Sanierung der zur Synagoge umgewidmeten Kreuzkapelle

„Dies ist ein Projekt von ganz großer Tragweite“, sagt Uwe Rescheleit, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Riehl: Vertreter der Jüdischen Liberalen Gemeinde Gescher LaMassoret, der Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH (ASG) im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region und des NRW-Bauministeriums haben die Verträge zur Sanierung der ehemaligen Kreuzkapelle in Köln-Riehl unterzeichnet. Nachdem die Evangelische Kirchengemeinde 2007 beschlossen hatte, ihr Gemeindeleben auf die Stephanuskirche in der Brehmstraße zu konzentrieren, wurden die Räumlichkeiten der zur Synagoge umgewidmeten Kreuzkapelle seit 2015 von der Jüdischen Liberalen Gemeinde genutzt.

Bereits seit 1999 hielt sie ihre Gottesdienste in einem Gemeindesaal im Souterrain des Gebäudes ab. 2019 erwarb die ASG das denkmalgeschützte Gemeindehaus von der Evangelischen Kirchengemeinde und sanierte zunächst die drei Wohnungen im Ober- und Dachgeschoss.

Sanierung aus Gründen der Verkehrssicherheit nötig

Aus Gründen der Verkehrssicherheit beschloss die ASG 2019 eine Generalsanierung der Synagoge, die vom Kölner Architekturbüro Paul Böhm GmbH umgesetzt werden soll. Die Kosten schätzt Geschäftsführer Guido Stephan grob auf 3,6 Millionen Euro, wobei aufgrund des Alters des 1910 erbauten Gebäudes Unwägbarkeiten berücksichtigt werden müssen.

Der Baubeginn ist im Frühjahr 2024 geplant. „Leider wird ein Teil der Oberlichter wegen des Brandschutzes demontiert. Dafür jedoch kommen vorne, im früheren Altarraum, neue Fenster dazu“, erläutert Rafi Rothenberg, Vorsitzender der Jüdischen Liberalen Gemeinde die Planung. Er freut sich besonders über die vorhandene Orgel, die ebenfalls einer Instandsetzung bedarf. „Dies ist eine der wenigen Synagogen in Deutschland, in der es eine Orgel gibt“, erklärt er und fügt stolz hinzu: „Hier werden hoffentlich einmal Kompositionen meines Urgroßvaters gespielt, der bis 1938 Oberkantor der Münchner Synagoge war und synagogale Musik für Orgel und Chor geschrieben hat.“

Orte religiöser Gemeinschaft

„Es gibt hier so viele Querverbindungen, Querverweise und kulturelle rote Fäden, die allesamt religiöse Gemeinschaft bedeuten“, Uwe Rescheleit. Nachdem klar war, dass die Jüdische Liberale Gemeinde wegen der anstehenden Sanierung ihre Gottesdienste vorerst nicht in der Kreuzkapelle abhalten kann, ging sie „auf Wanderschaft“, wie Rothenberg es beschreibt.

„Das war eine schöne Zeit, weil wir so viel religiöse Unterstützung erfahren haben“, sagt er. „Bis zur Sanierung der Evangelischen Kirche in der Brehmstraße feierten wir unsere Gottesdienste dort. Dann zogen wir zusammen mit der Evangelischen Gemeinde während deren Interimszeit nach St. Engelbert. Drei monotheistische Religionen feierten gleichzeitig in der katholischen Kirche ihre Gottesdienste. Das war einmalig.“

Zeichen einer neuen Zeit

Die Kreuzkapelle blickt auf eine bewegte christlich-jüdische Geschichte zurück, die in der Zeit des NS-Regimes eines ihrer dunklen Kapitel erlebte. Mitte der 1930 Jahre lebten etwa 900 Juden, die zum Christentum konvertiert waren, in Köln. Nach den Nürnberger Rassengesetzen von 1935 galten sie trotz ihrer christlichen Taufe als Juden und waren als solche der Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt. „Im Kirchenjargon wurden sie als ‚nicht arische Christen‘ bezeichnet“, erklärt Rothenberg. In der Riehler Kreuzkapelle erhielten sie zeitweise Unterstützung: Dort wurde ein regionaler Abzweig des 1936 in Berlin gegründeten „Büro Grüber“ eingerichtet, das mit Genehmigung der Gestapo unter anderem bei der Emigration half.

Leiter des Kölner Büros war der damalige Pfarrer der Gemeinde und Vertrauensmann der Kölner Synode der Bekennenden Kirche Hans Encke. 1964 wurde er erster Stadtsuperintendent des Evangelischen Stadtkirchenverbandes Köln. „Hans Encke war übrigens von 1953 bis 1955 auch erster Geschäftsführern der 1951 gegründeten Antoniter Siedlungsgesellschaft“, ergänzt Guido Stephan. „Hier an diesem Ort schließen sich viele Kreise.“

Als 1942 die massenhafte Deportation von Juden in die Vernichtungslager begann, wurden in der Kreuzkapelle die sogenannten „Schlussgottesdienste“ für Mitbürger jüdischer Abstammung gefeiert, bevor diese vom Bahnhof Deutz in die KZs gebracht wurden. „Das Gedenken an diese Menschen wollen und müssen wir behalten“, so Rescheleit. „Das ist unser Auftrag! Dieses Projekt ist ein Zeichen einer neuen Zeit, für die wir stehen“, ist er sich mit Rothenberg einig. „Was ich bemerkenswert finde, ist, dass die Evangelische Kirche nie versucht hat, die Geschichte dieser Kapelle unter den Teppich zu kehren, sondern im Gegenteil gründlich erforscht hat“, betont Rothenberg.

Differenzen zwischen Religionen beseitigen

Der federführende Architekt der geplanten Sanierung Paul Böhm betont: „Es ist eine große, ganz besondere Aufgabe für mich, das Projekt in Angriff zu nehmen. Ich habe ein gesteigertes Interesse daran, auch um zu helfen, Differenzen zwischen den Religionen zu beseitigen.“ Böhm war auch federführend am Bau der Kölner Zentralmoschee beteiligt.

Während die ASG als Eigentümerin für den baulich-technischen Teil der Sanierung verantwortlich ist, kümmern sich die zukünftigen Nutzer der Räume um die Inneneinrichtung. „Wir sind sehr dankbar, dass Fachleute die Sanierung übernehmen und das Projekt in gute Hände kommt“, freut sich Rothenberg.

Für die Instandsetzung der Orgel, sucht die Jüdische Liberale Gemeinde noch Spender oder Sponsoren. „Wir hoffen sehr, dass wir unser Pessach-Fest im April 2025 erstmals in unseren neuen Räumen feiern können“, so Rothenberg.

Text: Susanne Hermanns
Foto(s): Susanne Hermanns

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Kirche2go fragt: „Wer hat die Wahrheit?“

Kirche2go fragt: Wer hat die Wahrheit? Pfarrer Nico Buschmann hat dazu die klare Meinung, dass niemand die Wahrheit gepachtet hat. Wenn es um Gotteserfahrung geht, spielt auch immer die persönliche Erfahrung mit hinein. Das im Hinterkopf zu haben, ist für ihn wichtig: „Denn dann streiten wir uns weniger über die Wahrheit, sondern sind vielleicht offener dafür auch mit anderen Menschen und anderen Glaubensrichtungen in Kontakt zu kommen.“ Was das in Bezug auf die Bibel bedeutet, erfahren Sie in diesem Video.

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Der gesamte Text zum Nachlesen:

Wer hat eigentlich die Wahrheit? Wenn ich fragen würde „Welche Farbe hat der Himmel?“. Dann würdest du wahrscheinlich antworten: „Blau“ und ich würde wahrscheinlich auch antworten „Blau“. Da sind wir uns relativ einig. Der Himmel, wenn es keine Wolken gibt, die ihn verschleiern, dann ist der Himmel blau. Das ist eine wahre Aussage, könnte man sagen. Wenn wir es allerdings möglich machen würden, einen Fisch zu fragen, welche Farbe der Himmel hat, würde der wahrscheinlich etwas anderes antworten. Komisch – ist doch eigentlich dieselbe Realität. In den verschiedenen Religionen gehen wir immer davon aus, dass wir eine Religion sind, die die Wahrheit besitzt oder diese hat. Und ich möchte damit heute ein bisschen brechen. In der Bibel finden wir einen wunderbaren Spruch. Da hat Jesus einmal gesagt „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Herrn, als durch mich.“ Und ganz häufig wird dieser Spruch benutzt, um zu sagen: „Ja, wir Christinnen und Christen, wir haben die Wahrheit gepachtet. Jesus Christus hat das selbst gesagt!“ Ich glaube das nicht. Zum Einen, weil das eine Ich-Aussage ist. Jesus Christus ist die Wahrheit. Wir können diese Wahrheit nicht besitzen. Wir können immer nur das, was wir subjektiv als Gotteserfahrung verstehen, anderen Menschen vermitteln. Und deswegen halte ich es für so unglaublich wichtig, dass wenn wir über unseren Glauben reden, wir nicht in absoluten Sätzen reden. Sondern immer in der persönlichen Erfahrung, die wir Menschen mit Gott gemacht haben. Denn dann streiten wir uns weniger über die Wahrheit, sondern sind vielleicht offener dafür auch mit anderen Menschen und anderen Glaubensrichtungen in Kontakt zu kommen. Wer hat die Wahrheit? Ich glaube: Niemand so ganz, aber jeder vielleicht ein kleines bisschen.

Text: Nico Buschmann/APK
Foto(s): APK

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Wochentipps: Erzählcafé und Benefiz-Jazzkonzert

Unsere Wochentipps haben diesmal ein Seminar zur Geschichte der schöpferischen Frau in Gesellschaft, einen Online-Vortrag „Von der Anmut der Welt: Entwurf einer integralen Theologie“ und Orgelwerke von Louis Vierne im Angebot. Zudem wird es mit einer spirituelle Atempause in der Trinitatiskirche und einem Benefiz-Jazzkonzert für die Ukraine musikalisch. Das „Café Ukraine“ bietet Begegnungsmöglichkeit für Geflüchtete und mit Geflüchteten und das Erzählcafé in der Lutherkirche steht diesmal unter dem Motto: „Wer es macht, hat die Macht“.

Die Veranstaltungen in der Übersicht:

28.04.2022, 18:00
Melanchthon-Akademie
Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, 50678 Köln
Künstlerinnen und Kollektive
Skizze zu einer Geschichte der schöpferischen Frau in Gesellschaft
Seitdem sich Kunstschaffende ab der Epochenwende um 1800 auf dem Kunstmarkt positionieren mussten, bildeten sich erste Künstlergruppen. Damit wollten sie drohender Vereinzelung entgehen und eigene Richtungen forcieren. Frauen spielten darin, sofern zugelassen, eine Nebenrolle. Sich mit anderen Künstlerinnen zusammenzufinden, setzte den Zugang zu Akademien voraus. Noch im 19. Jahrhundert gab es nur vereinzelte Gruppen. Bis heute ist ihre Zahl deutlich gestiegen. In einem Seminar der Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, am Donnerstag, 28. April, 18 Uhr, wird den Fragen nachgegangen „Welche weiblichen Kollektive waren wegweisend?“ und „Welche Formen der Vergemeinschaftung haben Frauen entwickelt?“ Referentin ist Dr. Karoline Künkler, Kunstwissenschaftlerin und studierte Zeichnerin. Die Teilnahme kostet 10 Euro. Anmeldung erforderlich, Tel: 0221 931 803 0, anmeldung@melanchthon-akademie.de
www.melanchthon-akademie.de

28.04.2022, 19:30
Melanchthon-Akademie
ONLINE
„Von der Anmut der Welt: Entwurf einer integralen Theologie“ ONLINE
Online-Vortrag und Diskussion mit Tilman Haberer
Sind die Dreieinigkeit Gottes, Christus als Gottes Sohn, Schöpfung, Sünde und Erlösung: lauter antiquierte Dogmen, von denen sich ein zeitgemäßes Christentum verabschieden muss? Keineswegs, ist Tilmann Haberer überzeugt. Gerade diese so sperrig erscheinenden Aussagen der christlichen Lehre können erstaunliche Kraft entfalten, wenn sie zeitgemäß interpretiert werden. Wie das gelingen kann erläutert er in einem Online-Seminar in der Melanchthon-Akademie am Donnerstag, 28. April, 19.30 Uhr. Er nimmt dabei Bezug zu seinem jüngst erschienen Buch „Von der Anmut der Welt. Entwurf einer integralen Theologie“. Die Teilnahme kostet 7 Euro. Eine Anmeldung über die Stadtakademie Düsseldorf unter Telefon 0211/95757746 ist erforderlich oder Claudia.Nerling@evdus.de, Tel: 0221 931 803 0, anmeldung@melanchthon-akademie.de
www.melanchthon-akademie.de

28.04.2022, 20:00
Trinitatiskirche
Trinitatiskirche, Filzengraben 4, 50676 Köln
Konzert: „… en style libre“ – Vierne meets Jazz
Orgelwerke von Louis Vierne – Original und in Bearbeitungen
Das Pepe Joma Kwartett und Marc Jaquet (Orgel) setzen am Donnerstag, 28. April, 20 Uhr, in einem Konzert des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region Kompositionen aus der Sammlung „24 pièces en style libre“ von Louis Vierne (1870-1933) in einen Dialog mit „jazzigen“ Bearbeitungen. Zum Pepe Joma Kwartett gehören Wolfgang Stinshoff (Saxophon); Johannes Quack (Piano), Peter Schwöbel (Bass) und Marcus Specht (Drums) fand sich 2013 in Köln zusammen und spielt Standards und eigene Kompositionen. Ein erstes Crossover-Projekt gab es 2016 mit der Kombination von Reger-Orgelstücken und entsprechenden Jazz-Bearbeitungen. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.
www.trinitatiskirche-koeln.de

30.04.2022, 18:00
Trinitatiskirche
Trinitatiskirche, Filzengraben 4, 50676 Köln
Spirituelle Atempause in der Trinitatiskirche
Musik aus mehreren Jahrhunderten erklingt
Zu einer musikalischen Vesper am Samstag, 30. April, 18 Uhr, lädt der Evangelische Kirchenverband Köln und Region in die Trinitatiskirche, Filzengraben 4, ein. Die Organistin Ahyun Yu trägt Werke aus mehreren Jahrhunderten von Johann Sebastian Bach (1685-1750), Sigfrid Karg-Elert (1877-1933) sowie Anton Heiller (1923-1979) vor. Jost Klausmeier-Saß, Pfarrer und Bezirksbeauftragter für Religionslehre an Berufskollegs in Köln, sorgt für die liturgische Rahmung der Veranstaltung aus der Reihe „Spirituelle Atempause am Wochenende“. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.
www.trinitatiskirche-koeln.de

01.05.2022, 19:00
Evangelische Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld
Evangelische Clarenbach-Kirche Braunsfeld, Aachener Straße 458, 50933 Köln
Benefiz-Jazzkonzert für die Ukraine
Evangelische Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld sammelt Spenden
Die Evangelische Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld sammelt Spenden für die aus der Ukraine Geflüchteten und lädt am Sonntag, 1. Mai, 19 Uhr, zu einem Benefiz-Jazzkonzert in die Clarenbachkirche, Aachener Straße 458, ein. Es treten auf: Das Filipa Gojo Quartett, das Gassmann Wingold Duo sowie das Christine Corvisier Quartett. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
www.clarenbachgemeinde.de

02.05.2022, 10:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Klettenberg
Johanneskirche, Nonnenwerthstraße 78, 50937 Köln
„Café Ukraine“: Begegnungsmöglichkeit für Geflüchtete und mit Geflüchteten
Ein betreuter Spielbereich für Mutter und Kind ergänzt das Angebot
Die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Klettenberg lädt ein: Dreimal wöchentlich öffnet in der Johanneskirche, Nonnenwerthstraße 78, das “Café Ukraine“. Hier gibt es für Geflüchtete aus der Ukraine – und auch gerne für ihre Gastgeber – Getränke, Kuchen und die Möglichkeit zum Zusammensein und zum Austausch. Für Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren gibt es einen Kinderspielbereich mit wechselnden Angeboten, der von pädagogischen Fachkräften betreut wird. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Kinder, die bislang keinen Kindergartenplatz gefunden haben oder die ein Angebot suchen, bei dem auch die (Groß-)Mutter oder eine sonstige Begleitperson willkommen ist. Auf diese Weise soll den Kindern in einem geschützten Raum ein Stück Unbeschwertheit und Normalität geboten werden. Das Café hat montags und donnerstags jeweils von 10 bis 12 Uhr und mittwochs von 14 bis 16 Uhr geöffnet.
www.kirche-klettenberg.de

04.05.2022, 15:00
Evangelische Gemeinde Köln
Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4, 50677 Köln-Südstadt
Motto: „Wer es macht, hat die Macht“
Pfarrer Franz Meuerer ist zu Gast im Erzählcafé in der Lutherkirche
Pfarrer Franz Meurer ist am Mittwoch, 4. Mai, 15 Uhr, zu Gast im Erzählcafé in der Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 4. In der Reihe „HerbstGold“, dem Seniorenprogramm der Evangelischen Gemeinde Köln, erzählt der über Köln hinaus bekannte und sozial engagierte Pfarrer von seiner Arbeit in den rechtsrheinischen Stadtteilen Köln-Vingst und -Höhenberg. Das Motto des Nachmittags ist auch das Lebensmotto des Menschenrechtsaktivisten und Weltverbesserers: Wer es macht, hat die Macht“. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Eine Anmeldung unter Telefon 0151/64 12 90 97 oder per E-Mail an sonja.schlegel@ekir.de oder maria.lemke@ekir.de ist erforderlich.
www.ev-gemeinde-koeln.de

Text: APK
Foto(s): APK

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Melanchthon-Akademie: Diskussion über Schnittstellen jüdisch-muslimischer Geschichte

Beispielhafte Biographien aus der Historie. Ermutigungen für die Zukunft. Erhellende Informationen und klare Standpunkte zum Hier und Jetzt. In der Kölner Melanchthon-Akademie (MAK) wurden in Kooperation mit dem in Köln ansässigen Verein Interkultureller Dialog e. V. „Schnittstellen jüdisch muslimischer Geschichte in Deutschland“ lebendig beleuchtet.

Im Gespräch

Konkreter formuliert: jüdischmuslimischer Begegnung in Geschichte und Gegenwart. Dabei speiste sich die analog wie digital durchgeführte Veranstaltung mit dem Untertitel „Ein neuer Blick der Bildungsarbeit auf herrschende Narrative“ aus anschaulichen Erfahrungsberichten wie meinungsfreudigen Einschätzungen insbesondere von drei geladenen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern. Während die Historikerin Prof. Dr. Sabine Mangold-Will aus ihrer Wohnung zugeschaltet war, saßen der Düsseldorfer Medienwirt Michael Rubinstein sowie der Imam und Islamwissenschaftler Osman Örs auf dem MAK-Podium. Rubinstein war zuletzt Gemeindedirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, davor unter anderem Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein.

Haus der Begegnung

Örs ist theologischer Referent des „House of One“ in Berlin – ein seit 2011 wachsendes gemeinsames Projekt von Juden, Christen und Muslimen. Realisiert werden soll „ein gebautes Symbol eines Religionsfriedens“. Ziel ist „ein Haus, unter dessen Dach sich eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee befinden. Ein Haus des Gebets und der interdisziplinären Lehre. Ein Haus der Begegnung, für ein Kennenlernen und den Austausch von Menschen unterschiedlicher Religionen“ und auch solchen, die Religionen fernstehen.

Joachim Ziefle, als MAK-Studienleiter verantwortlich für politische Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement, und seine moderierende Kollegin Pfarrerin Dorothee Schaper, in der MAK zuständig für die Fachbereiche christlich-muslimische sowie interreligiöse Begegnung, konnten vor Ort gut zehn und online über fünfzig Besuchende begrüßen.

Impulsreferat von Mangold-Will

Sie folgten zunächst einem dreißigminütigen Impulsreferat von Mangold-Will, die bislang unter anderem an Universitäten in Duisburg-Essen, Köln, Paris und Wuppertal gelehrt hat. Sie blickte historisch-kritisch auf die jüdisch-muslimischen Beziehungen in Deutschland insbesondere in den 1920/30er Jahren. Eingangs erinnerte sie an die (mindestens) 1700 Jahre lange Geschichte des Judentums in Deutschland.

Für muslimisches Leben hierzulande sei ein deutlich jünger ausfallendes Startdatum viel schwieriger zu benennen. „Jüdisches und islamisches Leben trafen in Deutschland spätestens mit der Intensivierung der deutsch-türkischen Beziehungen unter Reichskanzler Bismarck in den 1880er Jahren aufeinander.“ Die Zeit des wilhelminischen Kaiserreiches ab 1890 habe so etwas wie eine Auftaktphase engerer Beziehungen bedeutet. Erst dann hätten so viele Menschen jüdischen und muslimischen Glaubens in Deutschland gelebt, „dass es wirklich auch zu einer Begegnung kommen konnte“, erläuterte Mangold-Will Sie stellte beispielhaft wenige Personen und Paare vor, in denen sich die Geschichte von Judentum und Islam in Deutschland gleichsam „verdichtet“.

Zunächst ging sie ein auf das deutsch-jüdische Ehepaar Laura (geb. Schleier) und Josef Horovitz (1874–1931). Josef Horovitz, Professor für orientalische Sprachen an der Uni in Frankfurt/M., sei in der Zwischenkriegszeit wahrscheinlich der wichtigste und zugleich unbekannteste Vermittler zwischen Judentum und Islam gewesen; vor allem, aber nicht nur in Deutschland. Während seines Orientalistik-Studiums in Berlin habe Horovitz zu einer Gruppe jüdischer Männer gehört, die sich gezielt mit den sogenannten semitischen Sprachen, der Geschichte und den Religionen des Nahen Ostens befasst hätten.

Einerseits sei diese Hinwendung für sie gleichbedeutend mit einer Beschäftigung mit dem Judentum gewesen. Andererseits habe die „gezielte Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart der islamischen Welt“ auch eine Ablenkung von der Beschäftigung mit dem Judentum bedeutet. „Diese jungen Orientalisten wollten das Judentum besser verstehen, indem sie den Islam zu verstehen suchten“, erläuterte die Historikerin unter anderem.

„Eigentlich sensationell“ nannte Mangold-Will die Berufung von Horovitz 1907 auf eine ArabischProfessur nach Aligarh in Indien an das Muhammadan Anglo Oriental College. Aber nicht nur er habe Indern Arabisch beibringen sollen, „damit sie besser den Koran lesen können“. Gleichzeitig habe seine Frau Laura den Schülern ihres Mannes Deutsch gelehrt und damit die zweite wichtige Sprache der Wissenschaftsliteratur über den Islam in dieser Zeit. Die Erfahrungen in Aligarh hätten Josef Horovitz zutiefst geprägt, stellte Mangold-Will fest. Etwa die ganz persönliche, unmittelbare Erfahrung, „dass es auf der Welt einen Ort gibt, an dem Muslime einen deutschen Juden berufen, um sich von ihm Arabisch und von seiner Frau Deutsch beibringen zu lassen“.

Dass es also einen sensationellen akademischen Raum gebe, „in dem das Gespräch zwischen Juden und Muslimen über Arabisch, den Islam und die Geschichte wie die Gegenwart der islamischen Welt möglich war“. Weiter porträtierte die Historikerin mit dem Ägypter Dr. Muhammad Helmy und dem Inder Dr. Khwaja Abdul Hamied zwei Muslime, die in den 1920/30er Jahren in Deutschland studiert und gelebt haben. Helmy kam 1922 zum Medizinstudium nach Berlin, wurde 1933 Oberarzt im Krankenhaus in Moabit. Vor 1933 sei das die Klinik mit den meisten jüdischen Ärzten in Berlin gewesen, danach eine Hochburg für Zwangssterilisierungen geworden.

Zunächst wegen seiner arabischen Herkunft besonders gefördert, scheine Helmy aus Sicht der Nazis 1937 nicht mehr tragbar gewesen zu sein, so Mangold-Will. Nach seiner Entlassung privat praktizierend, habe der Mediziner sich bereits länger „ein klares Bild vom Nationalsozialismus gemacht“. So habe er entgegen der meisten deutschen Ärzte auch jüdische Patient*innen behandelt. Eine von ihnen habe Helmy mit Beginn der Deportation der Berliner Juden 1941 zum Untertauchen überredet und das dafür notwendige Netzwerk organisiert. Deren Enkelin habe er in seiner Praxis angestellt, ihr ein Kopftuch und einen anderen Namen gegeben sowie eine Scheinkonversion zum Islam und Scheinehe mit einem muslimischen Freund vermittelt. Das rettete beiden das Leben.

Hamied, 1898 im indischen Aligarh geboren, sei für ein Chemiestudium nach Berlin gekommen. Aufgrund seiner Herkunft aus der Aligarh-Bewegung, einer reformatorischen Strömung innerhalb des indischen Islam, habe er sich der von der indischen reformatorischen Ahmadiyya-Bewegung getragenen islamischen Gemeinde um die 1928 im Stadtteil Wilmersdorf eröffnete Moschee angeschlossen. „Politisch stand Hamied dem indischen Nationalisten und Sozialrevolutionär Chattopadhyaya nahe.“

Dieser habe in Berlin das „Indien news service and information bureau“ gegründet. Dessen ideologische Ausrichtung habe geschillert zwischen einer sozialistischrevolutionären Moskautreue (Kommunismus) und einem antikolonialen Nationalismus. Entsprechend habe Hamied sich stets engagiert „für einen säkularen indischen Nationalismus, in dem Platz für Inder gleich welcher Religion war“. In der Moschee wie im Indien bureau sei Hamied einer Reihe von jungen jüdischstämmigen Frauen begegnet, von denen einige zum Islam konvertiert seien. Dort habe er die in Litauen gebürtige Jüdin, überzeugte Kommunistin und Bureau-Sekretärin Luba Derczanska kennengelernt. 1928 heirateten beide zuerst in der Wilmersdorfer Moschee, ein zweites Mal 1929 in einer Synagoge in Wilna.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten habe das Paar Deutschland Richtung Indien verlassen. „Sie nehmen packenweise deutsche Erinnerungen mit“, sagte Mangold-Will. Nach Gründung des Staates Israel habe Hamied zahlreiche Briefe in indischen Zeitzungen veröffentlicht, in denen er ausdrücklich die in Wilmersdorf erfahrene Nähe und persönliche Freundschaft zwischen Juden und Muslimen verteidigt habe.

Abschließend merkte Mangold-Will für die Diskussion unter anderem an, dass wir es bei ihren Beispielen mit Menschen zu tun hätten, „die sich ihrer Religion und Kultur sehr wohl bewusst waren, die aber entschieden daraus ableiteten, dass Religion kein dominantes oder gar ausschließliches Kriterium war, sondern eher im Sinne einer Säkularisierung Religion als reformierbar wahrnehmen und vor allem der Nation hintanstellten“. Außerdem habe ihnen, sensationell für ihre Zeit, „Nation nie als eine Gemeinschaft (gegolten), in der nur Menschen einer Religion Platz fanden“. Das sei doch etwas, was wir von Horovitz, Helmy und Hamied lernen könnten, betonte sie. Zum Auftakt hatte Mangold-Will noch von ihrer Skepsis im Vorgespräch mit Ziefle gesprochen, als Historikerin etwas zum Thema beitragen zu können.

Podiumsgespräch

Das Podiumsgespräch mit Osman Örs und Michael Rubinstein leitete Schaper mit dem Bedauern ein, dass in Köln kein „House of One“ existiere. „Aber wir geben uns alle Mühe, es in anderer Weise hier zu tun, nämlich jüdisch, muslimisch und christlich gemeinsam zu denken und auch humanistisch und atheistisch.“

Rubinstein, der die nordrhein-westfälische jüdische und Begegnungsszene aus dem Effeff kenne, habe mit der muslimischen Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor das „wunderbare dialogische“ Buch „So fremd und doch so nah: Juden und Muslime in Deutschland“ (2013) geschrieben. Darin hätten beide sich gemeinsam auf den Weg gemacht, über verschiedenste Themen miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Verlag habe es genau umgekehrt „So nah und doch so fremd“ nennen wollen, informierte Rubinstein.

Ihm und Kaddor aber sei es wichtig gewesen, das Gemeinsame, das Nahe zu betonen, nicht das Fremde. „Das ist die ganze Crux am jüdisch-muslimischen Dialog, dass wir selbst auf beiden Seiten häufig gar nicht wissen, wie viel mehr wir gemeinsam haben. Weil wir das nicht wissen, ist man einander auch fremd.“ Wenn er gefragt werde, ob das 2022 immer noch aktuell sei, würde er optimistisch erwidern: „Ja, wir sind uns immer noch nah, aber wir sind uns leider auch immer noch fremd.“ Inzwischen hätten sich viele Initiativen gegründet, der Dialog sei in gewisser Hinsicht institutionalisiert worden, so Rubinstein.

Aber auf der persönlichen Ebene, so seine Prognose, werde noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen, bis man sagen könne, „wir haben eine wirkliche Begegnungskultur auf der zwischenmenschlichen Ebene, fernab der Podien und der Politik“. Schaper wollte wissen, ob das einem gewissen Pragmatismus geschuldet sei, weil in den Gemeinden „so viele andere Themen auf der Tagesordnung“ stünden. Man dürfe die Zahl der jüdischen Menschen in Deutschland nicht überschätzen, so Rubinstein. „In jüdischen Gemeinden sind es keine 100.000 mehr.“ Insgesamt gehe man von rund 250.000 jüdischen Menschen in Deutschland aus, sprach er von einer verschwindend kleinen Minderheit. Tatsächlich binde die Integrationsarbeit mit jüdischen Zuwanderern innerhalb der Gemeinden bis heute sehr viele Kräfte, informierte er. Hinzu komme, dass viele Mitglieder jüdischer Gemeinden säkular seien, sich mit der eigenen Religion nicht so beschäftigten und dadurch auch weniger oder gar nicht mit der Dialog-Thematik.

Den Menschen in jüdisch-muslimischen Partnerschaften und Ehen zollte Rubinstein „wirklich Respekt, weil ich glaube, in beiden Communities ist das immer noch etwas, was zumindest erst mal kritisch angesehen wird“. Schaper fragte, ob im Weiterdenken über unsere Gesellschaft die Idee einer jüdisch-muslimischen Leitkultur inspirierend sei. „Ich mag den Begriff überhaupt nicht“, so Rubinstein. Der Begriff erhebe einen Anspruch. Stattdessen könne er sich vorstellen, dass man sich jüdisch-muslimisch „jetzt mal auf uns“ konzentriere.

Danach frage, „was sind unsere Gemeinsamkeiten, wo können wir gemeinsam neu denken, wo können wir uns aneinander abarbeiten?“. Und das „in einem konstruktiven kritischen Dialog: Wo können wir was erreichen, wo können wir einen Mehrwert für unseren Dialog schaffen? Aber auch weitergehend. Warum sollen wir nicht einen Mehrwert schaffen, den wir letztendlich auch auf die Mehrheitsgesellschaft übertragen.“ Für ihn persönlich gehe mit dem „House of One“ ein Traum in Erfüllung, sagte Örs. Denn er sei schon über zwei Jahrzehnte im interreligiösen Dialog verortet.

Die Anschläge vom 11. September 2001 haben laut Örs viele Muslime in Deutschland und in der Welt „wachgerüttelt und innerlich zerrüttet“. Die Ereignisse hätten „uns bewegt, auf die anderen zuzugehen“. Er sprach davon, dass Muslime mit einem ganz verzerrten Bild von sich selbst konfrontiert worden seien, abseits der Normalität. Man habe Anfeindungen und Diskriminierung erfahren. Örs führten der 11. September und seine Folgen hin zum Dialog. Er spürte den „Bedarf, mich selber zu erklären und das verzerrte Bild des Islams“ geradezurücken. Über die Jahre habe er immer deutlicher gemerkt, wie sehr ihn der Austausch mit christlichen und jüdischen Gesprächspartner*innen selber erfülle: das Entdecken einer unsere Gesellschaft bereichernden Vielfalt, auch mit theologischen Gemeinsamkeiten und Differenzen.

In diesem Sinne sei das gemeinsame Haus ein Traum für viele auch über Deutschland hinaus, berichtete Örs. Begeisterte Menschen aus aktuell über sechzig Ländern bauten quasi mit an dem Projekt, indem sie symbolische Steinen ab zehn Euro erwerben würden. „Das Haus zu bauen ist uns allen wichtig“, so Örs. Es habe eine gewisse Strahlkraft. Aber letzten Endes sei es auch nur ein physischer Körper. Dieser könne allein bestehen, wenn darin auch ein Herz und eine Seele herrschten. Es müsse nicht in jeder Stadt ein „House of One“ stehen. Aber es sei wichtig, „in seinem Herzen Raum zu schaffen für den anderen“.

Manchmal schaffe man hier in der MAK temporär ein kleines „House of One“, sprach Schaper davon, dass man zusammen Koran, Tora und Bibel lese, gemeinsam studiere und sich austausche. Ihre Erfahrung sei, dass manchmal Bruch- und Streitlinien nicht so sehr zwischen den jüdischen, muslimischen und auch christlichen Gesprächspartnern verliefen, sondern eher innerhalb der jeweiligen Religionen und zwischen innerreligiösen Positionen. Im „House of one“, so Örs, sei man sich klar darüber, dass keine der drei Gründergemeinden das Judentum, den Islam, das Christentum direkt repräsentiere. „Wir sind uns bewusst, dass wir ein Teil unserer jeweiligen Vielfalt sind.“ Diese Vielfalt in unseren Religionen und Traditionen wolle man auch im „House of one“ abbilden, wies er hin auf eine einladende Grundhaltung.

Muslimisches Leben hierzulande sei noch relativ jung. Insofern befänden sich muslimische Communities in einem noch nicht abgeschlossenen Selbstfindungsprozess. Das brauche eine gewisse Zeit. Doch Örs zeigte sich zuversichtlich, da auch „relativ konservative, verschlossenere muslimische Gemeinden in Berlin sich in den interreligiösen Dialog“ begeben würden. Das sei vor zehn, zwanzig Jahren nicht denkbar gewesen.

Eine klare Antwort erhielt Schaper auch auf ihre Frage, ob Christen sich im jüdisch-muslimischen Dialog zurückhalten sollten. „Ja, insofern schon zurückhalten, dass man uns immer gerne gute Ratschläge gibt, wie wir den Dialog zu führen haben. Das brauchen wir nicht“, konstatierte Rubinstein. „Auf der anderen Seite ist es aber sicherlich nicht verkehrt, jemanden zu haben, der auch dabeisitzt, und den manchmal schwierigen Dialog auch moderiert, und manchmal sogar katalysiert.“ Der einen anderen Blick auf das Ganze habe. „Als Berater gerne, aber nicht als ´weiser Ratgeber´.“

Man müsse Christen nicht ausschließen, aber „es muss schon klar sein, um wen es primär geht!“ Zudem meinte Rubinstein, dass der jüdisch-muslimische Dialog in Deutschland noch mehr Vertrauen benötige. Muslime könnten aus den Erfahrungen des jüdisch-christlichen Dialogs lernen, so Örs. Man müsse offen sein zu lernen und sich auszutauschen, berichtete er etwa von einem Ramadan-Dialog mit einer jüdischen und christlichen Gemeinde. Dabei könnten Muslime ihrerseits ein Motor sein. Letzten Endes, glaubt Örs, trügen „alle unsere Traditionen und Religionen das Selbstverständnis in sich, den Dialog mit seinem Gegenüber zu führen und ein friedliches, wertschätzendes, respektvolles Miteinander gemeinsam mitzugestalten“.

Aus dem Chat gab Ziefle unter anderem Fragen wie diese weiter: Wie macht man Integrationsarbeit überhaupt möglich, welche Projekte gibt es? Mit welchen Argumenten können Dialogfremde überzeugt werden? Für Rubinstein ist in diesem Kontext Integration ein Reizwort. „Warum muss ich integriert werden? Ich bin in Deutschland geboren, bin deutscher Staatsbürger.“ Schon der Begriff Integration sei falsch. Ebenso wenig brauche er die drei ersten Buchstaben im Wort Mitbürger. Das klinge immer so, als wenn jüdische Menschen an der Seite stünden. „Tun wir nicht.“ Von daher müssten sie auch nicht integriert werden. Es gehe um einen respektvollen Dialog auf Augenhöhe. Wohlgemerkt auf einer Ebene mit den gleichen Rechten und mit den gleichen Pflichten.

Örs, gebürtiger Bremer, folgte Rubinsteins Sichtweise. Auf die zweite Frage antwortete er, dass es verschiedene zu stützende Dialogebenen gebe, Leute zu begeistern. Das demokratische Deutschland biete uns einen wundervollen Rahmen für ein Miteinander. Örs betonte die Verantwortung, „unsere Gemeinden in den Dialog einzubeziehen“. Auch mit niedrigschwelligen Angebote wie dem jüdischen Puppentheater „Bubales“. Menschen im Chat wünschten sich konkrete Ideen, wie man den Dialog mit jungen Menschen anpacken könne, wandte sich Ziefle abermals an die Gäste.

Örs empfahl eine gemeinsame Beschäftigung mit uns verbindenden Themen wie Umwelt, Klimakrise oder, auch aktuell, Krieg. Er schlug vor, den Weg der Information, der Klärung von Vorurteilen und Beseitigung von Unkenntnis kooperativ zu suchen. Etwa dadurch, dass Rabbiner und Imame gemeinsam in Schulen gingen und über das Judentum und den Islam sprächen, wies er etwa hin auf das Projekt „meet2respect“. „Gemeinsamkeiten muss man vermitteln, das kommt nicht von alleine.“ In der Hauptstadt förderten ebenso beispielsweise die Junge Islamkonferenz und das Berliner Forum der Religionen das Zusammenkommen. Dazu trage bei ebenso das 2018 gestartete “Young House of One”.

„Sie müssen die Leute da abholen, wo sie stehen“, sagte Rubinstein. In einer Sprache und mit Themen, die die jungen Menschen wirklich und alltäglich beschäftigten. Er nannte etwa den jüdischen Rapper Ben Salomo, der mit ihnen auch über gemeinsame Erfahrungen wie Alltagsrassismus und – diskriminierung spreche. Orte einer vertrauten Begegnung würden ebenso über den Sport geschaffen. Trotz antisemitischer Anschläge sowie negativer Erfahrungen auf muslimische Seite, so Rubinstein, lebten wir in Deutschland insgesamt in einem friedlichen Nebeneinander. Basierend auf diesem friedlichen Kontext sei es unsere Aufgabe zu gewährleisten, dass man auch auf der jugendlichen Ebene niederschwellig in ein Miteinander komme. Dies werde auch durch das jüdisch-muslimische Dialog-Projekt „Schalom Aleikum“ des Zentralrats der Juden in Deutschland gefördert.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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Tauffest 2022: Veranstalter erwarten mehrere tausend Menschen auf der Wiese am Tanzbrunnen

Das große Ganze steht, Einzelheiten werden in diesen Tagen abschließend besprochen. Unter dem Motto „Vielfalt feiern“ lädt der Evangelische Kirchenverband Köln und Region ein zu einem großen Tauffest. Am 13. August dieses Jahres feiern die Evangelischen auf der Wiese am Rheinufer nördlich vom Tanzbrunnen. Los geht es um 14 Uhr. Alle Gemeinden des Kirchenverbandes sind eingeladen, sich zu beteiligen. Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Gemeinden sowie der Arbeitsgruppe Taufe und der Projektgruppe Tauffest trafen sich zu einem vorbereitenden Treffen vor Ort.

Tauffest am Rhein am 13. August 2022

Fest steht: Ralph Caspers von der Sendung mit der Maus und die Entertainerin Annie Heger werden moderieren. Das Musikprogramm bestreiten Frau Höpker, Kwaggawerk, Mama Afrika, Suli Puschban und weitere. Die Hauptrollen spielen aber ganz andere: Die Täuflinge. Bislang sind 101 von ihnen angemeldet. Und die Liste ist längst noch nicht geschlossen. Vorerst bis zu den Sommerferien kann man Kinder oder sich selbst anmelden mit einem Formular, das man auf der Internetseite „tauffest2022.de“ findet. Auf Workshops in den Kirchenkreisen mit der Möglichkeit der Anmeldung wird am Ende dieser Zeilen verwiesen.

Miriam Haseleu, Pfarrerin in Nippes und Projektleiterin für das Tauffest, begrüßte die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Wiese im Rheinpark. „Vielfalt feiern, das bedeutet ein Statement für die evangelische Kirche in der heutigen Gesellschaft. Das bedeutet: Wir sind bunt. Wir lieben die Schöpfung in allen Facetten, die auch in der Wasserthematik der Taufe zum Tragen kommt. Wasser gehört zum Kreislauf des Lebens, das uns von Gott geschenkt ist. Deswegen feiern wir hier am Rhein, und deswegen zieht sich die Wasserthematik durch unser Fest.“

Die Menschen seien Gott geliebt so wie sie sind, mit ihrer Herkunft, ihrer Zukunft, mit dem, was sie gegenwärtig ausmacht, wie sie leben, wie sie lieben, wie sie aussehen, sagte die Pfarrerin: „Das christliche Symbol schlechthin dafür ist das Sakrament der Taufe.“ Und schließlich: „Unter dem aufbrechenden Himmel wollen wir Taufe feiern am Fluss des Lebens und in einer großen, bunten Gemeinschaft, die in Grüppchen auf dem Gras lagert.“

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Danach stellten sich alle reihum vor. Stadtsuperintendent Bernhard Seiger berichtete von seiner Inspiration durch das Tauffest in Hamburg 2019. Für Heiterkeit sorgte Marco Gonzalez. Der Gebärdendolmetscher wird beim Tauffest übersetzen und zeigte die Gebärde für Evanglisch:

Zwei vor der Brust ausgestreckte Hände, die von den Eingeweihten vor Ort sofort als Beffchen identifiziert werden. Für Nichteingeweihte zu kompliziert, waren sich alle einig. Betende Hände als Symbol für die Evangelischen wurden von allen als erkennbarer beurteilt.

Rolf Emmerich ist Organisator des Sommerblut-Festivals. Ihn hat der Evangelische Kirchenverband Köln und Region als Unterstützer für die Ausrichtung des Tauffestes gewonnen. Emmerich kennt sich aus mit Freiluft-Veranstaltungen, zu denen mehrere tausend Menschen erwartet werden. Das ist am 13. August der Fall. Beim Sommerblut verfolge man andere Interessen, aber er organisiere das Tauffest mit der gleichen Energie.

Pfarrerin Ulrike Graupner berichtete von ihren alltäglichen Erfahrungen: „Egal, wo ich vom Tauffest erzähle: Überall sind die Leute interessiert. Wir als Kirche geben ein positives Bild ab.“ Samuel Dobernecker, Kantor aus Bayenthal, stellte das Projektlied vor: „Mit allen Wassern gewaschen.“ Das wurde vor kurzem aufgeführt bei einem Kinderchortag der Gemeinde im Kölner Süden und soll vielstimmig erklingen beim Tauffest.

Pfarrerin Susanne Zimmermann aus Mauenheim/Weidenpesch wird zum Fest ihre KonfiGruppe mitbringen. „Die sollen das auch erleben.“ Nachdem man sich kurz gestärkt hatte, erkundeten die Beteiligten das Gelände zu Fuß. Dabei und danach wurden weitere Themen erörtert.

Organisatorisches

Das Thema Wasser soll eine große Rolle spielen. Organisatorisch wird es wohl nicht möglich sein, im Fluss zu taufen. Die Gruppe einigte sich darauf, dass in Gefäßen, die die Gemeinden mitbringen sollen, Taufwasser auf die Wiese getragen werden soll. „Vielleicht in einer feierlichen Prozession“, schlug Stadtsuperintendent Seiger vor. Es galt aber auch, ganz und gar profane Dinge zu erörtern. Nicht zuletzt: Parkplätze werden vor der Claudius-Therme zur Verfügung stehen. „Wir möchten aber schon dafür werben, dass möglichst viele mit dem öffentlichen Personennahverkehr, zu Fuß und mit dem Fahrrad kommen“, betonte Miriam Haseleu zum Ende des Gesprächs.

Workshops mit der Möglichkeit der Anmeldung zum Tauffest kann man besuchen am Freitag, 6. Mai, von 17 bis 19 Uhr im Kirchenkreis Köln-Süd, Erlöserkirche, Sürther Straße 34, in Rodenkirchen. Am Freitag, 20. Mai, von 17 bis 19 Uhr im Kirchenkreis Köln-Nord, Jochen-KlepperHaus, Aachener Straße 1208, in Weiden. Am Sonntag, 22. Mai, von16 bis 18 Uhr im Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch, Gemeindezentrum Versöhnungskirche, Buschfeldstraße 30, in Holweide. Am Sonntag, 12. Juni, von 17 bis 19 Uhr Kirchenkreis Köln-Mitte, Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, in der Kölner Südstadt. Anmeldungen nehmen aber auch die Gemeinden entgegen.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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Wochentipps: „Worte als Spiegel“ – Benefizabend für die Ukraine und Trinitatiskirche samstags geöffnet

In den kommenden Tagen finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Darunter: Worte als Spiegel“, neues Öffnungsangebot, „Laudata Dominum“, „Kirchen im Wandel“, „Ordination Claudia Heidkamp“, Sitzkissenkonzert, „NaTour und KulTour im Veedel“ und ein interreligiöser Gesprächsabend zu Ramadan und Zuckerfest – Alle Details lesen Sie hier:

Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2–4, 50677 Köln-Südstadt
„Worte als Spiegel“ – Ein Benefizabend für die Ukraine

Das Ensemble Integral und nö theater in Kooperation mit United World Organisation lädt zum Benefizabend „Worte als Spiegel“ am Freitag, 22. April, 19.30 Uhr, in die Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 4, ein. An der Solidaritätslesung für die Ukraine wirken mit: Elena Kristin Boecken, Eric Wendell Carter, Felix Hoefner, Irina Miller, Janosch Roloff, Lucia Schulz sowie Jennifer Tilesi Silke. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Ukraine-Hilfe der United World Organisation sind erwünscht. www.lutherkirche-koeln.de

Trinitatiskirche, Filzengraben 4, 50676 Köln
Neues Öffnungsangebot der Trinitatiskirche – Einladung zur Besichtigung und zum stillen Gebet

Die Trinitatiskirche, Filzengraben 4, liegt zentral in der Nähe der Kölner Altstadt zwischen Heumarkt und Rheinauhafen. Regelmäßig bietet der Evangelische Kirchenverband Köln und Region hier Gottesdienste, Konzerte, Vorträge und andere kulturellen Veranstaltungen an. Der klassizistische Sakralbau wurde vom Berliner Baumeister und Schinkel-Schüler Friedrich August Stüler konzipiert und von 1857 bis 1860 errichtet. Die dreischiffige Emporenbasilika ist die älteste neu erbaute evangelische Kirche im linksrheinischen Köln. Zu ihrer Ausstattung gehört die 2009 eingebaute großen Klais-Orgel auf der Nordempore. Für Besucherinnen und Besucher ist die Trinitatiskirche ab sofort jeden Samstag von 11 bis 15 Uhr frei zugänglich. Interessierte sind dann zur Besichtigung und zum stillen Gebet eingeladen. www.trinitatiskirche-koeln.de

Altenberger Dom, Altenberg, 51519 Odenthal-Altenberg
„Laudate Dominum“ – Konzert mit dem Frauenchor der Andreaskirche Schildgen

Der Frauenchor der Andreaskirche Schildgen singt am Samstag, 23. April, 14 Uhr, im Altenberger Dom, Eugen-Heinen-Platz 2, Werke von Johann Vierdanck, Jaques-Louis Battmann, Samuel Rousseau, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Ulrich Wrasse, Andreas Unterguggenberger und anderen. Die Leitung hat Sieglinde Underberg. An der Orgel ist Sebastian Bange zu hören. www.altenberg-dom.de

Kirche Zum Frieden Gottes, Martin-Luther-Straße 13, 51469 Bergisch Gladbach – Ausstellung: „Kirchen im Wandel“
Studierende präsentieren Entwürfe zur Entwicklung des Gebäudekomplexes der evangelischen Kirche in Heidkamp

Die Entwürfe der Neuordnung, Umnutzung, Sanierung und Erweiterung des Grundstücks der Evangelischen Kirche Zum Frieden Gottes zeigt im Rahmen einer Ausstellung die Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach in Zusammenarbeit mit Architekturstudierenden der Technischen Hochschule Köln. Die Vernissage findet am Samstag, 23. April, 17 Uhr, statt. Anschließend können Interessierte die Ausstellung täglich von 9 bis 13 Uhr und von 16 bis 19 Uhr, in der Kirche zum Frieden Gottes, Martin-Luther-Straße 13, besichtigen. Zum Schutz aller Besucherinnen und Besucher muss eine medizinische Maske getragen werden. www.zumfriedengottes.de und www.akoeln.de

Ev. Gemeindezentrum Herkenrath, Straßen 54, 51429 Bergisch Gladbach – Ordination von Prädikantin Claudia Heidkamp
Open-Air-Gottesdienst mit Superintendentin Andrea Vogel

In einem Open-Air-Gottesdienst am Sonntag, 24. April, 14.30 Uhr, im Evangelischen Gemeindezentrum Herkenrath, Strassen 54, wird Prädikantin Claudia Heidkamp von Pfarrerin Andrea Vogel, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, ordiniert. Prädikanten sind Laien, die nach dem Besuch landeskirchlicher Vorbereitungskurse, in Kirchengemeinden den Dienst an Wort und Sakrament und in der Seelsorge ausüben können. www.kirche-bensberg.de

„Die Kirschin Elfriede“ – Sitzkissenkonzert für Familien mit kleinen Kindern

Ein Sitzkissenkonzert am Sonntag, 24. April, 15 Uhr entführt Familien mit kleinen Kindern in die märchenhafte Welt der Kirschin Elfriede. In der Evangelischen Christuskirche Brühl, Mayersweg 10, erzählt Vikarin Astrid Brus die spannende Geschichte und Kantorin Marion Köhler zaubert an der großen Weimbs-Orgel die Musik von Christiane Michel-Ostertun. So werden die große Reise der kleinen Kirsche, die Klänge des Mondes und der Wolke Marie-Claire lebendig. Statt unbequemer Stühle gibt es bei dem Sitzkissenkonzert Gymnastikmatten auf dem Boden, damit Kinder mehr Bewegungsfreiheit haben und entspannt der Musik lauschen können. Im Anschluss an das Konzert kann die Orgel, die „Königin der Instrumente“, aus der Nähe angeschaut werden. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Eine Anmeldung per E-Mail an ruth.dobernecker@ekir.de ist erforderlich. www.kirche-bruehl.de

„NaTour und KulTour im Veedel“ – Neue Veranstaltungsreihe der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Pesch

Beim ersten Nachmittag der Reihe „NaTour und KulTour im Veedel“ am Dienstag, 26. April, 15 bis 16 Uhr, wird der Lindweiler Treff, Marienberger Weg 17b, vorgestellt. Bei einem gemütlichen Beisammen vor Ort wird das neue Konzept der Einrichtung erläutert. www.dem-himmel-so-nah.de und www.diakonie-koeln.de/angebote/familien-und-jugend/lindweiler-treff

Interreligiöser Gesprächsabend zu Ramadan und Zuckerfest
Interessierte sind herzlich willkommen

Zu einem interreligiösen Gesprächsabend zu Ramadan und Zuckerfest mit der muslimischen Gemeinde in Kalk lädt die Evangelische Kirchengemeinde Kalk-Humboldt am Dienstag, 26. April, 20 Uhr, ein. Der Austausch findet im Gemeindehaus, Steinmetzstraße 57, statt. Der Eintritt ist frei. www.ekir.de/kalk

Text: APK
Foto(s): APK

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Neue Glocken für die Epiphaniaskirche

„Gerechtigkeit, Friede, Bewahrung der Schöpfung und Magnificat“. Ein wenig Pathos schwingt mit, wenn im Turm der Epiphaniaskirche ab sofort die Glocken läuten. Die eingangs erwähnten Begriffe sind die Namen der vier Glocken, die aus der Mauenheimer Philipp-Nicolai-Kirche den Weg nach Bickendorf gefunden haben und nun laut und deutlich unter anderem zum Gottesdienst rufen. Die Philipp-Nicolai-Kirche wird entwidmet, die Mauenheimer Protestantinnen und Protestanten besuchen in Zukunft die Gottesdienst in der neuen Erlöserkirche in Weidenpesch.

2015 begann der Glocken-Umzug. Damals wurde die kleine Magnificat-Glocke in den neuen Turm gehängt. Bis dahin hatte die Epiphaniaskirche keinen Turm. Der Turmbau war Teil der Erweiterung des alten Kirchbaus durch das Architekturbüro Lepel und Lepel. Nachdem die kleine Magnificat also sieben Jahre allein ihr Läutwerk verrichtet hat, ist sie nun in bester Gesellschaft. Pfarrerin Uta Walger erläuterte im Gottesdienst zum Empfang der Glocken das weitere Vorgehen. Alle vier Glocken zusammen wird man nicht so oft hören. Auf jeden Fall an hohen Festen. Man wolle einen Läuteplan aufstellen, sagte Walger. Sie räumte ein, dass das Geläut für den einen oder anderen Nachbarn noch gewöhnungsbedürftig sei. „Einer ist zu mir gekommen und hat gesagt, dass ich aufhören könne. Ich wüsste doch, dass er sowieso nicht kommt.“

Morgens werde man auf das Läuten verzichten, um die Langschläfer zu schonen. Walger erinnerte auch daran, dass es den Grundschulkindern großen Spaß bereitet habe, am Seil der Magnificat-Glocke zu ziehen. Das werde in Zukunft nicht mehr nötig sein, weil es automatisch geschehe. Pfarrerin Susanne Zimmermann, die aus Mauenheim gekommen war, erinnerte an die besondere Beziehung ihrer Gemeinde zu den Glocke. Sie wurde vor 30 Jahren bei der Firma Rincker im Westerwald gegossen. Etliche Gemeindeglieder seien damals dabei gewesen und hätten während des Gießens ein Gebet gesprochen. Uta Walger lud alle Mauenheimer und Mauenheimerinnen ein, sonntags die Epiphaniaskirche zu besuchen und vorher die Glocken zu hören.

Kirchenglocken rufen zum Gebet

Pfarrer Nico Buschmann fragte die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher zu Beginn seiner Predigt, was sie im Leben störe. Geräusche, Situationen, Nachbarn? „Ich habe einen Nachbarn, der jeden Tag bohrt. Seit zwei Jahren. Die Wohnung muss aussehen wie ein Schweizer Käse.“ Ob Kirchenglocken stören, wollte Buschmann wissen. Das eben sei doch ihr Zweck. Sie sollen den Alltag stören und zum Gebet rufen. Er erinnerte an zahlreiche Glockenlieder. Sein liebstes ist das später als „Carol of the bells“ bekannte Stück von Mykola Dmytrovych Leontovych, das der als Hoffnungsstück in düsterer Zeit mitten im Ersten Weltkrieg geschrieben habe.

Buschmann ging auch ein auf das Magnificat, das Marienlied. „Preise dem Herrn meine Seele“, heiße es darin. „Ja, Gott war und ist nahbar. Nichts und niemand kann Gottes Liebe zu uns nehmen. Wir sind wunderbar gestaltet. Wir sollten uns betrachten mit den Augen Gottes. Dann werden unsere Probleme gleich ein bisschen kleiner. Und wir gehen etwas beschwingter durch unser Veedel.“ Buschmann verwies auch auf die Inschriften der drei neuen Glocken. „Es braucht die Erkenntnis der Liebe Gottes, dass wir uns für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen können. Dafür sollen die Glocken stören.“

„Glaube ist keine Privatsache“

Der Ukraine-Konflikt, das Sterben der Flüchtenden auf dem Mittelmeer, die Naturkatastrophen: Immer sollten die Glocken stören, „damit wir uns zurückbesinnen auf unsere Aufgaben als Christinnen und Christen. Glaube ist keine Privatsache. Wir wollen Christen nicht nur im Herzen sein, sondern auch in den Taten in dieser Welt.“ Die Glocken sollten an das Heilige erinnern, das immer da sei: „Wie mein Nachbar, der mit seinem Bohren anzeigt, dass er auch noch da ist.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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Kirche2go fragt: Was sind Wunder?

An Ostern wird Jesus Auferstehung gefeiert – ein Wunder. Doch was hat Gott mit der Wunderwirksamkeit in der heutigen Zeit zu tun? Kirche2go fragt: „Was sind Wunder?“ Pfarrer Nico Buschmann glaubt an Wunder – aber nicht so, wie man das allgemein annehmen würde. Wenn Wissenschaft Phänomene nicht erklären kann, ist das für ihn kein Wunder. Er sagt: ,,Gleichzeitig glaube ich aber, dass in dieser Welt viele wunderbare Dinge passieren. Wundersame Dinge. Und zwar immer dann, wenn Gott es schafft, durch Menschen hindurch in diese Welt zu gehen.“

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Der gesamte Text zum Nachlesen:

Wunder – ein großer Theologe Namens Bultmann hat einmal gesagt: „Wir können nicht elektrisches Licht benutzen und im Zweifelsfalle medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Mythenwelt des Neuen Testaments glauben.“ Bultmann hat in der Kirche einiges aufgewühlt. Plötzlich hat man die Bibel nicht mehr einfach so von hier nach dort genommen, hat einfach nicht gesagt, dass die Wunder, die damals dort beschrieben worden sind, genauso passiert sind, sondern man hat versucht, einen tieferen Sinn hinter diesen Wundern zu sehen. Einige Menschen glauben heutzutage noch immer an Wunder. Das ist schön und ich will das auch niemand absprechen. Ich persönlich für mich glaube aber, dass wir über die Definition von Wunder reden müssen. Was ist ein Wunder eigentlich? Und wenn man da Menschen fragen würde, würden wahrscheinlich viele antworten: Ein Wunder, das ist etwas, wenn plötzlich Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind, wenn die Wissenschaft sagt, da verstehen wir etwas nicht, das kann eigentlich gar nicht sein. Ich glaube deswegen nicht an solche Wunder, weil sie Gott kleiner machen. Gott wird nämlich dann zu einem „Lückenfüllergott“, nämlich für die Dinge, die wir noch nicht erklären können. Gleichzeitig glaube ich aber, dass in dieser Welt viele wunderbare Dinge passieren. Wundersame Dinge. Und zwar immer dann, wenn Gott es schafft, durch Menschen hindurch in diese Welt zu gehen. Wenn Gott Menschen beeinflusst, wenn Gott Menschen stärkt und diese dann wunderbare Dinge machen. Von daher: Ja, Wunder gibt es – aber vielleicht nicht so, wie man es normalerweise glaubt.

Text: APK
Foto(s): APK

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Kirche2go fragt: Was ist das Osterfest?

Kirche2go fragt: Was ist das Osterfest? „Ohne Ostern wäre Weihnachten nur ein Kindergeburtstag“, sagt Pfarrerin Laura Kadur. „Ostern ist unser Fest. Der Tod hat seine Macht verloren, das Leben siegt.“ Neubeginn, Hoffnungsschimmer, Stachelzieher: Warum Ostern im gesamten Kirchenjahr eine Rolle spielt, erfahren Sie in dieser Kirche2go-Folge.

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Der gesamte Text zum Nachlesen:

Das Osterfest – was ist das eigentlich? Neubeginn, Hoffnungsschimmer, Stachelzieher. Ostern ist das Fest der Christen, das älteste Fest tatsächlich – egal ob römisch-katholisch, orthodox oder evangelisch. Ostern ist unser Fest. Der Tod hat seine Macht verloren, das Leben siegt. Wir gehören ganz Gott. Das ist das beste eigentlich: die beste Nachricht, die man haben kann, finde ich. Jesus ist auferstanden. Zwei Tage oder drei Tage zuvor ist er gekreuzigt worden – und dann das leere Grab. Schock, Enttäuschung, man hatte gedacht, sie haben ihn weggeschleppt. Aber nichts dergleichen: Der Auferstandene zeigt sich und sagt: „Hier bin ich, der Tod hat seine Macht verloren. Ich lebe und auch ihr sollt leben.“ Ostern ist in den Texten der Bibel eigentlich das zentrale Moment. In unserem ganzen Gottesdienstgeschehen geht es eigentlich Sonntag für Sonntag um Ostern. Egal also zu welcher Zeit wir uns im Kirchenjahr bewegen – wir glauben und hoffen und schauen immer auf den Auferstandenen. Für uns Evangelische ist das Kreuz immer leer. Deshalb ist Ostern viel mehr als man denken kann, als man sich wünschen kann. Wir sind gerettet, wenn man so will. Und ohne Ostern wäre Weihnachten nur ein Kindergeburtstag. Wenn Sie jemanden „Frohe Ostern“ wünschen wollen, dann ist das super, wenn man den Leuten zuspricht: „Der Herr ist auferstanden.“ Und die Antwort, die man darauf bekommt ist: „Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!“

Text: APK
Foto(s): APK

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Ostern-Wimmelbild zum Schauen, Entdecken und Fragen

Die Schulreferate Köln, Bonn und Leverkusen haben ein Wimmelbild konzipiert, das Ostern und Auferstehung in vielfältiger Weise ins Bild bringt. Die Illustratorin Elisabeth Lottermoser hat die Ideen der Schulreferate in Szenen und in ein Gesamtbild umgesetzt – entstanden ist ein Bild, das zum Schauen, Entdecken und Fragen einlädt:

Foto 1 – Ausschnitt Emmaus-Jünger.
Foto 1 – Ausschnitt Emmaus-Jünger.

Biblische Geschichten wie die Tempelreinigung, das letzte Abendmahl, das leere Grab und die Emmaus-Jünger sind im Wimmelbild zu finden wie auch einige Oster-Bräuche, ein Osternacht-Gottesdienst in der Kirche und der Sederabend einer jüdischen Familie (Foto 1 – Ausschnitt Emmaus-Jünger).

Jugendliche stehen am Karfreitag vor einem geschlossenen Club – die wiederkehrende Diskussion über den Sinn dieses ’stillen Feiertags‘ wird auf diese Weise angesprochen und der ‚vierte König‘ erreicht endlich am Kreuz sein Ziel.

Foto 2 – Ausschnitt Friedhof/ leeres Grab Jesu
Foto 2 – Ausschnitt Friedhof/ leeres Grab Jesu

Das Besondere ist sicherlich, dass in diesem Bild biblische Szenen und unsere heutige Lebenswelt verschränkt werden – beide Zeiten und Welten werden vom Licht der Ostersonne erfasst und verbunden. Zudem lassen sich vielfältige Bezüge zwischen den Zeiten finden. So lernen die Emmaus-Jünger vom auferstandenen Christus – heute finden wir diese Erfahrungen in der Bibel, so wie die beiden Personen vor der Kirche. Das Brot des letzten Abendmahls findet sich im Haus der Emmaus-Jünger wieder und in der Kirche auf dem Altar. Auch ein Bezug zur Sederfeier kann über das Symbol des Brotes entdeckt werden.

Die Gräber an der Kirche liegen in direkter Nachbarschaft zum leeren Grab Jesu – seine Auferstehung ist Grund für unsere Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat (Foto 2 – Ausschnitt Friedhof/ leeres Grab Jesu). Zeichen dieser Hoffnung finden sich nicht nur auf den Grabsteinen, sondern an vielen Stellen im Bild.

Foto 3 – Ausschnitt Ostermarsch
Foto 3 – Ausschnitt Ostermarsch

Manche Szene ruft vielleicht Fragen hervor oder erfordert Hintergrundinformationen – das ist durchaus beabsichtigt. So kann der Computer-Spieler, den wir in einem der Fenster entdecken, beispielsweise zum Kurzfilm ‚Ich hab‘ noch Auferstehung‘ (‚Still got lives‘) führen oder das Plakat zum ‚Hasenfest‘ zu kontroversen Diskussionen im Internet über „Ostern als Hasenfest“. Und leider ganz aktuell und wichtig: Der Ostermarsch als Demonstration für Frieden und Klimaschutz (Foto 3 – Ausschnitt Ostermarsch). Hintergrundinformationen zu vielen Einzelszenen sind auf einer Pinnwand bei Taskcards für alle Nutzer und Nutzerinnen des Bildes zusammengestellt: Link zur Pinnwand

Das Oster-Wimmelbild ist als DIN A1 Poster im Schulreferat erhältlich oder als Download – es darf digital und in gedruckter Form verwendet werden. Die Datei des farbigen Wimmelbildes (in guter sowie in hochauflösender Qualität) und eine schwarz-weiße Version stehen über folgenden Link zum Download bereit.

Das Bild kann in Schulen und Kirchengemeinden Verwendung findet und so dazu beitragen, die Botschaft von Ostern weiterzusagen: „Christus ist auferstanden“.

Rückfragen und Feedback an das Team des Schulreferates unter: www.reli-koeln.de.

Text: Rainer Lemaire
Foto(s): Elisabeth Lottermoser/Schulreferat

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