, müssen wir aber auf das Unspektakuläre achten – wie beispielsweise die Geburt in der Weihnachtsgeschichte.“
Der offene Himmel verweise darauf, dass die Wirklichkeit viel größer sei als die menschlichen Verhältnisse. Man verliere sich oft in einem Tunnelblick, in den alltäglichen Widrigkeiten. Der Blick auf das Größere könne helfen – und dabei die Kunst. Sie lasse die Begrenztheit der alltäglichen Sicht auf die Welt erahnen und bringe Transzendenz ins Spiel. Kunst habe ein eigenes Leben, ihre Eigenständigkeit. Sie lasse sich deuten, aber nicht so leicht vereinnahmen.
Zwischen Untergang und Verheißung: Bleibende Spuren und neue Wege
Auch Superintendent Markus Zimmermann spricht bei der Finissage in der Erlöserkirche.
Die vier Baumgärtel-Bilder des „Apokalypse“-Projekts standen zunächst in der imposanten Trierer Konstantin-Basilika. Kurator Holger Hagedorn schildert den Unterschied: „Dort wirkten sie fast wie Briefmarken.“ Der rote Backstein der Kirche habe sie ein wenig ihrer Wirkung beraubt – die sie nun in der Erlöserkirche aber voll und ganz entfalten konnten.
Wenn sie nun weiterziehen, verbleibt doch ein anderes Werk Baumgärtels vor Ort: sein Markenzeichen – die gesprayte Banane, mit der er Kunstorte markiert. In diesem Fall eine „Erlöserkirchen-Banane“. Es handelt sich um ein Bild der Banane vor der Kirche, gekrönt von einem Heiligenschein und einem Fingerzeig gen Himmel. Superintendent Markus Zimmermann verkündet die frohe Botschaft: „Wir haben beschlossen, dass der Kirchenkreis Nord das Bild erwerben wird.“ Es werde mitwandern in den neuen Kirchenkreis Linksrheinisch und im dritten Stock des Campus Kartause künftig seinen Platz finden.
https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2025/11/Wochentipps-26.-11-1.jpg10801920https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2020/11/logo.png2025-11-27 23:00:002025-11-29 19:00:05Apokalypse trifft Hoffnung – Finissage in der Erlöserkirche in Weidenpesch
Oliver Kießig ist evangelischer Pfarrer in Köln-Zollstock und vielen in der Stadt durch seine engagierte Gemeindearbeit bekannt. Nun übernimmt er eine besondere Aufgabe: Als erster evangelischer Regimentspastor der traditionsreichen Roten Funken bringt er geistliches Engagement und karnevalistische Leidenschaft zusammen. Mit dieser Ernennung setzt das älteste Traditionskorps Kölns ein deutliches Zeichen gelebter Ökumene.
Was bedeutet es für Sie persönlich und emotional, der 1. Regiments-Pastor der Roten Funken zu sein?
Oliver Kießig: Für mich bedeutet diese Berufung unglaublich viel – persönlich, emotional und auch historisch betrachtet. Regimentspastoren haben bei den Roten Funken eine lange, tief verwurzelte Tradition, und über viele Jahrzehnte waren diese Rollen ausschließlich von katholischen Geistlichen besetzt. Dass ich nun der erste evangelische Regimentspastor der Funken bin, erfüllt mich mit großer Freude und auch mit einem gewissen Stolz. Die Funken leben die Ökumene schon lange, aber dass diese Haltung nun auch ganz offiziell sichtbar wird, empfinde ich als starkes Zeichen – für die Gesellschaft, für den Karneval und auch für unsere Kirchen. Ich war schon, bevor ich diese Aufgabe übernommen habe, aktiver Roter Funk und habe mich dort immer sehr zu Hause gefühlt. Umso dankbarer bin ich für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. Es fühlt sich ein wenig an, als würde sich hier meine Leidenschaft für Köln, für den Karneval und für meinen Glauben auf wunderbare Weise miteinander verbinden.
Gibt es so etwas schon bei anderen Korps, oder sind die Roten Funken die Ersten?
Oliver Kießig: Evangelische Regimentspastoren sind im Kölner Karneval bisher eher die Ausnahme. Soweit ich weiß, gibt es insgesamt nur drei bis vier evangelische Kollegen, die in karnevalistischen Gesellschaften eine pastorale Rolle innehaben. Unter den großen, alteingesessenen Kölner Traditionskorps ist der Treue Husar das einzige weitere, das ebenfalls einen evangelischen Pastor hat – meinen Kollegen Markus Herzberg aus der Antoniterkirche. Auch einige andere Vereine arbeiten mit evangelischen Geistlichen zusammen, aber im Vergleich zu den katholischen Kollegen sind wir evangelischen Pastoren klar in der Minderheit. Umso schöner ist es, dass die Roten Funken an dieser Stelle bewusst ein Zeichen für gelebte Ökumene setzen.
Wie kam es überhaupt zu der Idee?
Oliver Kießig: Entstanden ist das Ganze tatsächlich eher organisch. Ich bin nicht als Pfarrer bei den Roten Funken eingetreten, sondern aus ganz persönlicher Begeisterung für den Kölner Karneval und unsere Vaterstadt Köln. Karneval begleitet mich schon lange, und ich habe früh gespürt, wie eng Kirche und Fastelovend miteinander verbunden sind. Die Roten Funken hatten schon lange ein offenes, ökumenisches Verständnis. Die „Mess op Kölsch“ ist dafür das beste Beispiel. Sie wird seit Jahren ökumenisch gefeiert, und viele Funken schätzen die spirituelle Dimension des Karnevals sehr. Als dann klar wurde, dass ich sowohl evangelischer Pfarrer als auch aktiver Funk bin, lag der Gedanke nahe, diese Verbindung auch nach außen deutlicher sichtbar zu machen. Unser Präsident war sofort überzeugt, dass das ein starkes Zeichen ist. Und so entstand schließlich unser kleines pastorales Dreigestirn: zwei katholische und ein evangelischer Regimentspastor, die gemeinsam unterwegs sind und ihre unterschiedlichen Traditionen einbringen.
Was macht ein Regimentspastor genau?
Oliver Kießig: Die Aufgaben eines Regimentspastors sind vielfältig und gehen weit über die eigentliche Session hinaus. Ein zentraler Bestandteil ist natürlich die Gestaltung verschiedener Gottesdienste und Andachten. Traditionell treffen sich die Funken am 1. November auf dem Melaten-Friedhof, um ihrer verstorbenen Mitglieder zu gedenken – eine sehr berührende, ruhige und würdige Feier, die ich in Zukunft gemeinsam mit meinen Kollegen gestalten werde. Ende November folgt dann die „Mess op Kölsch“, ein Gottesdienst. Hier verbinden wir kölsche Sprache, Humor, Spiritualität und Tradition miteinander – ein einzigartiger Moment für alle Beteiligten. Darüber hinaus sind wir als Pastoren im Korps Ansprechpersonen für alle Fragen des Lebens. Das reicht von seelsorglichen Gesprächen über persönliche Krisen bis hin zur Begleitung bei besonderen Lebenssituationen wie Taufen, Hochzeiten oder auch Bestattungen. Unsere Aufgabe ist es, da zu sein – im Frohsinn, aber genauso im Leid.
Was unterscheidet diese Aufgabe von Ihrem normalen Berufsalltag als Pfarrer?
Oliver Kießig: Die Tätigkeit als Regimentspastor ist ein rein ehrenamtliches Engagement. Mein Hauptdienst bleibt weiterhin meine Arbeit als Gemeindepfarrer in Zollstock, und mein Alltag dort bleibt natürlich durch die Funken nicht grundsätzlich verändert. Was sich aber verändert hat, sind die Begegnungen. Durch meine Zugehörigkeit zu den Funken entstehen viele neue Kontakte zwischen Gemeinde und Korps. Die Funken besuchen uns mittlerweile regelmäßig bei Veranstaltungen. Das empfinde ich als große Bereicherung. Mein Gemeindeleben wird durch die Funken bunter, und mein Funkenleben wird durch die Gemeinde wärmer und familiärer.
Worauf freuen Sie sich am meisten?
Oliver Kießig: Besonders gespannt bin ich natürlich auf meine erste „Mess op Kölsch“ als Regimentspastor. Als „Imi“ spreche ich Kölsch nicht von Kindesbeinen an, und deshalb ist es für mich ein besonderer Moment, diesen Gottesdienst in einer Sprache zu gestalten, die für Köln so viel Herz und Identität bedeutet. Ganz allgemein freue ich mich auf das Miteinander im pastoralen Team, auf den Austausch mit den beiden katholischen Kollegen und auf die vielen Begegnungen mit den Funken. Vieles wird neu für mich sein, und ich glaube, dass genau darin der Zauber dieser Aufgabe liegt.
Was sind die Herausforderungen dieses Engagements?
Oliver Kießig: Die größte Herausforderung ist tatsächlich die kölsche Sprache, besonders dann, wenn es um Predigten oder liturgische Formulierungen geht. Kölsch ist herzlich, aber auch anspruchsvoll, und ich möchte den Funken gerecht werden. Und ich möchte zeigen, dass der evangelische Glaube und der Karneval wunderbar zueinanderpassen. Für manche ist das immer noch ungewohnt. Hier sehe ich meine Aufgabe darin, Brücken zu bauen und die Vielfalt unseres Glaubens sichtbar zu machen.
Viele fragen sich vielleicht: Kirche, der Glauben und der Karneval – wie passt das zusammen? Wie empfinden Sie das?
Oliver Kießig: Kirche und Karneval sind viel stärker miteinander verbunden, als viele heute wissen. Ohne Ostern, ohne Fastenzeit gäbe es keinen Karneval. Deshalb ist die Dauer jeder Session bis heute vom Ostertermin abhängig. Der Ursprung des Karnevals liegt tief im kirchlichen Jahreskreis. Aber auch inhaltlich passen Kirche und Karneval gut zusammen: Beide stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Beide wollen Freude schenken, Gemeinschaft stärken und Hoffnung verbreiten. Und beide gehören untrennbar zum Leben der Stadt Köln. Für die Roten Funken gilt das ohnehin: Gottesdienste, Segnungen und spirituelle Momente gehören selbstverständlich zum Funkenjahr. Segnungen neuer Fahnen oder des Wagens vor dem Rosenmontagszug, das Erinnern an Verstorbene – all das hat seinen festen Platz. Dass jeder aktive Funk ein Korpskreuz trägt, zeigt, wie tief dieser Bezug verankert ist.
Für wie lange führen Sie dieses ehrenamtliche Engagement fort: für eine Session oder länger?
Oliver Kießig: Die Berufung zum Regimentspastor wird auf Dauer ausgesprochen. Es ist keine Aufgabe, die man für eine Session übernimmt, sondern ein langfristiger Dienst – im Grunde ein Amt „op Levvenszick“.
Abschließend: Was möchten Sie in Ihrer Funktion als Regimentspastor erreichen?
Oliver Kießig: Ich möchte den Menschen zeigen, dass der evangelische Glaube im Karneval seinen festen Platz hat. Es geht mir nicht darum, große theologische Programme zu verfolgen, sondern darum, zu begleiten, zuzuhören und Mut zu machen. Wenn die Jecken spüren: „Der protestantische Pastor gehört genauso zu uns wie alle anderen“, dann habe ich mein Ziel erreicht.
https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2025/11/Oliver-Kiessig-2.jpg10801920https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2020/11/logo.png2025-11-27 09:00:002025-11-29 19:00:06„Ein Amt op Levvenszick“ – Oliver Kießig wird erster evangelischer Regimentspastor der Roten Funken
Vielfältige adventliche Wochentipps erwarten Sie in den kommenden Tagen: In der Kartäuserkirche wird am Samstagabend das Theaterstück „Josef und Maria“ aufgeführt, in Junkersdorf lädt der Chor „Schräge Vögel“ am Nachmittag zum Weihnachtsliedersingen ein. In Rondorf erklingt Bachs Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ und in Zündorf gibt es das Benefizkonzert „Swingin’ Christmas“. Am Sonntag bietet der Altenberger Dom ein festliches „Christmas Carol Singing“ und in der Clarenbachkirche Braunsfeld ist weihnachtliche Chormusik mit Werken von Rutter, Bach und anderen zu hören.
„Josef und Maria“ von Peter Turrini
In der Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, wird am Samstag, 29. November, 19 Uhr, das Stück „Josef und Maria“ von Peter Turrini aufgeführt, das zwei ältere Menschen an Heiligabend nach Ladenschluss in einem Kaufhaus zusammenführt. Die Putzfrau Maria und der Wachmann Josef blicken auf Biografien zurück, die durch NS-Zeit und Krieg geprägt wurden, und finden in dieser außergewöhnlichen Situation Worte, die zwischen Komik, Melancholie und überraschender Nähe changieren. Gespielt wird „Josef und Maria“ vom Römerpark Ensemble in Kooperation mit dem Raketenclub, mit Thomas Krutmann (Josef) und Brigitte Oessling (Maria), unter der Regie von Jürgen Albrecht. Der Eintritt kostet 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. www.kartaeuserkirche-koeln.de
Für Jung und Alt: Weihnachtsliedersingen
Zu einem stimmungsvollen Nachmittag voller festlicher Musik, traditionellen Weihnachtsliedern und gemeinsamen Momenten, die das Herz erwärmen sollen, lädt der Chor „Schräge Vögel“ am Samstag, 29. November, 15 Uhr, in die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche Junkersdorf, Birkenallee 20, ein. Das Weihnachtsliedersingen richtet sich an Jung und Alt. Der Eintritt ist frei. www.ev-in-junkersdorf.de
Weihnachtskonzert der Musikschule Papageno
Die Musikschule Papageno in der Evangelischen Kirchengemeinde Rondorf lädt gemeinsam mit dem Rodenkirchener Kammerchor und Orchester am Samstag, 29. November, 17 Uhr, zu einem Weihnachtskonzert in die Emmanuelkirche, Carl-Jatho-Straße 1, ein. Aufgeführt wird die Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ (BWV 61) von Johann Sebastian Bach. Unter der Leitung von Anna Goeke-Paganetti gestalten Solisten, die Musikschule Papageno sowie ein eigens gebildeter Projektchor den festlichen Abend. www.rondorf.de
Christmas Carol Singing
Festliche Bläserklänge und traditionelle englische Weihnachtslieder erklingen am Sonntag, 30. November, 14.30 Uhr, im Altenberger Dom, Eugen-Heinen-Platz 2. Unter der Leitung von Jörg Häussler gestaltet ein Ensemble des Posaunenwerks der Evangelischen Kirche im Rheinland gemeinsam mit Andreas Meisner (Orgel) ein „Christmas Carol Singing“, eine aus dem englischsprachigen Raum stammende Tradition, bei der in Gemeinschaft Weihnachtslieder (Christmas Carols) gesungen werden, in stimmungsvoller Atmosphäre. Bekannte und besinnliche Melodien laden zum Zuhören und Mitsingen ein und stimmen auf die Adventszeit ein. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. www.dommusik-aktuell.de
Benefizkonzert für die Lukaskirche
Zu einem Benefizkonzert lädt die Evangelische Kirchengemeinde Porz am Samstag, 29. November, 17 bis 18 Uhr, in die Pauluskirche Zündorf, Houdainer Straße 32, ein. Mit dem Programm „Swingin‘ Christmas können sich die Zuhörenden beschwingt auf die Weihnachtszeit einstimmen. Der Eintritt ist frei, um Spenden für die Neugestaltung der Lukaskirche Porz wird gebeten. www.kirche-porz.de
Weihnachtliche Chormusik in Braunsfeld
Festliche Klänge zum Beginn der Adventszeit erklingen am Sonntag, 30. November, 16 Uhr, in der Evangelischen Clarenbachkirche Braunsfeld, Aachener Straße 458. Unter der Leitung von Hanna Wolf-Bohnen präsentiert die Kleine Kantorei plus weihnachtliche Chormusik mit Werken von John Rutter, Johann Sebastian Bach, Peter Cornelius und anderen. Mitwirkende sind neben dem Chor auch Solosopran, Harfe, Piano, Flöte und ein Streicherensemble. Der Eintritt kostet 15 Euro, ermäßigt 5 Euro für Kinder im Alter bis 14 Jahren. Eintrittskarten sind ab sofort in der Buchhandlung Baskerville, Clarenbachplatz, sowie im Gemeindebüro, Peter-von-Fliesteden-Straße 2, unter Telefon 0221/49 49 26 oder per E-Mail an clarenbachgemeinde@ekir.de erhältlich. www.clarenbachgemeinde.de
https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2025/11/Wochentipps-26.-11.jpg10801920https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2020/11/logo.png2025-11-25 23:00:002025-11-29 19:00:06Unsere Wochentipps: Weihnachtsliedersingen und Christmas Carol Singing
Die Orange Days sind eine internationale Aktionszeit, die jedes Jahr rund um den heutigen 25. November – den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen – stattfindet. Auch der Evangelische Kirchenverband Köln und Region unterstützt die Aktionszeit. Zum Auftakt, 25. November, 18 Uhr, sind in der Kirche St. Agnes, Neusser Platz 18, alle Interessierten zu einem interreligiösen Gebet zum Auftakt der Orange Days eingeladen. Unter dem Titel „Begrenzte Sicherheit“ steht das Thema Schutz und Sicherheit von Mädchen und Frauen im Mittelpunkt – ein Anliegen, das weltweit noch immer zu wenig Beachtung findet. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionen gestalten das Gebet gemeinsam und setzen damit ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt.
„Wut und Mut“: „Orange-Days-Gottesdienst“ in der Immanuel-Kirche Stammheim
Unter dem Leitgedanken „Wut und Mut“ wird am Montag, 1. Dezember, das klare Nein zu Gewalt an Frauen biblisch und spirituell bedacht: Der Synodale Fachausschuss „Gemeinschaft von Männern und Frauen“ im Evangelischen Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch lädt um 18 Uhr aus Anlass der Orange-Days zu einem Gottesdienstin die Immanuel-Kirche, Bonhoefferstraße 8, ein.
Seit vielen Jahren rufen die UNWomen mit den „Orange Days“ weltweit zu Aktionen gegen Gewalt an Frauen auf. Die Farbe Orange steht dabei als Symbol für Licht, Hoffnung und die Vision einer Zukunft ohne geschlechtsspezifische Gewalt, Missbrauch und Benachteiligung. In diesem Jahr verstärken junge Menschen der Jugendkirche geistreich das bewährte Team und bringen eigene Ideen, Texte und Musik in den Abendgottesdienst ein. Im Anschluss sind alle Gäste zu Begegnung und Gespräch bei heißen Getränken und einem kleinen Snack eingeladen. Willkommen sind Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und jeder Konfession – wer möchte, setzt mit einem orangen Kleidungsstück oder Accessoire ein sichtbares Zeichen der Solidarität.
Lesung und Gespräch über Erfahrungen, Hintergründe und Wege der Unterstützung
DieVeranstaltung„Gewalt in Partnerschaften – ein Thema, das uns alle angeht“ am Mittwoch, 26. November, 18 Uhr (Einlass 17 Uhr), in die Erzengel-Michael-Kirche, Pfarrer-te-Reh-Straße 7, Köln, richtet den Blick auf ein gesellschaftliches Problem, das besonders Frauen in unterschiedlichsten Lebenssituationen betrifft. Mariele Millowitsch, Schirmherrin der Spendenkampagne „Du bist wertvoll“, liest die eindrückliche Geschichte einer betroffenen Frau und setzt damit ein Zeichen für Solidarität und Schutz. Barbara Peveling, Ethnologin, Autorin und Journalistin, trägt Passagen aus ihrem Buch „Gewalt im Haus. Intime Formen häuslicher Gewalt“ vor und berichtet von eigenen Erfahrungen. Marina Walch, Leiterin des Gewaltschutzzentrums „Der Wendepunkt“, erklärt im Gespräch, wie Betroffene unterstützt werden können, welche Schritte im Ernstfall notwendig sind, wann die Polizei eingeschaltet werden sollte und wie Angehörige oder der Freundeskreis behutsam auf das Thema eingehen können. Musikalisch begleitet wird der Abend von der FLINTA-Band BUBS, moderiert wird er von Cordula von Wysocki. Die Veranstaltung findet im Rahmen der „Orange Days – gegen Gewalt an Frauen“ statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung per E-Mail an stiftung@diakonie-michaelshoven.de ist möglich.
Unter dieser Einladung stand ein Faltblatt, das als Gemeinschaftsprojekt des Katholischen Stadtdekanats und des Evangelischen Stadtkirchenverbands (Vorgängereinrichtung des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region) erstmalig zur Bundesgartenschau 1971 publiziert wurde. Die Bundesgartenschau fand in diesem Jahr in Köln statt und stand unter dem Motto „Festival in Köln“. 4,4 Mio. Besuchende sahen sich die Schau an. Um Interessierten neben der Kunst und Blumenvielfalt aus aller Welt auch eine Möglichkeit zu bieten, die Stadt auf andere Weise kulturell und spirituell zu erschließen, veröffentlichten die Evangelische und Katholische Kirche dieses Faltblatt. Es enthielt neben den verschiedenen Gotteshäusern, kirchlichen Einrichtungen (bspw. Bahnhofsmission und Diakonie) und deren Standorten sowie Gottesdienstzeiten auch einen Stadtplan zur Orientierung. Es war eher schlicht und einfach gestaltet. Nichtsdestotrotz wurde es gut angenommen, sodass sich die Frage nach einer Neuauflage stellte.
Erweiterung und Internationalisierung der Informationen
War das Faltblatt von 1971 auf eine DIN-A4-Seite beschränkt, so sollte die Neuauflage einige Informationen mehr bieten. Am Ende des Gestaltungsprozesses wurde eine Broschüre gedruckt, die 16 Seiten umfasste und in einer Auflage von 40.000 Exemplaren erschien. Das Cover wurde künstlerisch ansprechender und farbenfroher gestaltet. Besonderheiten dieser Neuauflage stellten zum einen die Informationen dar, die nun viersprachig erschienen (Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch). Zum anderen hatten sich die Zielgruppen verändert, sodass sie neben evangelischen und katholischen Gottesdiensten auf Deutsch auch Informationen zu Gottesdiensten für Gehörlose, in fremder Sprache (bspw. Russisch, Chinesisch, Niederländisch) sowie von Freikirchen aufwiesen. Die Broschüren wurden an Hotels und Pensionen im gesamten Kölner Stadtgebiet verschickt und dort ausgelegt.
Die Kirchen reagierten damit auf einen gesellschaftlichen Wandel. Die Menschen wurden immer mobiler. Reisen, Studieren und Arbeiten im Ausland wurden immer beliebter, sodass neben den „klassischen“ Touristen viele Menschen in der Stadt blieben, die einen Migrationshintergrund aufwiesen. Ihnen sollte auf diese Weise die Möglichkeit offeriert werden, an Gottesdiensten in ihrer Muttersprache teilzunehmen, um bspw. erste Kontakte zu knüpfen. Das „Faltblatt“ von 1980 trägt diesem Bedürfnis Rechnung und zeigt durch Landesflaggen an, in welchen Sprachen und zu welchen Zeiten Gottesdienste angeboten wurden.
Zeitdokument mit historischem Wert
Neben den Informationen zu Gottesdiensten und Kirchen wurde erstmalig auch auf die Anzahl der Gläubigen im Stadtgebiet, etwa 530.000 Katholische und 230.000 Evangelische, Bezug genommen. In der Auflage von 1986 bleiben die Zahlen für die katholische Seite gleich, und die Evangelischen können einen Zugewinn von 10.000 Gläubigen verzeichnen. Ob diese Zahlen stimmen, müsste man anhand anderer Quellen prüfen. Es macht jedoch deutlich, dass auch solche Materialien, die meistens schnell nach dem Urlaub entsorgt werden, für die Geschichtsforschung wichtige Informationen enthalten können.
Auch die mal mehr, mal weniger aufwendige Gestaltung, die Auflage der Faltblätter und die dargebotenen Informationen lassen bspw. Rückschlüsse auf den Wandel der Selbstwahrnehmung und Veränderung der Kommunikation zu den Gläubigen zu.
Mit großer Mehrheit hat die Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region Pfarrer Bernhard Seiger in seinem Amt als Stadtsuperintendent bestätigt. „Wir sollten frei sein, Gutes anzufangen mit Mut und Kreativität, und frei sein, manches zu lassen. Wir haben immer noch ganz viel Gestaltungsspielraum“, sagte Seiger in seiner Vorstellungsrede im Haus der Evangelischen Kirche. Es gelte, den Dialog mit der jüngeren Generation zu fördern und nah bei den Menschen zu sein. Nüchternheit bei den Finanzen sei gefragt. „Wir investieren, wo wir Zukunft gewinnen wollen. Alles, was wir tun, ist transparent. Es gibt keine verbotenen Fragen, keine Tabus. Ich möchte Kirche gestalten in einer guten Balance zwischen Stadt und Land.“ Die Fusion der Kirchenkreise Köln-Nord, -Süd und -Mitte zum Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch zum Jahreswechsel nannte Seiger einen „Mutmach-Prozess“. Die Denkweise der anderen Kirchenkreise kennenzulernen, sei eine Bereicherung.
Im Anschluss an die Wahl des Stadtsuperintendenten folgte die Wahl der Stellvertreterinnen und Stellvertreter. Die erste Stellvertreterin des Stadtsuperintendenten ist Kerstin Herrenbrück, zweiter Stellvertreter Torsten Krall. Beide leiten als Doppelspitze den Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch. Zum dritten Stellvertreter wurde Markus Zimmermann aus dem Kirchenkreis Köln-Nord gewählt. Zur vierten Stellvertreterin wählten die Delegierten Miriam Haseleu aus dem Kirchenkreis Köln-Mitte.
Bericht des Vorstandes mit fünf Schwerpunktthemen
Bernhard Seiger, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region
Fünf Themen aus dem Geschäftsbericht des Verbandsvorstands vertiefte Bernhard Seiger in seinen mündlichen Erläuterungen. Die Anteile der Evangelischen Kirche am Evangelischen Krankenhaus wurden im Mai 2025 an die Josefs-Gesellschaft verkauft. „Wir sind dankbar, dass das Haus mit einem zukunftsweisenden Konzept und in der Hand eines größeren kirchlichen Trägers fortgeführt werden kann. Der Grund für uns sind Defizite gewesen und die politische Strategie von Bund und Land für den Krankenhausmarkt, die Zahl der Häuser zu verringern.“ Der Betrieb von Krankenhäusern sei nicht mehr im Kerngeschäft der evangelischen Kirche in Köln. Die diakonische Ausgangslage sei heute eine andere als zur Zeit der Gründung evangelischer Häuser vor mehr als 100 Jahren. Wichtig sei, dass die Patientinnen und Patienten weiterhin gut versorgt würden und evangelische Seelsorge im Krankenhaus in Köln-Kalk erhalten bleibe.
Zukunftsprojekte: Segensbüro und Mitgliederbindung
Ausdrücklich lobte der Stadtsuperintendent das Segensbüro Hätzjeföhl. „In kurzer Zeit ist hier sehr viel passiert. Es werden ansprechende Formate entwickelt, die Menschen auf eine frische Art erreichen und ihnen das Gefühl geben, Kirche begleitet sie in individueller Weise und findet Sprache und Formen, die einladen.“ Das mediale Interesse sei groß. Die Arbeit im Segensbüro werde wie geplant bis 2027 fortgeführt. Dann werde evaluiert, ob sie 2028 weitergeführt werden kann. „Ich hoffe sehr darauf! Es ist eine Erfolgsgeschichte.“
Fortgesetzt wird auch das Projekt Mitgliederbindung. Angesprochen werden Kirchenmitglieder zwischen 15 und 30 Jahren. Sechs Pilotgemeinden haben bereits teilgenommen, in den nächsten Jahren sollen es bis zu 20 Gemeinden sein.
Klimaschutz: CO₂-Halbierung erreicht
Erfolgreich ist der Evangelische Kirchenverband Köln und Region auch beim Klimaschutz. „Unsere CO₂-Emissionen konnten vom Jahr 2019 auf das Jahr 2024 von 617,7 auf 302,9 Tonnen CO₂, reduziert werden.“ Die Einsparungen um die Hälfte gründen sich auf viele Maßnahmen: kleinere und größere technische Anpassungen, Veränderungen im Heizungsbereich, verbesserte Beleuchtung – sowie der Ausbau von Photovoltaikanlagen bei den Gebäuden des Verbands.
Für Vielfalt und gegen Hass: Bildung als Schlüssel
Im fünften Themenfeld betonte Bernhard Seiger, dass das Eintreten für Vielfalt für die evangelische Kirche selbstverständlich sei. Doch: Wie kann verhindert werden, dass Menschen in rechtsextreme Einstellungen abrutschen? Seine Antwort lautet: „Die Hauptmaßnahme ist Bildung, Bildung, Bildung. Bildung, um Zusammenhänge zu erklären, über Politik zu sprechen, die demokratischen Parteien zu unterstützen und entschlossen für die Werte Menschenwürde und Respekt einzutreten. Dabei hilft es nicht, in Abwehr gegenüber rechten Parolen zu erstarren, sondern positiv zu reden und in klaren Worten zu beschreiben, was evangelisch ist.“ Das Papier „Evangelisch. Für Vielfalt. Gegen Hass.“ der evangelischen Bildungseinrichtungen stehe beispielhaft dafür. Vielfalt sei keine Bedrohung, sondern ein Segen.
Ökumene in der Stadt Köln
Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses in der Stadt Köln
Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses in der Stadt Köln, sprach in seinem Grußwort über die Ökumene und lobte die vertrauensvolle Zusammenarbeit. „Wir machen uns gemeinsam auf den Weg.“ Als Beispiel nannte er den sogenannten „Scharnierkreis“. „Man braucht Scharniere, damit sich Türen öffnen.“ In dem Kreis werde beispielsweise offen besprochen, welche Kirchengebäude in Zukunft bestehen bleiben sollen. „Auch wir führen eine Stadtbilddebatte“, sagte Stiels. „Wir wollen, dass in jedem der 86 Veedel auch langfristig in unserer Stadt eine Kirche steht, die wichtig ist für Gottesdienste und für alles andere, wofür Kirche steht. Das kann nur ökumenisch gelingen. Das lässt sich nicht verordnen, das muss von unten wachsen.“ Eine digitale Karte, die alle Kirchen und kirchlichen Räume umfasst, wurde auf der Tagung vorgestellt.
Campus Kartause: Fortschritte und Förderungen
Eine Erfolgsgeschichte bleibt der Campus Kartause. Im September wurde Richtfest gefeiert. Die Bauteile 3 und 4 im westlichen Teil der Baustelle befinden sich im Innenausbau, die Fenster sind bereits eingebaut. Leicht im Rückstand ist der Generalunternehmer beim Rohbau der Gebäude 1 und 2. „Das Projekt verläuft weiterhin planmäßig und liegt im Zeitplan. Die Fertigstellung ist nach wie vor für Ende November 2026 geplant“, sagte Bernhard Seiger. Die Vermietung der Wohnungen sei gesichert, große Flächen wurden bereits an die Diakonie Michaelshoven und das Studierendenwerk vermietet. Die Suche nach Mietern für den Gastronomiebereich läuft.
Erfreulich sind auch die Förderzusagen: Die „Aktion Mensch“ unterstützt die Barrierefreiheit der Gebäude mit 287.000 Euro. Das Land fördert die Inklusivwohnungen mit 1,3 Millionen Euro und einem Tilgungsnachlass. Für das Studierendenwohnen wird ein Kredit in Höhe von fünf Millionen Euro mit Tilgungsnachlass erwartet.
Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, berichtete, dass die geplante evangelische Kommunität auf dem Campus Kartause bald ins öffentliche Gespräch gebracht werde. „Wir werden konkret Menschen suchen, die sich in diese Kommunität einbringen wollen und mit denen, die sich dazu schon entschlossen haben, in Kontakt treten möchten.“ Grundlage sei die ökumenische Iona-Kommunität, die 1938 auf der schottischen Insel Iona gegründet wurde. Sie steht für soziale Gerechtigkeit, Frieden, Spiritualität und neue Gottesdienstformen. Drei Grundregeln für die Kölner Kommunität sind schon geplant. Diese beinhalten einen gemeinsamen Abend pro Woche, regelmäßige Treffen mit dem Iona-Freundeskreis und Engagement bei den spirituellen Angeboten im „Raum der Stille“ auf dem Campus Kartause oder in der Kartäuserkirche.
Kirchliche Finanzen: Herausforderungen und Prognosen
Gabi Orbach
Dann standen die Zahlen und damit Finanzkirchmeisterin Gabi Orbach im Mittelpunkt der Verbandsvertretung. Zunächst ging es um den Jahresabschluss für 2024. Orbach berichtete in ihrer Präsentation von Kirchensteuereinnahmen, die deutlich über dem Plan lagen. Nach Abzug aller Umlagen habe sich der Anstieg der Einnahmen jedoch nicht mehr positiv auf das Ergebnis ausgewirkt. Als Grund nannte sie vor allem die Finanzausgleichsumlage, die zwölf Millionen Euro höher als geplant gezahlt werden musste. Mit dieser Umlage unterstützen finanzstarke Kirchenkreise solche, die wirtschaftlich schwächer aufgestellt sind. „Es gibt immer weniger Kirchenkreise, die in diesem Umlageverfahren zahlungspflichtig sind. Somit müssen jene, die noch zahlen können, mehr schultern“, erklärte Orbach. Auf Köln würden in Zukunft noch höhere Solidar-Kosten zukommen.
Am Ende wurden 2024 bei Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 119 Millionen Euro insgesamt 44,5 Millionen Euro an die Verbandsgemeinden nach Zahl der Mitglieder überwiesen. Für das Jahr 2026 rechnet Orbach mit Kirchensteuereinnahmen von rund 115 Millionen Euro. Die Finanzausgleichsumlage wird auf 24,7 Millionen Euro geschätzt. Ein weiterer Posten, der im Haushalt immer größer wird, ist die Versorgungs- und Beihilfesicherungsumlage. Grund dafür ist, dass viele Pfarrerinnen und Pfarrer in den Ruhestand treten. Nach Abzug aller Umlagen sollen im kommenden Jahr 43,8 Millionen Euro an die Gemeinden überwiesen werden. Das ist nur durch eine Rücklagenentnahme in Höhe von 3,6 Millionen Euro möglich. Auch wenn die Rücklagen noch eine ganze Weile reichen, mahnte Gabi Orbach zur Vorsicht. Sie warnte auch, dass die Sparpläne der Landeskirche Aufgaben auf Kirchenkreise und Gemeinden übertragen könnten.
Abschied von Superintendentin Susanne Beuth
Superintendentin Susanne Beuth geht Ende 2025 in den Ruhestand
Mit großem Applaus verabschiedete die Verbandsvertretung Susanne Beuth, die zum Jahresende in den Ruhestand geht. Die Pfarrerin aus Klettenberg ist seit 2019 Superintendentin im Kirchenkreis Köln-Mitte. „Du hast einen großen Beitrag zur Fusion der drei Kirchenkreise geleistet“, sagte Bernhard Seiger unter dem Beifall der Delegierten. „Ich habe die Zusammenarbeit mit dir immer als gut, einvernehmlich, kreativ und offen erlebt. Im Verband hast du dich engagiert für die Diakonie und die Beratungsstelle eingesetzt, und du warst lange Jahre Vorsitzende der Kölner ACK.“
Neuer Vorstand gewählt
Bei der Tagung der Verbandsvertretung wurde auch der Verbandsvorstand neu gewählt. Die Wahlen waren notwendig, da durch die Fusion der Kirchenkreise Köln-Mitte, -Nord und -Süd die Gremien neu zusammengesetzt werden. Im Vorstand vertreten sind künftig: Pfarrer Jan Ehlert (Hürth), Gaby Orbach (Pesch), Silke Schmidt (Lindenthal), Marcel Cossijns (Porz), Christ Hasted (Flittard/Stammheim), Joachim Ruppersberg (Rath-Ostheim), Christoph Riethmüller (Bayenthal), Burkhard von Spankeren (Brühl), Dr. Alfred Paulick (Heilig-Geist-Gemeinde Köln-Land), Diana Zulfoghari (Köln), Hartmut Melenk (Höhenhaus) und Katharina Haubold (Mülheim am Rhein). Stellvertretende Mitglieder sind: Hye-Won Chang-Herrmann, Astrid Rose, Manguela Fokuhl, Anette Ludolphy, Dr. Markus Schulz, Pfarrerin Sandra Nehring und Jörg Krautmacher.
Die nächste Sitzung der Verbandsvertretung findet am 27. Juni 2026 statt.
Text: Stefan Rahmann Foto(s): Stefan Rahmann / APK
https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2025/11/89517697-21D4-4EE8-885B-303EA43919BD-scaled-e1763827986368.jpg13352368https://www.kkk-nord.de/wp-content/uploads/2020/11/logo.png2025-11-23 10:10:002025-11-29 19:00:06Stadtsuperintendent Bernhard Seiger mit großer Mehrheit im Amt bestätigt – Nachrichten von der Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region
Aktuell versüßen wieder Orangen und Mandarinen den Menschen die dunklen Herbst- und Wintermonate. Wer die vitaminreichen Früchte kauft, kann aber auch anderen etwas Gutes tun – wenn er oder sie das an der richtigen Stelle tut: Seit zwei Jahren bestellt die ökumenische Umweltgruppe „Laudatosi“, bestehend aus Menschen der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus und der evangelischen Kirchengemeinde Ichthys in Widdersdorf, regelmäßig bei einer Kooperative aus Kleinbauern und -bäuerinnen im italienischen Rosarno verschiedene Früchte. Dabei handelt es sich um Orangen, Mandarinen, Zitronen, Kiwis und Avocados, die ökologisch und vor allem unter fairen Arbeitsbedingungen produziert wurden. Zahlreiche weitere Gemeinden in Köln und der Region haben sich angeschlossen: die evangelische Kirchengemeinde in Köln-Klettenberg, die evangelische Hoffnungsgemeinde Velbert und Tönisheide, der ökumenische Arbeitskreis „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ in Hilden, die evangelische Kirchengemeinde Büchenbeuren-Laufersweiler-Gösenroth und das Landeskirchenamt in Düsseldorf. Aber auch die Solidarische Landwirtschaft Widdersdorf (SoLaWi-Gemüsekoop) gehört zu den Bestellern – ebenso der genossenschaftlich organisierte Supermarkt Köllektiv in der Südstadt.
„Für 2,80 Euro pro Kilo zahlt die Gemeinde nicht nur für Orangen – sondern für Würde“
In diesem Jahr hat die Presbyterin der Evangelischen Gemeinde Widdersdorf, Gisela Theis, erstmals sogar zwei Sammelbestellungen aufgegeben, eine im Frühjahr und nun eine im Herbst. Knapp 1,7 Tonnen Früchte werden bald wieder zur Scheune der Solawi geliefert, sortiert und dann dort von den Gemeinden und Initiativen abgeholt. Sie kommen direkt von der Kooperative „SOS Rosarno“ in Kalabrien, die mittlerweile als Genossenschaft den Namen „Mani et Terra“ („Hände und Erde“) trägt und der Ausbeutung von Arbeitern vor Ort etwas entgegensetzen will. Theis schildert die Hintergründe: Die Supermarktketten würden den heimischen Kleinbauern und -bäuerinnen einen so geringen Preis für ihre Ernte zahlen, dass sie damit kaum die Ausgaben für ihre Produktion decken könnten. Gleichzeitig würden an der Stiefelspitze Italiens sehr viele aus afrikanischen Ländern geflüchtete Menschen stranden, dort dann auf den Obstplantagen für Hungerlöhne arbeiten und notdürftig unter Planen am Stadtrand kampieren.
„SOS Rosarno schafft Arbeitsplätze mit Tarifvertrag, Mindestlohn und Versicherung“
Die Initiative SOS Rosarno verkauft das Obst statt an die Ketten direkt an Verbraucherverbünde zu einem fairen Preis und ermöglicht so ebenso faire Arbeitsbedingungen: „Die Arbeiter und Arbeiterinnen erhalten einen Tarifvertrag, den Mindestlohn und sind sozialversichert“, schildert Theis. Pro Kilo Orangen beispielsweise zahlt die Gemeinde 2,80 Euro plus Mehrwertsteuer und verkauft sie für 3,50 Euro. Der Differenzbetrag geht auf ein Spendenkonto für „Mediterranean Hope“ bei der Evangelischen Kirche von Westfalen mit dem Stichwort „Rosarno“.
„Mit jeder Frucht auch Hoffnung: Gemeinden unterstützen ‚Mediterranean Hope‘“
„Mediterranean Hope“ gehört zum Geflüchtetenprogramm des Bundes der Evangelischen Kirchen in Italien und finanziert verschiedene Projekte in Rosarno – zum Beispiel das „Haus der Würde“, ein Wohnheim, wo Wanderarbeiter in Zwei-Betten-Appartements mit Küchenzeile und Bad leben können. Es ermöglicht Traumatherapien und stattet die Fahrräder der Erntehelfer mit Lampen aus. Sie müssen meist im Dunkeln auf unbeleuchteten Straßen lange Wege zu den Obstplantagen zurücklegen und werden oft Opfer von Unfällen.
Zu der Einkaufshilfsaktion wurde Theis bei der Rheinischen Friedenskonferenz in Bonn inspiriert. Dort kam sie über den Verein zur „Förderung des fairen Handel(n)s am Niederrhein, Fair/rhein“ in Kontakt mit der stellvertretenden Leiterin des Oikos-Instituts für Mission und Ökumene bei der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), Katja Breyer. Eine italienische Partnerkirche hatte an Breyer vor einiger Zeit die Bitte herangetragen, in Kalabrien fair produzierte Früchte zu kaufen. So hatte die EKvW die Orangen-Verkaufsaktion „Süß statt bitter“ gestartet. Theis folgte ihrem Beispiel mit der Einkaufsaktion in Köln und Umgebung. Auf diese Weise möchten nun viele Gemeinden gemeinsam mit dem Kauf der leuchtenden Früchte in zweierlei Hinsicht Licht ins Herbstdunkel bringen.
„Sie sind noch genauso aktuell wie vor 2000 Jahren“, begrüßte Pfarrerin Susanne Zimmermann zum Themengottesdienst in der Erlöserkirche. Sie, das sind die vier biblischen apokalyptischen Reiter des Sehers Johannes im letzten Buch der Bibel. Der Künstler Thomas Baumgärtel hat sie mittels vier Gemälden in die Gegenwart „übertragen“. Bis zum 22. November (Finissage, 17 Uhr) sind die Großformate in der evangelischen Kirche in Köln-Weidenpesch (Derfflingerstraße 9, 50737 Köln) ausgestellt.
Auseinandersetzung mit den Bildern und Hoffnungen
Pfarrerin Susanne Zimmermann predigt im Gottesdienst zwischen den großformatigen Werken von Thomas Baumgärtel und setzt sich dabei mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinander.
Im Gottesdienst inmitten der Kunstwerke zählte Zimmermann die von Baumgärtel behandelten Gefahren der Digitalisierung, des Internets und des Wegnehmens von Freiheitsrechten auf. Sie nannte Klimawandel, Umweltverschmutzung, die ungerechte Ressourcenverteilung und die immer wieder auch kriegerischen Auseinandersetzungen und Despotentum. „Ganz bewusst setzen wir uns in diesen Wochen mit diesen Bildern und Herausforderungen auseinander. Wo sehen wir da die Zukunft und Hoffnung, die Gott uns versprochen hat?“ In diesem Sinne wolle man heute mit der Bibel Hoffnungsperspektiven entdecken, wolle man Widerstandskraft und Aufbegehren erkennen, die Kraft zum Neuanfang.
„Alles ist möglich dem, der glaubt“, erinnerte Zimmermann eingangs ihrer Predigt an das Wort Jesu (Markus 9,17–25). Es ist gerichtet an einen Vater, der ihn um die Heilung seines Sohnes bittet. Jesus spürt, dass der Hilfesuchende zweifelt. „Wer Gott vertraut, dem ist alles möglich“, betonte die Pfarrerin. „Alles kann die- oder derjenige schaffen, die oder der vertrauen kann ins Leben, in andere Menschen, in Gott.“ Aber wie schaffe man es, trotz widrigster Umstände nicht aufzugeben – in Krankheit, die einfach nicht aufhört, in Gefangenschaft, nach Schicksalsschlägen, Verlusten oder nach Erfahrungen von Scheitern? Zimmermann sprach von Selbstheilungskräften, „die alle Menschen in sich haben“. Von seelischer Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten. „Etwas, was uns geschenkt ist, das aber immer wieder ausgegraben, an das erinnert werden muss.“ Ein besonderes Zeugnis dieser Resilienz hat Zimmermann im Tagebuch der von den Nazis ermordeten Anne Frank gefunden.
Akzeptanz und Zuversicht
Die Pfarrerin betonte die besondere Bedeutung („Was macht Menschen stark für das Leben?“) des Begriffs Resilienz in der Pädagogik und Psychologie. Akzeptanz und Zuversicht in bedrängenden Zeiten bezeichnete sie als wesentliche Faktoren der Widerstandskraft. Diese Stichworte „ziehen sich durch die Bibel“. Und sie „helfen, dass Menschen stark werden oder zumindest sich immer mal wieder aufrichten können“. Es gehe darum, bereit zu sein, für das eigene Leben Verantwortung zu übernehmen und es zu gestalten. Eine wichtige Säule der Resilienz bildeten in der Regel auch die Religion und religiöse Gemeinschaft. „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen“, zitierte sie Dietrich Bonhoeffer. Zimmermann findet großartig an dieser Aussage, dass es ein Anliegen Gottes sei, „dass wir diese Widerstandskraft haben“. Gott selbst sei es auch, der uns schon in der Taufe zuspreche: „Ich glaube an dich.“
Bilder vom schönen Ende
Der Weiße Reiter (links ) und der Blasse Reiter von Thomas Baumgärtel.
Die biblische Offenbarung sei ein Trost- und Hoffnungsbuch, sagte Zimmermann. In den vom Seher Johannes beschriebenen Bildern gehe es um die Zukunft. Er habe Bilder vom schönen Ende entwickelt. „Er sieht einen neuen Himmel und eine neue Erde. Gott wird alle Tränen abwischen, und es wird kein Geschrei mehr sein, kein Leid.“
Sich dem Schweren aussetzen – neu hinschauen auf die Botschaft der vier Reiter
Das Überwinden von Leiden sei nicht immer einfach, stellte Zimmermann fest. Aber es könne gut sein, all das Schwere nicht zu ignorieren, sondern sich ihm auszusetzen. Das könne helfen, wieder neu hinzuschauen auf die Botschaft dieser vier Reiter. Schließlich, sich in die Verantwortung führen zu lassen und dadurch ins Handeln zu kommen – so wie Jesus dem zweifelnden Vater sage: „Vertraue, denn alles ist möglich dem, der glaubt.“
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