Präses in Flut-Orten: „Kirche und Diakonie bleiben an der Seite der Menschen“

„Das Wasser steht nicht nur immer noch in den Mauern und es braucht die Trockenanlagen, sondern es steckt auch noch tief in den Knochen von Menschen.“ Das sagt Dr. Thorsten Latzel am Ende einer dreitägigen Reise zu evangelischen Kirchengemeinden in den Überschwemmungsgebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Darum sei es wichtig, „dass wir an der Seite der Menschen dort bleiben“, sagt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Trier, Adenau, Bad Neuenahr, Sinzig, Erftstadt, Inden, Eschweiler, Bad Münstereifel, Wuppertal und Solingen – zehn Kirchengemeinden hat Latzel, der sich schon kurz nach der Flutnacht Mitte Juli an vielen Orten ein Bild von den Schäden gemacht hatte, in den vergangenen Tagen besucht. „Ich habe Menschen erleben können, die in beeindruckender Weise für andere dagewesen sind“, zieht der Präses ein Fazit seiner Tour: „Ich habe aber auch viel Leid gesehen. Ich habe Menschen getroffen, denen man abspürt, was sie erfahren haben.“ Er sei tief dankbar dafür, was die Kirchengemeinden leisteten.

Nachgehende Seelsorge und diakonische Hilfe

Heizung, also Wärme in Herbst und Winter, Seelsorge und Normalität sind Punkte, die die Menschen, mit denen Thorsten Latzel (50) an Kyll, Erft, Inde, Ahr und Wupper gesprochen hat, als Themen hatten. Die Betroffenen brauchen Hoffnung und Perspektive. „Wir werden dafür sorgen, dass es eine nachgehende Seelsorge gibt“, kündigte der Präses an. Kirche und Diakonie blieben gemeinsam im Schmerz bei den Menschen. Neben der Seelsorge bereiteten die Verantwortlichen derzeit auch Beratung und Hilfe vor Ort in den Regionen zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen vor. Das entsprechende Projekt werde zeitnah öffentlich vorgestellt.

Video-Zusammenfassung und ausführlicher Reisebericht

Einen ausführlichen Reisebericht gibt es hier zum Weiterlesen. Zum Anschauen und Anhören gibt es im Youtube-Kanal der Evangelischen Kirche im Rheinland ein Video von der Dreitagestour.

Zur Person: Präses Dr. Thorsten Latzel

Thorsten Latzel (50) ist seit 20. März Präses. Seit 2013 war er Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt. Im EKD-Kirchenamt war er für Studien- und Planungsfragen und das Projektbüro Reformprozess zuständig (2005 bis 2012). Zuvor arbeitete Latzel als Pfarrer in Erlensee-Langendiebach. Aufgewachsen in Bad Laasphe, studierte er Theologie in Marburg und Heidelberg. Dr. Latzel ist verheiratet und hat drei Kinder.

Text: Jens Peter Iven/APK
Foto(s): Jens Peter Iven/ekir.de/APK

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Gemeinde Bickendorf bietet Taufe zu Hause oder im Park an

Die Evangelische Kirchengemeinde Bickendorf bietet seit dem Frühjahr die Taufe zu Hause oder an besonderen Orten an. Das Angebot wurde bisher gut angenommen, sagt Pfarrer Nico Ballmann: „Zum Beispiel hatte ich schon eine Taufe in einem Schrebergarten. Die Familie hatte einen Pavillon aufgebaut und sie haben sich sehr gut überlegt, was auf dem Altar steht, zum Beispiel Blumen, Taufkerzen und eine Taufschale – und überall waren Rosen verteilt. Demnächst habe ich beispielsweise eine Taufe in einem Park.“

„Die Taufe hat innerhalb der Geschichte immer wieder Wandlungen erfahren“, sagt Pfarrer Nico Ballmann. „ln der Bibel begegnet uns die Taufe als Bußzeichen, als Bekehrungshandlung. Der Mensch bekennt sich zu Gott und wird getauft. Erstaunlich: Jesus selbst tauft nie, sondern er wird getauft, von Johannes im Jordan.“

Taufe von Säuglingen

Die Taufe ist eines der beiden Sakramente im Protestantismus. Anders als im Katholizismus, in dem es sieben Sakramente gibt, haben Martin Luther und mit ihm die Reformatoren und Reformatorinnen sich darauf geeinigt, lediglich Abendmahl und Taufe als Sakramente zu bezeichnen. Eigentlich hätte Luther auch gerne die Buße als Sakrament gehabt, aber dazu fehlte ihm das sichtbare Zeichen. Die Taufe als Bekehrungsereignis, als Bußpraxis, hat sich im Laufe der Geschichte gewandelt. Aus dem Weg eines Katecheten (Taufanwärters) und seinem Bekenntnis des Glaubens hat sich die Taufe von Säuglingen entwickelt.

Nicht mehr der Mensch entscheidet sich aktiv für Gott, sondern die Heilshandlung Gottes wird symbolisch an einem Kind vollzogen, dabei trägt der Glaube der Gemeinde die Taufe. Die ‚katechetische‘ Vorbereitungszeit ist ins Jugendalter verschoben worden, im Katholizismus zur Firmung, später im Protestantismus zur Konfirmation, zur Bestätigung der Taufe. Während zu Zeiten Jesu noch in Flüssen getauft wurde, verlagerte sich die Taufe in der Urkirche mehr und mehr ins Zentrum des Gottesdienstes, von dort wiederum zu Tauffeiern. Heute befindet sich der Ort der Taufe hauptsächlich sonntags im Gemeindegottesdienst in der Kirche.

„Gute Erfahrungen gemacht“

„So wie sich die Taufe entwickelt und immer wieder verändert hat, so hat sich auch unsere Gesellschaft verändert“, sagt Pfarrer Nico Ballmann. „Heute ist es mehr und mehr wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen einzugehen und damit nicht nur Wertschätzung für Glaubenspraxis und Spiritualität auszudrücken, sondern auch diesen besonderen Tag im Leben eines Menschen und als Feier innerhalb der Familie zu würdigen.“

Nico Ballmann berichtet über die Idee, Taufe an Orten außerhalb der Kirche stattfinden zu lassen: „Kolleginnen und Kollegen aus anderen Landeskirchen haben es schon probiert und wunderbare Erfahrungen gemacht, und deshalb freuen wir uns, dass das Presbyterium entschieden hat, den Ort der Taufe nun nicht mehr allein auf den Kirchraum und den sonntäglichen Gottesdienst zu begrenzen, sondern zu öffnen für Taufen im eigenen Garten, im Park oder an besonderen Orten.“

Individuellere Gestaltung von Taufe

Diese neue Praxis führt zu einer individuelleren Gestaltung von Taufe, aber vor allem auch zu einer anderen Betrachtung. Fragen, die in die Tiefe führen und für die im Taufgespräch Zeit sein wird, sind beispielsweise: Wie soll der Altar aussehen? Was müsste in den Garten, Park kommen, damit wir Gottesdienst gemeinsam feiern können? Wie sieht es mit Musik aus? Welches Wasser benutzen wir, und warum ist uns dieses Zeichen so wichtig?

„Wir sind uns sicher, dass durch die neuen Möglichkeiten viele wunderbare Gespräche und vor allem Tauffeiern zustanden kommen werden und die Taufe zeitgemäß und individuell gefeiert werden kann“, freut sich Pfarrer Nico Ballmann.

Weitere Informationen und Kontakt:

www.gemeinde-bickendorf.de

 

Text: APK
Foto(s): APK

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„Wir sind bunt, wir sind transkulturell“: Video #LeaveNoOneBehind thematisiert Migration

Der Arbeitskreis Migration im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region hat kurz vor der Bundestagswahl ein Video produziert, in dem verschiedene Menschen aus Köln zu Wort kommen. Dem Arbeitskreis gehören Vertreter und Vertreterinnen unterschiedlicher Gemeinden und Einrichtungen der evangelischen Kirche in Köln und Region an, die sich auf verschiedene Art und Weise mit den Themen Migration, Integration und Transkultur beschäftigen und in vielerlei Hinsicht in diesen Themenfeldern aktiv sind. Gesellschaftspolitisches Engagement gehört zum Wesen der evangelischen Kirche. Wir sind Teil einer gesellschaftlichen und politischen Kultur, die eine bunte, diverse und solidarische Gesellschaft mitgestaltet.

Begegnungen mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen bereichern. „Wenn meine Kultur und die Kultur, die jemand anders mitbringt, sich begegnen, dann entsteht etwas Neues. Das ist der Gedanke von Transkultur“, sagt Miriam Haseleu, Sprecherin des Arbeitskreises und Pfarrerin in Köln-Nippes.

„Wir haben Platz“

Aus der evangelischen Grundüberzeugung, dass alle Menschen gleich an Rechten und Würde sind und jedes Menschenleben zählt, entsteht auch der Einsatz für alle, die aus ihrer Heimat flüchten müssen, die dort nicht sicher sind und denen ein sicheres und menschenwürdiges Leben zu oft verwehrt bleibt. „Leave no one behind“ und „Wir haben Platz“ sind wichtige Statements, die der Arbeitskreis Migration und viele Akteure und Akteurinnen der evangelischen Kirche in Köln und Region mit anderen zivilgesellschaftlichen Institutionen teilen. Konkret wird dieser Einsatz z.B. im Kirchenasyl, von dem im Film auch erzählt wird, in transkulturellen Begegnungsprojekten wie dem WiNHaus International in Köln-Nippes und in der beratenden und politischen Unterstützung von Geflüchteten z.B. durch die Diakonie und den Kölner Flüchtlingsrat e.V., dessen Geschäftsführer Claus-Ulrich Prölß im Video auch zu Wort kommt. Momentan besonders aktuell ist der Einsatz für die Menschen, die in Afghanistan in höchster Gefahr sind. „Wir brauchen ein Aufnahmeprogramm“, fordert Prölß.

„Migration gehört seit über 2000 Jahren zur Kölner DNA“

Die Stimmen im Video sind vielfältig: Beispielsweise sagt Reinhild Widdig, Mitglied des Runden Tisches für Integration und Pfarrerin: „Eigentlich hat sich gezeigt, dass sich das Kirchenasyl in jedem Fall immer gelohnt hat. Die Menschen sind heute alle in Berufen oder haben eine Familie gegründet und sind hier gut angekommen.“ Die Oberbürgermeisterin Stadt Köln, Henriette Reker, meint: „Migration gehört seit über 2000 Jahren zur Kölner DNA.“ Die Sozialarbeiterin Helene Batemona-Abeke berichtet von den rassistischen Erfahrungen, die sie immer wieder machen muss, und betont die gemeinsame Verantwortung, Alltagsrassismus zu überwinden. Und Mowaffaq Abdulmati, Arabischlehrer und Mitorganisator WiNHaus International berichtet: „Zum Thema Demokratie habe ich sehr viel gelernt.“

#LeaveNoOneBehind – einen Eindruck davon, wie die evangelische Kirche in Köln und Region sich an vielen Stellen für diesen Grundsatz einbringt, und wie bunt und divers sie selbst ist, gibt es im Video.

Haben Sie Interesse an weiteren Videos? Abonnieren Sie unseren Videokanal auf YouTube: www.youtube.com/kirchekoeln

Der gesamte Text zum Nachlesen:

Zum Thema Demokratie habe ich sehr viel gelernt. – Mowaffaq Abdulmati, Arabischlehrer und Mitorganisator WiNHaus International

Da haben wir jetzt seit Jahren immer eine Person im Kirchenasyl. – Reinhild Widdig, Mitglied des Runden Tisches für Integration / Pfarrerin

Ja, alle Institutionen, es ist eine Aufgabe für jeden Mensch, sich auseinanderzusetzen mit diesem schrecklichen Thema. – Helene Batemona-Abeke, Sozialarbeiterin Pamoja Afrika e.V. Köln

Was wir derzeit unbedingt brauchen in Deutschland, sind Aufnahmeprogramme für Fliehende und Geflüchtete. – Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer Kölner Flüchtlingsrat

In der evangelischen Kirche geht es um Gemeinschaft und in dieser Gemeinschaft ist jeder willkommen, so wie er/sie ist – mit allen Besonderheiten. Und das schließt natürlich auch alle Menschen aller Kulturen ein. – Miriam Haseleu, Sprecherin des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen / Pfarrerin

Ganz am Anfang war ich irgendwie eintönig und da habe ich gedacht, was habe ich gedacht, was machen sie dann, wieso brauchen wir sie lange, um eine Entscheidung zu treffen und was diskutieren sie immer wieder und ich dachte: Oh Gott, ja, mach einfach das. Da habe ich ganz am Ende verstanden, das ist die Demokratie. – Mowaffaq Abdulmati, Arabischlehrer und Mitorganisator WiNHaus International

Wer Fortschritt und eine globale Wirtschaft befürwortet, der braucht auch Migration. Migration gehört seit über 2000 Jahren zur Kölner DNA. – Henriette Reker, Oberbürgermeisterin Stadt Köln

So haben wir jetzt seit Jahren immer eine Person im Kirchenasyl, meistens ist das für ein halbes Jahr oder dreiviertel Jahr – je nachdem. Wir haben dort Platz geschaffen, weil uns das wichtiger schien, dass ein Mensch Platz hat, als dass der Pfarrer sich sonntags in Ruhe umziehen kann. – Reinhild Widdig, Mitglied des Runden Tisches für Integration / Pfarrerin

Ich komme aus Eritrea und ich bin nach Deutschland von Eritrea in den Sudan von Sudan über die Wüste nach Libyen von Libyen über Mittelmeer nach Europa erreicht. – Haben Yohans, Geflüchteter / fand Schutz im Kirchenasyl

Jetzt, wo die Evakuierungsaktion der Bundeswehr zu Ende ist, sind viele Menschen in Not in Afghanistan verfolgt. Viele sind untergetaucht und wissen nicht mehr weiter. – Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer Kölner Flüchtlingsrat

Alltagsrassismus – für mich bedeutet das, wenn man auch mit Rassismus konfrontiert wird. Beispiel: Man steigt in die Bahn, sitzt, und zack wird man gefragt: Wo kommst du her, wo gehst du hin, wie fühlst du dich in Deutschland oder du bist super gut integriert, du hast eine Fahrkarte gekauft. – Helene Batemona-Abeke, Sozialarbeiterin Pamoja Afrika e.V. Köln

Menschen bewegen sich nicht nur innerhalb ihrer Herkunftstaaten, sie tun dies aus den unterschiedlichsten Gründen. Entweder leben sie für eine ganze Zeit oder auf Dauer in anderen Ländern – manchmal geplant und auch viel zu oft schicksalsgetrieben. – Henriette Reker, Oberbürgermeisterin Stadt Köln

Und die Idee von der Transkultur ist, das wenn ich jemandem begegnen, der aus einer anderen Kultur kommt, der eine andere Kultur mitbringt als ich, entsteht etwas Neues und dieses Neue, das interessiert mich. – Miriam Haseleu, Sprecherin des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen / Pfarrerin

Und wenn ich jetzt in den Irak gehen würde, denke ich, sie kennen dieses Wort Demokratie und es gibt Demokratie und demokratische Regierung, aber das stimmt nicht. Was ich hier gelernt habe, es ist ganz anders. – Mowaffaq Abdulmati, Arabischlehrer und Mitorganisator WiNHaus International

Eigentlich hat sich gezeigt, dass sich das Kirchenasyl in jedem Fall immer gelohnt hat. Die Menschen sind heute alle in Berufen oder haben eine Familie gegründet und sind hier gut angekommen. – Reinhild Widdig, Mitglied des Runden Tisches für Integration / Pfarrerin

Wir sind mehr als das, was man vielleicht manchmal von evangelischer Kirche denkt: Wir sind bunt, wir sind transkulturell. – Miriam Haseleu, Sprecherin des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen / Pfarrerin

Ich mache jetzt momentan eine Ausbildung bei den Ford-Werken als Metalltechniker und ich bin fast fünf Jahre in Deutschland. In Deutschland fühle ich mich gut, ich habe auch hier eine Familie gefunden, die mich auf meinem Weg begleitet. – Haben Yohans, Geflüchteter / fand Schutz im Kirchenasyl

Eine Metropole wie Köln profitiert seit Jahrhunderten davon, dass Menschen zuziehen, dadurch entsteht eine vielfältige Gesellschaft. Das ist eine große Chance für die Stadt und kein reines Migrationsthema. In jedem Fall gilt, wir alle müssen aufmerksam und wehrhaft bleiben und jeder Form von Diskriminierung und Ausgrenzung eine klare Absage erteilen. – Henriette Reker, Oberbürgermeisterin Stadt Köln

Deswegen brauchen wir ein Aufnahmeprogramm, um diese Menschen unbürokratisch und schnell nach Deutschland zu holen und sie zu retten. – Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer Kölner Flüchtlingsrat

Es gibt sehr viele Sachen, die mich überraschen, dass die hier in Deutschland gerade laufen und die Deutschen auf der anderen Seite, die werden wir auch überrascht, was sie von mir hören. – Mowaffaq Abdulmati, Arabischlehrer und Mitorganisator WiNHaus International

Es ist die Zeit gekommen, wo man auch die andere Beziehung der Geschichte erfährt und auch, wie gesagt, die Aufarbeitung des Kolonialismus, weil das führt auch zu Rassismus. – Helene Batemona-Abeke, Sozialarbeiterin Pamoja Afrika e.V. Köln

Was ich aber noch auch von einem besonders gelernt habe, war Gastfreundschaft. Derjenige kam jedes Mal, wenn ich in die Kirche komme: Dann sagt er, komm setz dich und bot mir eine Tasse Kamillentee und eine halbe Banane an. Mit einem Mal war er der Gastgeber und ich habe verstanden, dass das eine innere Haltung ist. Ganz egal, wo man hin gespült wird, kann man sich die bewahren und dieser Mensch hatte sehr viel Würde und davon habe ich vielleicht am meisten mitgenommen. – Reinhild Widdig, Mitglied des Runden Tisches für Integration / Pfarrerin

Wir tragen Verantwortung für unser Miteinander, für unsere Gemeinschaft und so ist evangelische Kirche auch immer politisch – und zwar nicht im spaltenden oder parteipolitischen Sinne, sondern im Sinne der Gemeinschaft: #LeaveNoOneBehind – Miriam Haseleu, Sprecherin des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen / Pfarrerin

Text: APK
Foto(s): APK

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Unsere Wochentipps: Jüdische Stummfilmnacht, Lesung „Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer“ und Gebet der Religionen

Unsere Wochentipps gehen diesmal vom Jubiläumskonzert des MenschenSinfonieOrchesters über die Jüdische Stummfilmnacht mit Live-Musik bis hin zur „Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer“-Lesung mit der Herausgeberin Jutta Koslowski und der Stadtteilführung „Stolpersteine“ – und reichen über das Abschlusskonzert des Kölner Kirchenmusikfestivals hin zum Gebet der Religionen am Weltfriedenstag – die Tipps in der Übersicht:

16.09.2021, 20:00
Evangelische Gemeinde Köln
Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4, 50677 Köln-Südstadt
20 Jahre MenschenSinfonieOrchester
Jubiläumskonzert in der Lutherkirche: Pfarrer Hans Mörtter moderiert am Donnerstag, 16. September, 20 Uhr, in der Lutherkirche Südstadt, Martin-Luther-Platz 2-4, das Jubiläumskonzert des MenschenSinfonieOrchesters. Seit 20 Jahren treten die Musikerinnen und Musiker verschiedener Herkunft unter der Leitung von Alessandro Palmitessa auf. Als besondere Gäste werden an diesem Abend auch die Musiker Richard Bargel und Klaus der Geiger zu hören sein. Der Eintritt ist frei. Platzreservierungen erfolgen per E-Mail an suedstadt.leben@koeln.de.

www.menschensinfonieorchester.info

17.09.2021, 20:00
Evangelische Gemeinde Köln
AntoniterCityKirche, Schildergasse 57, 50667 Köln
11. Kirchenmusikfestival Köln
Jüdische Stummfilmnacht mit Live-Musik: Am Freitag, 17. September, 20 Uhr, Antoniterkirche, Schildergasse 57. Gezeigt werden die Filme „Der Golem – Wie er in die Welt kam“ aus dem Jahr 1920 und „Das alte Gesetz“ jeweils mit Live-Musik und einer Einführung ins Thema. Lea Wohl von Haselberg: spricht über „Eine Frage der Perspektive. Der Golem und andere jüdische Figuren im Weimarer Kino“. Die Filmvorführung mit einer neuen Musikfassung von Regionalkantor Wilfried Kaets für Orgel (Samuel Dobernecker) und Liveelektronik (Joel Jaffe) beginnt um 20.30 Uhr. Der Stummfilm “Das alte Gesetz“ aus dem Jahr 1923 wird im Anschluss 22.30 Uhr, gezeigt. Er wird ebenfalls von Live-Musik in einer neuen Musikfassung für Orgel, Schlagwerk und Gesank von Wilfried Kaets begleitet. Ausführende sind Aron Proujanski (Gesang), Norbert Krämer (Schlagwerk) sowie Wilfried Kaets (Orgel). Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf online unter www.antonitercitykirche.de

https://festival2021.kirchenmusik-koeln.de/

19.09.2021, 14:30
Evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein
Friedenskirche, Wallstraße 70, 51063 Köln
Stadtteilführung „Stolpersteine“
Erinnerung an jüdisches Leben in Mülheim von 321 bis heute: Die Evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein lädt am Sonntag, 19. September, 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr, zu einer Stadtteilführung zu den „Stolpersteinen“ des Künstlers Gunther Demning ein. Im Kölner Stadtteil Mülheim sind über 45 der „Stolpersteine“ vor Häusern verlegt, in denen bis zu ihrer Deportation Juden gelebt haben. Pfarrer i.R. Dietrich Grütjen sucht einige von ihnen auf und erzählt über jüdisches Leben im Stadtteil vom Jahr 321 bis heute. Die Teilnehmenden treffen sich an der Friedenskirche, Wallstraße 70. Um Anmeldung per E-Mail an dietrich.gruetjen@gmx.de wird gebeten.

www.kirche-koeln-muelheim.de

19.09.2021, 17:00
Evangelische Kirchengemeinde Pulheim
Gnadenkirche, Gustav-Heinemann-Straße 28c, 50259 Pulheim
„Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer“
Lesung mit der Herausgeberin Jutta Koslowski: Mehr als siebzig Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Dietrich Bonhoeffer hat seine jüngste Schwester Susanne Dreß ihre Lebenserinnerungen aufgezeichnet: Von der Kindheit im Kaiserreich über den Ersten Weltkrieg und die Räterepublik bis zum Nazi-Regime und die Zeit des Wiederaufbaus reicht ihre Biografie und spiegelt die enormen Wandlungen wider, welche sich in diesem Zeitraum vollzogen haben. Jutta Koslowski als Herausgeberin des Buches liest am Sonntag, 19. September, 17 bis 19 Uhr, in der Evangelischen Gnadenkirche Pulheim, Gustav-Heinemann-Straße 28, aus dem Buch vor und kommt mit den Teilnehmenden ins Gespräch. Pfarrerin Sabine Petzke aus Pulheim und Pfarrerin Siegrid Geiger aus Köln-Pesch moderieren die Veranstaltung. Eine Anmeldung per E-Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich. Der Eintritt ist frei.

www.melanchthon-akademie.de

19.09.2021, 18:00
Trinitatiskirche
Trinitatiskirche, Filzengraben 4, 50676 Köln
Abschlusskonzert des Kölner Kirchenmusikfestivals
„Laudes Organi“ – Chor- und Orgelmusik: Zum Abschluss des Kirchenmusikfestivals Köln laden die evangelische und die katholische Kirche in Köln zu einem Konzert in die Trinitatiskirche, Filzengraben 4, ein. Am Sonntag, 19. September, 18 Uhr bis 19.30 Uhr, erklingt unter dem Titel „Laudes Organi“ Chor- und Orgelmusik von Zoltán Kodály, Felix Mendelssohn, Louis Lewandowski, Petr Eben und Charles Villiers Standford zum Jahr der Orgel und zum Jubiläum 1700 Jahre jüdisches Leben in Köln. Ausführende sind der reger chor köln, Lorraine Pudelko (Sopran) sowie Iris Rieg und Wolf-Rüdiger Spieler (beide Orgel). Der Eintritt kostet 10 Euro.

www.trinitatiskirche-koeln.de

21.09.2021, 18:00
Evangelisch Leben in Köln und Region
Gebet der Religionen am Weltfriedenstag
„15 Jahre Kölner Friedensverpflichtung“: Zu Gebet, Gesprächen und Begegnung am Weltfriedenstag, Dienstag, 21. September, 18 Uhr, lädt der Kölner Rat der Religionen ein. Im Garten der Religionen, Stolzestraße 1a, gedenken Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften der Kölner Friedensverpflichtung, die vor 15 Jahren unterschrieben wurde. Darin heißt es: „Als jüdische, christliche und muslimische Frauen und Männer erklären wir, dass Gewalt und Terror um Gottes Willen nicht sein dürfen und dem authentischen Geist unserer Religionen widersprechen“. Die Synagogen Gemeinde, das Katholische Stadtdekanat, der Katholikenausschuss, der Evangelische Kirchenverband Köln und Region, die Türkisch-islamische Union, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen sowie der damalige Oberbürgermeister gehörten damals zu den Unterzeichnenden. Die Veranstaltung findet unter freiem Himmel statt. Es gilt die dann aktuelle Coronaschutz-Verordnung.

Text: APK
Foto(s): APK

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Evangelische Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld weiht neues Gemeindezentrum ein

Die evangelische Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld hat mit dem Fliedestedenhaus und Benderstift ihr neues Gemeindezentrum eingeweiht. „Heute ist ein besonderer Tag, ein wirklicher Freudentag“, begrüßte Pfarrer Uwe Zimmermann im lichtdurchfluteten großen Saal des neuen Fliestedenhauses/Benderstiftes die Festgäste. „Es geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung“, so der Vorsitzende des Presbyteriums der Evangelischen Clarenbach-Kirchengemeinde. Schon im vorangegangenen Gottesdienst in der nahen Clarenbachkirche hatte die Gemeinde Gott gedankt. Nun vollzog sie bei angemessen sommerlichen Temperaturen und mit musikalischen Beiträgen feierlich, bisweilen entspannt-humorig die Einweihung ihres „gemeinsam mit dem gemeinnützigen Sozialwerk der Evangelischen Clarenbach-Kirchengemeinde“ errichteten Neubaus.

Dieser trägt den Namen Fliestedenhaus und Benderstift. Im Erdgeschoss befinden sich die modernen Gemeinderäume für verschiedene Nutzungen. Dort sind ein Treff- und Begegnungsort für Jung und Alt entstanden sowie das Gemeindebüro eingerichtet. In den drei Obergeschossen des Benderstifts liegen 17 seniorengerechte und barrierefreie Wohnungen für betreutes Wohnen. Sie werden wie die zusätzlich neu angebotene Tagespflege im Erdgeschoss vom Sozialwerk verwaltet.

„Eine Bereicherung für den Stadtteil“

Bereits 2012 habe man mit dem Investor des Clarenbach-Platzes über ein neues Gemeindehaus und Seniorenheim nachgedacht, erinnerte Uwe Zimmermann. 2015 habe sich die Gemeinde entschieden, auf eigenem Grund ein neues Haus zu bauen, weil das alte Benderstift nicht mehr wirtschaftlich habe betrieben werden können. Die Umsetzung sei durch die Architekten Firma Maier + Hollenbeck erfolgt, „die als Generalplaner für die Gemeinde tätig waren“. Im Oktober 2019 startete der Rohbau. Auf das Richtfest habe man aufgrund der Pandemie verzichtet. Uwe Zimmermann dankte im Namen des Bauherrn allen, die sich für das Projekt eingesetzt haben. „Das Ergebnis all ihrer Bemühungen kann sich nicht nur sehen, sondern vorzeigen lassen.“ Das freundlich-helle Gebäude sei schön anzusehen, laute das Urteil von Nachbarn. „Tatsächlich ist es eine Bereicherung für den Stadtteil.“

„Es ist zusammengewachsen, was zusammengehört“

„Die Kirchengemeinde hat endlich ein Gemeindehaus, das Raum für vielfältige Aktivitäten bietet.“ Es bietet Veranstaltungs- und Besprechungsräume, Räume für Kinder- und Jugendliche, Küchen und eine Kleiderkammer. „Es ist zusammengewachsen, was zusammengehört“, formulierte Uwe Zimmermann. „Das Haus zu bauen haben wir geschafft. Dieses mit Leben zu füllen, wird eure Aufgabe sein“, wandte er sich an die Gemeindeglieder.

Die Einweihung sei für ihn ein ergreifender Moment, gestand Architekt Felix Rindt vom Generalplaner Maier + Hollenbeck. Nach Umbau und Sanierung des Clarenbachstifts habe man hier neu gebaut. Trotz Pandemie und unter teils schwierigen Witterungsbedingungen sei man knapp im Zeitplan geblieben. Fast eingehalten habe man auch den Kostenrahmen. Insgesamt belaufen sich die Projektkosten auf circa 7,3 Millionen Euro. Seinen besonderen Dank richtete Rindt an die Gemeinde und das Sozialwerk für die vertrauensvolle und immer zielführende Zusammenarbeit. Sein Dank ging ebenfalls an die nachsichtigen Anlieger, die Lärm und Staub hätten ertragen müssen. Der Neubau bedeute eine „Aufwertung für das gesamte Veedel“, so Rindt. Das bestätigten auch sehr positive Rückmeldungen aus der Nachbarschaft. Zur Feier brachte er zwei Dinge mit. Den Entwurf der Grundsteinplatte, die an der Saalwand die Nische mit der am Reformationstag 2019 befüllten Zeitkapsel schließt. Und zweitens den Gebäudeschlüssel. Dieser war ob seiner Größe leicht als symbolisch zu identifizieren. Ihn überreichte Rindt Pfarrer Uwe Zimmermann und Irina Helmert, Geschäftsführerin des Sozialwerks der Evangelischen Clarenbach-Kirchengemeinde.

Pfarrer Markus Zimmermann nahm in zwei Funktionen an der Einweihung teil – als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Nord und Aufsichtsratsvorsitzender des Sozialwerks der Evangelischen Clarenbach-Kirchengemeinde. „Köln ist immer für eine Schlagzeile gut, auch bundesweit. Das hat auch mit Ihnen zu tun“, wandte der dankbar mitfeiernde und sich mitfreuende Superintendent an die Gemeinde. Die Erklärung kam prompt. Bei den heute alle drei bis vier Jahre in wechselnden Städten stattfindenden Evangelischen Kirchbautagen der EKD schauten die Teilnehmenden, „wie das geht in einer Stadt, dass Kirche lebendig ist“. Dass Kirche nicht nur lebe, sondern innovativ sei. Deshalb werde der Kirchbautag im nächsten Jahr in Köln ausgerichtet. Vom 8. bis 13. September 2022 laute das Motto „Mut baut Zukunft“. „Was sie errichtet haben, zeigt, dass sie mutig sind, ein Zeichen setzen wollen“, dankte er der Gemeinde und Architekten. „Wir reißen nicht nur ab, wir bauen auch neu!“ Und dieser transparente, einladende Bau, in den die Menschen hineinschauen könnten, zeige: „Kirche ist mitten in der Welt.“ Markus Zimmermann wünschte, „dass dieses Haus ein Segen ist. Dass Menschen einen positiven Eindruck von Kirche und Gemeinde bekommen.“

„Gott segne dieses Haus“

Herzlichen Glückwunsch sagte er auch als Aufsichtsratsvorsitzender. „Es ist das Fliestedenhaus und es ist das Benderhaus“, erinnerte Zimmermann daran, dass einst die zwei Schwestern Bender ihr Vermögen gestiftet haben, damit Wohnraum für ältere Menschen geschaffen werden kann. „Es ist jetzt das neue Benderhaus mit Wohn- und Lebensraum für ältere Menschen. Und es sei „ein wunderbares Gemeinschaftswerk. Was wollen wir mehr?!“ Im Gottesdienst hätten wir bereits gehört, dass wir alle lebendige Steine seien und versuchten die Botschaft Jesu weiterzutragen. „Wir sind diejenigen, die auch den Mut haben, Anstoß zu sein und Anstoß zu geben“, schloss Markus Zimmermann mit den Worten: „Gott segne dieses Haus.“

„Nach der umfangreichen Sanierung des Clarenbachstifts konnten wir hier nun neu bauen“, freute sich ebenfalls Irina Helmert, Geschäftsführerin des Sozialwerks. Sie schilderte, dass es wie immer auf den letzten Metern „ein bisschen brenzlig“ geworden sei, jedoch alles geklappt habe. Sie informierte, was für das Sozialwerk entstanden ist. „17 wunderschöne Wohnungen, gut geschnitten, zwischen 40 und 70 qm groß.“ Überraschend wie erfreulich sei es, dass „wir es geschafft haben, noch vor der Fertigstellung alle Wohnungen zu vermieten“. Der jüngste Bewohner zähle 81 Jahre, der älteste 95, das Durchschnittsalter betrage 87. In der nun zusätzlich angebotenen Tagespflege könnten 14 Gäste aufgenommen werden. „In Coronazeiten sind es maximal acht.“ Vermietet seien ebenso alle 16 Stellplätze in der Tiefgarage. „Alles in allem ist es ein wunderschönes Haus geworden“, so Helmert. Ihr Dank galt dem Aufsichtsrat des Sozialwerks für die Unterstützung und Beratung, das Vertrauen und den Mut, „dass wir die Investition tätigen konnten“. Weiter dankte sie der Clarenbach-Kirchengemeinde und den Architekten.

Bevor zu Imbiss und Umtrunk sowie zur Besichtigung der Gemeinderäume und Tagespflege eingeladen wurde, wandte sich Dr. Michael Weidemann an die Festgäste. Der Baukirchmeister überreichte ein gut verpacktes Geschenk an Uwe Zimmermann. Denn „aus seiner Idee ist das Projekt eigentlich gewachsen“, würdigte Weidemann. „Er hat uns intensiv begleitet, die Bauarbeiten intensiv vorangetrieben.“ Der Baukirchmeister verdeutlichte schließlich, wie stark das Gemeinde-Prinzip der Offenheit, Durchsichtigkeit und Transparenz sich am Gemeindehaus ablesen lasse. Man könne durch die gläserne Straßenfront hineinschauen, wie man auch durch das teilverglaste Portal in die Clarenbachkirche schauen könne.

Text: Engelbert Broich/APK
Foto(s): Engelbert Broich/APK

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„Köln zeigt Haltung“ – Aufnehmen, Hierbleiben, Solidarität

„Weg frei! Für eine sofortige Aufnahme Flüchtender“ – mit dieser Forderung an die politischen Parteien im Bundestagswahlkampf hat „Köln zeigt Haltung“ zu einem Konzert mit Kundgebung am Sonntag, 12. September, geladen.  Im Mittelpunkt steht die Aufforderung an den neuen Deutschen Bundestag, seine Flüchtlingspolitik zu überarbeiten und konkreter an Innenminister Horst Seehofer den sogenannten „Sicheren Häfen“ zu erlauben, mehr Geflüchtete aufzunehmen.

Hinter der Veranstaltung „Köln zeigt Haltung“ stehen der Kölner Flüchtlingsrat e.V., Kölner Runder Tisch für Integration, Katholikenausschuss Köln, Lutherkirche, Wir haben Platz und viele mehr.

Zusammen mit Çiler Fırtına, Verein El-De-Haus e.V. moderiert Südstadtpfarrer Hans Mörtter an der Südbrücke. Bei „Köln zeigt Haltung“ handelt es sich um ein stadtweites Bündnis. Seit 2019 ist Köln eine von 267 Städten, die sich als „Sichere Häfen“ erklärt haben. „Sie wollen aufnehmen, aber sie dürfen nicht aufnehmen“, erklärt Mörtter „und das muss sich ändern.“ Mörtter fordert einen Paradigmenwechsel, der mit der Bundestagswahl in zwei Wochen beginnen soll.

Kölner Flüchtlingsrat, ver.di und Kölner Willkommensinitiative

Claus Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats

„Seit Jahren blockiert das Bundesinnenministerium solche Programme durch die Bundesländer Menschen in höchster Not aus Krisengebieten oder von den EU-Grenzen bei sich aufzunehmen und ihnen Schutz geben zu wollen. Die monatelange Blockade einer schnellen und umfassenden Aufnahme von Ortskräften und Schutzsuchenden aus Afghanistan dokumentiert eine von Abwehr und Angst geleitete Politik, die Menschenleben kostet“, kritisiert Claus Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats.

„Unsere bei der Deutschen Welle, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und der Bundeswehr beschäftigten Mitglieder und ihre Personalräte fürchten um das Leben ihrer afghanischen Kolleginnen und Kollegen. Sie haben die Arbeit deutscher Institutionen und Medien erst möglich gemacht. Wir alle haben kein Verständnis für die Kälte und Menschenverachtung deutscher Sicherheitsbehörden, die diese Menschen im Stich lassen“, sagt Heidrun Abel, Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di im Bezirk Köln-Bonn-Leverkusen.

„Wir wollen alle, die Schutz brauchen, aufnehmen, denn es ist genug Platz da. Das gilt für die Flüchtenden auf den griechischen Inseln, an den Grenzen der EU in Bosnien und derjenigen, die aus Afrika kommen und dringend vor dem Ertrinken bewahrt werden müssen“, bekräftigt Marianne Arndt von den Kölner Willkommensinitiativen.

„Das Gebot der Nächstenliebe gilt immer und allen Umständen.“

Gregor Stiels und Bernhard Seiger fanden deutliche Worte

Auch Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen waren Teil der Kundgebung und hatten eine klare Botschaft. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wir stehen hier in ökumenischer Verbundenheit, weil wir in unseren Kirchen eine gemeinsame Haltung haben“, so Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, und weiter: „Die Würde jedes Menschen ist der Grundton unserer Lebenshaltung. Wir erleben eine verrückte Zeit, in der vieles unsicher geworden ist: Coronakrise, Flutkrise, Klimakrise, die menschliche Tragödie in Afghanistan. Das sind alles schwierige Themen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Aber in allem, was schwierig ist, muss unser Kompass stimmen. Als Christen schätzen wir das Gebot der Nächstenliebe. Es gilt immer und unter allen Umständen. Alles, was wir mit Verstand und Herz tun, muss sich an diesem Gebot messen lassen.“

Seiger begrüßt diese Kundgebung, weil sie „aufrüttelt und spüren lässt, welches Leid Menschen erleben, die sich zur Flucht entschließen und auf den Fluchtrouten nicht weiterkommen.“ Besorgt äußert er sich mit Blick auf die EU-Außengrenzen, die Lage in den Flüchtlingslagern und die Lebensgefahr auf hoher See. „Die Schaffung von humanitären Bedingungen in den Flüchtlingslagern und die Seenotrettung ist eine humanitäre Pflicht Europas und aller seiner Mitgliedsstaaten. Ob geflüchtete Menschen dann einen Asylstatus oder eine Duldung in einem europäischen Land erlangen oder nicht, muss in fairen Verfahren geklärt werden. Aber die Würde jedes Menschen ist unantastbar.“

Der Stadtsuperintendent freut sich über den Beschluss des Kölner Stadtrates von vor zwei Jahren, mit dem sich Köln zum „sicheren Hafen“ erklärt hat. „Ich lebe gerne in einer Stadt, der die Not von Menschen auf der Flucht nicht egal ist. Ich lebe gerne in einer Stadt, die zugleich realistisch ist und weiß, dass die Fluchtgründe nur global gelöst werden können. Die Aufnahme Geflüchteter ist eine europäische Aufgabe.“ Die evangelische Kirche trägt ihren Teil dazu bei und unterstützt geflüchtete Menschen. Hinter ihr stehen die Diakonie, viele Gemeinden, unsere Beratungsarbeit und Sprachkurse sowie zahlreiche Ehrenamtler.

Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholiken Ausschusses, fordert von der Politik, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, notfalls auch gegen den Willen von Sicherheitsbehörden für eine humanitäre Aufnahme zu sorgen: „Daran werden wir Ihre Wahlaussagen messen.“

Zahlreiche prominente Unterstützerinnen und Unterstützer

Zahlreiche Rednerinnen und Redner sowie Musikgruppen unterstützen die Aktion. Unter ihnen: Brings, Klüngelköpp, Planschemalöör, Fortuna Ehrenfeld, Michael Kokott und Chöre, Heidrun Abel von ver.di und Vero Däges von #WirHabenPlatz. Sie alle folgten der Einladung Pfarrer Mörtters und transportierten ihre Botschaft mit Sprache und/oder Musik.









Text: APK
Foto(s): APK

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„Leid kennt keine Konfession“ Präses Thorsten Latzel und Stadtsuperintendent Bernhard Seiger besuchten Blessem – Hilfe in vielfältiger Form zugesagt

Es liegt eine beklemmende Stille über Blessem an diesem frühen Samstagmorgen. Nur hin und wieder durchbrochen von dem durchdringenden Stakkato der Pressluft- und den Druckluft-Meißelhämmern. Es werden immer noch Putz und Estrich weggestemmt in dem von der Flut stark betroffenen Stadtteil von Erftstadt. Auf zahlreichen Fassaden sind rote Kreise mit Kreuzen aus Sprühkreide zu sehen. Statiker haben diese Häuser geprüft und entschieden: Die dürfen stehen bleiben.

Es ist neun Uhr und im Info-Point der Johanniter vor der katholischen Kirche St. Michael geht es noch beschaulich zu. Hier werden die Helfereinsätze koordiniert. Gegen Mittag wird es belebter werden. Dann geben die Helferinnen und Helfer innerhalb von drei Stunden 150 Essen heraus. Immer noch sind viele Haushalte ohne Strom und Gas. Es hat sich Besuch angekündigt.

Besuch des Präses

Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, und Bernhard Seiger, Superintendent des Kirchenkreises Köln-Süd, zu dem Erftstadt-Blessem gehört, wollen sich vor Ort knapp acht Wochen nach der Katastrophe ein Bild machen. Sie werden empfangen von den Lechenicher Pfarrerinnen Friederike Schädlich und Sabine Pankoke sowie Pfarrerin Andrea Dörer aus Liblar.  Ebenfalls im Empfangskomitee vertreten sind die Presbyterin Sabine Finster sowie Birgit Bartmann, katholische Gemeindereferentin aus Blessem.

Die Einwohnerinnen und Einwohner haben Übermenschliches geleistet, nachdem die Flut am 14. Juli den Ort überspült hat. Die Radmacherstraße und die Frauenthaler Straße sind vom Flutmüll gesäubert. Äußerlich wirkt alles fast wie immer. Wären da nicht die offenen Fenster, aus denen das Summen der Trocknungsautomaten zu hören ist. Ein Blick ins Innere der Häuser offenbart die Wahrheit. Nirgends mehr Putz an den Wänden, kein Estrich auf den Böden. Es riecht modrig. Reger Verkehr herrscht an der Hundeschule am Ende des Elisabethenwegs. Dort ist der zentrale Flutmüllplatz von Blessem. Meterhoch liegt da auf einer Strecke von 30 Metern alles, was die Flutopfer mal ihr Eigen nannten. Und noch immer kommen Leute und liefern Sperrmüll ab.

„Was brauchen Sie und wie können wir Sie unterstützen?“

Präses Latzel hat auch schon das Ahrtal besucht.  Ihn bewegen rund acht Wochen nach der Katastrophe zwei zentrale Fragen: „Was brauchen Sie? Wie können wir Sie unterstützen?“ Eigentlich habe die Pandemie als Plage schon genug Unheil angestiftet. Und jetzt auch noch das Wasser. „Viele haben in dieser Zeit den Glauben an die Menschheit zurückgewonnen“, verweist der Präses auf die positiven Seiten der Solidarität, die viele mit den Flutopfern geübt hätten.

„Geld ist momentan nicht unser größtes Problem. Es geht eher darum: Wie kriegen wir die Verteilung koordiniert?“ Vertreter der Landeskirche hätten sich von Experten aus Sachsen beraten lassen, die beim Elbhochwasser Erfahrungen gesammelt hätten. „Bis alles wieder so ist wie vorher, werden fünf bis sechs Jahre vergehen, sagen die.“ Es gebe große Dankbarkeit in der Bevölkerung für die professionellen Rettungskräfte und ihre ehrenamtlichen Helfer, sagte Pfarrerin Schädlich bei einem Rundgang durch den Ort.

Viele Blessemer sind bei Verwandten und Freunden untergekommen. Seiger wies auf einen weiteren Aspekt hin: „Vielen stellt sich jetzt die Frage, wo sie im Winter ein Dach über dem Kopf haben werden.“ Es fehlen Handwerkerinnen und Handwerker, die Hausanschlüsse für die Stromversorgung legen und Heizungen einbauen. Und die müssen bezahlt werden.

„Zuerst müssen die Versicherungen zahlen, dann der Bund und die Länder, und danach wir.“

Latzel benannte die Reihenfolge: „Zuerst müssen die Versicherungen zahlen, dann der Bund und die Länder, und danach wir.“ Es müsse unbedingt vermieden werden, dass die Menschen sich „nackt“ machen müssten, um Spendengelder zu erhalten. Allerdings: „Wir müssen den Spagat hinbekomme, die Spendengelder unbürokratisch und transparent zu verteilen.“

Seiger ergänzte: „Es ist ganz wichtig, dass wir das Vertrauen hochhalten.“ Latzel möchte das Wissen Mitarbeitender vor Ort nutzen. „Sie können natürlich keine Einzelprüfungen machen. Aber Sie kennen die Leute und können gut einschätzen, wo Hilfe gebraucht wird.“ Die Kirchenleitung unterstützt die Gründung von Diakonie-Teams, die in nächster Zeit für die Beratung der Flutopfer bereitstehen werden.

Stadtsuperintendent Seiger fragte den Präses, ob die Gemeinden vor Ort Unterstützung aus Düsseldorf bekommen könnten. „Die Gemeindearbeit geht in den Flutgebieten ja weiter. Die Unterstützung muss aber dauerhaft sein. Man könnte eine Pfarrerin oder ein Pfarrer für ein Jahr zur Entlastung nach Lechenich schicken. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Gemeinde das möchte.“

Latzel möchte nach Möglichkeiten suchen, Ehrenamtliche für die Hilfe bei Traumatisierungen zu qualifizieren. Gemeindereferentin Birgit Bartmann brachte einen weiteren Aspekt ein: „Wir müssen das alles  größer und ökumenischer denken. Den Leuten ist es letztlich egal, ob da jemand von der Diakonie oder der Caritas vor ihnen sitzt.“ Da war sich die Runde einig, und Latzel fasste zusammen: „Leid kennt keine Konfession. Überall, wo wir Partner finden, werden wir zusammenarbeiten.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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„Mit dem Glauben und mit dem Sport kann man einiges bewegen und erreichen“

„Es ist ein schöner Moment, wenn man die jungen Kinder in der Vielfalt ins Ziel laufen sieht und die Eltern strahlend klatschen und die Kinder trotz der großartigen Leistung noch die Kraft besitzen zu jubeln und zu hüpfen, wenn Sie die Medaille bekommen“, sagt Marco Beumers über das Lauf-Event „evangelisch.läuft“, das Anfang September stattgefunden hat. „Was bleibt ist ein angenehmes Miteinander, die Freude sich wiederzusehen und gemeinsam mit unbekannten Menschen diese Veranstaltung zu rocken.“ Das Interview mit dem Koordinator für Arbeits- und Gesundheitsschutz beim Evangelischen Kirchenverband Köln und Region:

Was ist „kirche.läuft“ bzw. der Pax Stadionlauf?

Marco Beumers: Der Lauf bzw. das inklusive Sportfest sind etwas ganz Besonderes. Menschen mit oder ohne Handicap, losgelöst von der eigenen Glaubensrichtung, begegnen sich auf einer entspannten Art und Weise draußen in der freien Natur. Gerade jetzt in der Zeit der Pandemie ist es einfach nur schön zu sehen, dass sich Menschen wieder trauen und gemeinsam ein Ziel verfolgen. Das Ziel ist es nicht unbedingt der erste zu sein, nein, vielmehr geht es um die Gemeinschaft und das soziale Miteinander.

Wer steckt dahinter? Wer hatte die Idee?

Marco Beumers: Als interessierter Läufer hat unser Stadtsuperintendent Dr. Seiger den Impuls gesetzt, „evangelisch.läuft“ als Mitträger der Veranstaltung umzusetzen. Für den Lauf haben sich dann schnell sportbegeisterte Kolleginnen und Kollegen aus dem Evangelischen Kirchenverband und dem Diakonischen Werk gefunden, die den 5 km sowie den 10 km Lauf aktiv bestritten haben. Es war spannend zu sehen, wie die Jugend den 1,3 km Lauf bestritten hat: so schön unbedacht, strahlend und voller Vorfreude. Am Ende haben dann alle Kinder „Finisher“ eine Medaille erhalten.

Sport und Kirche – wie passt das eigentlich zusammen?

Marco Beumers: Das passt sehr gut zusammen, zum Beispiel: Warum beten wir? Wir beten nicht nur für die Verstorbenen, nein, wir beten auch für uns selbst, dass wir das Ziel, welches wir uns gesetzt haben, erreichen können. Dass wir schöne Momente genießen dürfen, dass wir gesund bleiben oder wieder werden und vieles mehr. Begegnungen, die einen erfüllen in der Hoffnung, das gleiche auch weitergeben zu dürfen. Mit dem Glauben und mit dem Sport kann man einiges bewegen und erreichen. Oftmals fällt es einem allerdings erst im Nachgang auf.

An wen richtet sich das Angebot?

Marco Beumers: Das Angebot gilt für alle und jeden! Jede Person ist herzlich willkommen mitzulaufen, unabhängig von Alter,  Geschlecht oder Handicap.

Wann haben sich die Läufer:innen kennengelernt?

Marco Beumers: Das ist das Schöne daran, dass man vor Ort auf Menschen trifft, die man zuvor noch nie gesehen oder geschweige persönlich gesprochen hat. Es gab viele sympathische und vertraute Begegnungen, als würde man nicht zum ersten Mal an dieser Veranstaltung in Gemeinschaft, teilnehmen. Offenheit und die Energie der Teilnehmenden konnte man förmlich spüren. Man sah glückliche und strahlende Gesichter, selbst beim Lauf nach einigen Kilometern war die Freude immer noch in den Gesichtern zu sehen. Von außen wurde man angefeuert und umjubelt. Das war ein schönes Gefühl.

Ist aus dem Kontakt etwas entstanden, was bleibt?

Marco Beumers: Was bleibt ist ein angenehmes Miteinander, die Freude sich wiederzusehen und gemeinsam mit unbekannten Menschen diese Veranstaltung zu rocken.

Was war das für ein Gefühl, angetreten, mitgemacht und das Ziel erreicht zu haben?

Marco Beumers: Als erstes waren wir sehr froh, dass das Wetter mitgespielt hat. Beim Regen laufe ich nämlich nicht gerne (lacht). Es ereilen einen viele Gefühle, wenn man erst einmal da steht und einem bewusst wird, dass es gleich los geht. Beim Start sind die ersten Meter immer etwas beschwerlich, da es etwas dauert, bis man aus dem Pulk der Teilnehmenden raus ist und sein eigenes Tempo gefunden hat. Ab dem Zeitpunkt versucht man das Tempo bis zum Ende aufrecht zu erhalten. Schwer wird es dann, wenn Steigungen auftreten oder man von jemanden überholt wird, der locker hätte der eigene Vater sein können. In dieser Situation wird der Ehrgeiz geweckt, dran zu bleiben und ihn vor dem Zieleinlauf überholt zu haben. Im Ziel angekommen, spürt man schonmal, dass etwas weh tut oder dass man sich doch vielleicht etwas übernommen hat. Es mit den Kolleginnen und Kollegen geschafft zu haben, überwiegt das aber letztendlich.

Gab es besonders schöne oder gar kritische Momente?

Marco Beumers: Kritische Momente gab es keine. Schöne Momente hingegen sehr viele. Wie zu Anfang beschrieben ist es ein schöner Moment, wenn man die jungen Kinder ins Ziel laufen sieht und die Eltern strahlend klatschen und die Kinder trotz der großartigen Leistung noch die Kraft besitzen zu jubeln und zu hüpfen, wenn Sie die Medaille bekommen. Einfach nur herrlich!

Was nehmen Sie nach der Veranstaltung mit?

Marco Beumers: Das ist schwer zu sagen. Vielleicht Freude, dass man es geschafft hat, auch ohne wochenlanges Training (lacht). Vielleicht auch einfach nur, dass man dabei sein durfte und viele Menschen sich begegnet sind mit dem Motto: Wir sind alle gleich und schaffen es gemeinsam.

Haben Sie Tipps für Mitläufer:innen und die, die es werden möchten?

Marco Beumers: Traut Euch! Das muss man einfach mal erlebt haben.

Wird es eine Fortsetzung geben und wie kann man mitmachen?

Marco Beumers: Ich gehe davon aus, dass es eine Fortsetzung geben wird. Bewegung ist wichtig und wir als Kirche werden das immer und gerne unterstützen. Schaut einfach regelmäßig auf www.kirche-koeln.de vorbei. Wir informieren Euch gerne über den nächsten Termin.

Welche Wünsche haben Sie für das Format?

Marco Beumers: Dass es weiterhin gut angenommen wird und auf großes Interesse stößt. Es sich auch Personen zutrauen, die sonst solche sportlichen Events gerne meiden. Die Vielfalt ist nicht nur schön, sondern macht es auch zu etwas Besonderem.

Text: APK
Foto(s): Marco Beumers/APK

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Pfarrer Georg Fritze: Leichtes Gepäck?

Pfarrer Georg Fritze hat in seinem Leben einige Male die Koffer gepackt. Er studierte 1892-1895 evangelische Theologie in Halle und Marburg. Nach seinem Militärdienst und seiner Ordination 1902 war Fritze Pfarrer in der Bergarbeiterstadt Charleroi. Darauf folgten Beschäftigungen in Magdeburg und Nordhausen. Ab 1914 ist er in Köln zunächst an der Trinitatiskirche und später an der Kartäuserkirche tätig.

Leicht war sein Gepäck in all der Zeit sicherlich nicht. Davon zeugen nicht nur der zerschlissene Koffer, sondern auch die sich darin befindenden Notiz- und Tagebücher. Sie bewahren u.a. bisher noch nicht erschlossene Eindrücke, Erlebnisse und Konflikte, die Georg Fritze zwischen 1916 und 1939 erlebte. Bereits zu Beginn seiner Tätigkeit in Köln war er konfrontiert mit den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges. Anders als manch anderer Amtskollege stimmte er nicht in die Kriegsparolen mit ein, sondern erklärte sich 1917 offen gegen den Krieg.

Aufbau der Kirche

Beschimpfungen und Gegenerklärungen musste Fritze für seine Haltung hinnehmen. Nach dem Krieg trat Fritze für einen Aufbau der Kirche von unten ein. Er hegte offen Sympathien für die Sozialdemokratie und engagierte sich für eine Annäherung von Kirche und Arbeiterschaft.[1] Fritze initiierte in Köln den „Bund religiöser Sozialisten“, der sich 1921 dem in Berlin gegründeten „Bund religiöser Sozialisten Deutschlands“ anschloss. Beeinflusst wurde sein Handeln wohl durch das Wirken Christoph Blumhardts (1842-1919), eines evangelischen Geistlichen, der als erster Pfarrer 1899 in die SPD eintrat. Als Pfarrer durfte er daraufhin nicht mehr tätig sein. Dass sich Fritze mit Schriften Blumhardts auseinandersetzte, lässt der Titel eines Tagebuches schließen.

Auch den Nationalsozialisten gegenüber nahm Fritze eine ablehnende Haltung ein. Er warnte bereits Anfang der 1930er Jahre vor der NSDAP, doch ohne viel Gehör im Presbyterium zu finden. Ab 1933 stellte sich Fritze auf die Seite der Bekennenden Kirche und informierte zusammen u.a. mit Hans Encke über den Kirchenkampf. Er scheute nicht die Auseinandersetzung mit dem Presbyterium. Dieses nutzte 1938 die Gelegenheit den unliebsamen Pfarrer durch seine Verweigerung, den Eid auf Adolf Hitler zu schwören, Maßnahmen für seine Entlassung aus dem Amt zu betreiben. Man verweigerte ihm die Auszahlung des Gehaltes und forderte die Kirchenleitung auf, Fritze bis zu seiner Pensionierung in den Wartestand zu versetzen. So geschehen im Oktober 1938. Die vielen aufreibenden Auseinandersetzungen setzten der Gesundheit Fritzes stark zu. Am 03.01.1939 verstarb Georg Fritze an den Folgen eines Schlaganfalls in Köln. Er wurde auf dem Südfriedhof beigesetzt.

1980 kam es zu einer Rehabilitierung Georg Fritzes. Im Innenhof der Kartäuserkirche wurde 1982 eine Gedenktafel eingeweiht, die vom Kölner Künstler Rudolf Alfons Scholl gestaltet wurde. Zudem finden seit diesem Jahr alle zwei Jahre die Verleihung der Georg-Fritze-Gedächtnisgabe statt, die an Menschen verliehen wird, die sich besonders für Opfer von Diktaturen und Gewalt einsetzen.

[1] http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/georg-fritze/DE-2086/lido/5e81ec12efca14.70378974

Text: APK
Foto(s): APK

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Kirche2go fragt: Warum ist gendern sinnvoll?

Warum ist gendern sinnvoll? Dieser Frage widmet sich Janneke Botta in dieser Folge von Kirche2go. „Wenn wir Menschen durch Sprache ausschließen, dann kommen sie in der Welt nicht vor“, sagt die Pfarrerin aus Köln-Mülheim. Für sie ist eine achtsame Sprache wichtig. „Wir können gut in Jesus Nachfolge sein, wenn wir nicht nur in unserem Handeln, sondern schon in unserer Sprache all die einschließen. Wenn wir nicht nur von Männern sprechen, sondern wenn wir unsere Sprache anpassen und da auch Frauen und nicht-binäre Personen vorkommen lassen.“

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Der gesamte Text zum Nachlesen

„Dieses Gendern, das das ist nichts für mich. Da mache ich nicht mit. Da bin ich dagegen!“ – hat letztens jemand gesagt. Und ich habe mich gefragt, können wir uns dafür eigentlich entscheiden? Dagegen zu sein?

Denn das was passiert, wenn wir gewisse Menschen durch Sprache ausschließen, ist, dass sie marginalisiert werden. Dass sie unsichtbar gemacht werden. Wenn wir immer nur von Ärzten reden, dann werden die Frauen, die nicht-binären Personen, nicht sichtbar sein.

Es gibt ein Lied, in dem heißt es: „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte“ und später heißt es „Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Taten“. Sprache ist das, was uns prägt und das, was Realitäten schafft. Wenn wir Menschen durch Sprache ausschließen, dann kommen sie in der Welt nicht vor. Und ich glaube Jesus ist uns gutes Beispiel gewesen genau zu denen zu gehen, die sonst übersehen werden. Die sonst missachtet werden. Für die sonst kein Raum in der Gesellschaft ist.

Wir können gut in Jesus Nachfolge sein, wenn wir nicht nur in unserem Handeln, sondern schon in unserer Sprache all die einschließen. Wenn wir nicht nur von Männern sprechen, sondern wenn wir unsere Sprache anpassen und da auch Frauen und nicht-binäre Personen vorkommen lassen. Deswegen glaube ich, dass es gute christliche Nachfolge ist, wenn wir da sensibel sind, wenn wir auf dem Weg sind. Achtsam mit dem, wie wir reden und wir Menschen begegnen.

Text: APK
Foto(s): APK

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