„Steh auf und geh!“ – Weltgebetstags-Gottesdienste 2020 im Bereich des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region

„Steh auf und geh!“ lautet das Motto des Weltgebetstages der Frauen, zu dem in diesem Jahr zahlreiche Gemeinden zu Gottesdiensten und Veranstaltungen einladen. Das Motto, das sich an eine Bibelstelle aus Johannes 5 anlehnt, wurde liturgisch von Frauen aus Simbabwe vorbereitet, die damit die Situation und die gesellschaftlichen Fragen ihres krisengeplagten Landes im südlichen Afrika aufgreifen.

Die Weltgebetstags-Bewegung setzt sich seit mehr als 100 Jahren, über alle Grenzen hinweg, für eine verbesserte Lebenssituation von Frauen und Mädchen in deren Ländern ein. Jeweils am ersten Freitag im März wird in mehr als 120 Ländern der Weltgebetstag der Frauen gefeiert.

In Köln und Region wird der Tag oft ökumenisch gefeiert. Die Veranstaltungen und Gottesdienste finden im jährlichen Wechsel in der evangelischen oder katholischen Kirche vor Ort statt. Mit den Kollekten aus den Gottesdiensten in diesem Jahr werden lokale Frauengruppen und Organisationen in Simbabwe unterstützt. Frauen und Männer sind zum gemeinsamen Gebet eingeladen.

Nachfolgende Gottesdienste und Veranstaltungen sind in Köln und Region geplant:

Stadtgebiet Köln

Zentraler Gottesdienst am Vorabend zum Weltgebetstag der Frauen
  • St. Andreas, Komödienstraße 8, 50667 Köln
    05.03., 18:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst
Evangelische Gemeinde Köln
  • Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, 50678 Köln
    08.03., 09:45 Uhr, Weltgebetstags-Gottesdienst mit Musik und Texten zu Simbabwe. Prädikantin Alisa Pisu, Pfarrerin Anna Quaas und Team sowie Kantor Thomas Frerichs und Kartäuserchor. Anschließend Mittagessen
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Deutz/Poll
  • St. Johannes-Kirche, Tempelstraße 31, 50679 Köln
    06.03. 17:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst
  • Kapelle der Still, An den Rolshover Gärten 18, 51105 Köln-Poll
    06.03. 17:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Klettenberg
  • St. Bruno, Klettenberggürtel 71, 50939 Köln
    06.03., 15:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst mit anschließendem Beisammensein bei Kaffee und Kuchen
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Lindenthal
  • St. Stephan, Bachemer Straße 104A, 50931 Köln
    06.03. 16:00 Uhr, „Simbabwe“-Gottesdienst
Evangelische Kirchengemeinde Nippes
  • Evangelische Lutherkirche Nippes, Siebachstraße 85/Ecke Merheimer Straße 112, 50733 Köln,
    06.03., 17:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst mit anschließendem gemeinsamen Essen
Evangelische Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld
  • Evangelische Clarenbachkirche Braunsfeld, Aachener Straße 458, 50933 Köln,
    06.03., 15:00 Uhr, ökumenischer Weltgebetstags-Gottesdienst mit anschließendem Imbiss im Clarenbachstift
Evangelische Kirchengemeinde Weiden/Lövenich
  • Heilig-Geist-Kirche, Bunzlauer Straße 25, 50858 Köln
    06.03., 15:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst
Evangelische Immanuel-Gemeinde Köln-Longerich
  • St. Bernhard, Hansenstraße 39, 50737 Köln
    06.03., 16:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst mit anschließendem Beisammensein
    06.03., 19:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst mit anschließendem Beisammensein
Evangelische Kirchengemeinde Rondorf
  • Pfarrkirche Heilige Drei Könige, Hahnenstraße 21, 50997 Köln
    06.03. 17:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst
Evangelische Kirchengemeinde Bickendorf
  • Emmauskirche Vogelsang, Birkhuhnweg 2, 50829 Köln
    06.03., 18:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst, anschließend Beisammensein
  • Auferstehungskirche Bocklemünd, 50829 Köln,
    06.03., 15:00 Uhr, Weltgebetstags-Gottesdienst mit Pfarrer Thorsten Sommerfeld
  • St. Johannes v.d. lat. Tore, Venloer Straße 1228, 50829 Köln
    06.03., 15:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst, anschließend Beisammensein,
Evangelische Kirchengemeinde Ehrenfeld
  • St. Peter, Subbelrather Straße/Simarplatz, 50825 Köln-Neuehrenfeld,
    06.03., 15:00 Uhr, Gottesdienst zum Weltgebetstag
Evangelische Kirchengemeinde Ichthys
  • Gemeindehaus Unter Gottes Gnaden, Zum Dammfelde 37, 50859 Köln,
    06.03., 17:00 Uhr, Weltgebetstags-Gottesdienst. Anschließend Büfett mit landestypischen Speisen.
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Mauenheim-Weidenpesch
  • St. Quirinus, Bergstraße 89, Mauenheim, 50739 Köln
    06.03., 15:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst
Evangelische Hoffnungsgemeinde im Kölner Norden
  • Stadtkirche Chorweiler, Pariser Platz 32, 50765 Köln
    06.03., 17:00, ökumenischer Gottesdienst zum Motto des Weltgebetstages „Steh auf und geh!“. Anschließend gemeinsames Essen und Trinken
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Pesch
  • St. Mariä Namen Esch, Martinusstraße 24, 50765 Köln
    06.03., 17:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Höhenhaus
  • Pauluskirche Höhenhaus, Dreisamweg 9, 51061 Köln
    06.03., 16:00 Uhr, Kaffeetrinken und Austausch
    06.03., 17:00 Uhr, Gottesdienst mit Pfarrerin Astrid Krall
Evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein
  • Friedenskirche, Wallstraße 70, 51063 Köln
    06.03., 16:00 Uhr, Gottesdienst zum Weltgebetstag mit Superintendentin Andrea Vogel und einem ökumenischen Team.
Evangelische Kirchengemeinde Porz
  • Johanneskirche Westhoven, Berliner Straße 5, 51149 Köln
    06.03., 15:00 Uhr, Weltgebetstags-Gottesdienst
  • Hoffnungskirche Porz-Finkenberg, Theodor-Heuss-Straße 1, 51149 Köln
    06.03., 17 Uhr, Weltgebetstags-Gottesdienst
Evangelische Kirchengemeinde Porz-Wahn-Heide
  • St. Aegidius Wahn, Heidestraße 14, 51147 Köln
    06.03., 15:00 Uhr, ökumenischer Weltgebetstags-Gottesdienst mit anschließenden Gesprächen und Kaffeetrinken
Evangelische Kirchengemeinde Vingst-Neubrück-Höhenberg
  • St. Theodor, An St. Theodor, 51103 Köln-Vingst
    06.03., 17:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst
Evangelische Brückenschlag-Gemeinde Köln-Flittard/Stammheim
  • St. Hubertus Flittard, Hubertusstraße 3, 51061 Köln
    06.03., 17:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst mit anschließendem geselligem Beisammensein
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Niehl
  • St. Clemens, Friedrich-Karl-Straße 222, 50735 Köln
    06.03., 18 Uhr, ökumenischer Gottesdienst mit anschließendem Imbiss

Rheinisch-Bergischer Kreis

Evangelische Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath
  • St. Servatius-Kirche Hoffnungsthal, Poltesgarten 10, 51503 Rösrath,
    06.03., 15:00 Uhr, Informationen zur Situation von Frauen in Simbabwe mit Bildern auf großer Leinwand sowie Kaffee und Kuchen
    06.03., 17:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst nach der WGT-Ordnung, vorbereitet von Frauen aus der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde
Evangelische Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen
  • Herz-Jesu-Kirche Schildgen, Altenberger-Dom-Straße 140, 51467 Bergisch Gladbach
    06.03. 15:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst, anschließend gemütliches Beisammensein
  • Altenberger Dom, Altenberg, 51467 Bergisch Gladbach
    06.03. 15:30 Uhr, ökumenischer Gottesdienst, anschließend Beisammensein bei Kaffee und Kuchen im Martin-Luther-Haus, Uferweg 1
Evangelische Kirchengemeinde Bensberg
  • Evangelische Kirche Bensberg, Friedhofsweg, 51429 Bergisch Gladbach
    06.03., 18:30 Uhr, ökumenischer Gottesdienst, vorbereitet von Konfirmandinnen und Konfirmanden und dem Ökumene-Kreis. Im Anschluss Beisammensein und Spezialitäten aus Simbabwe
  • Evangelische Kirche Herkenrath, Straßen 54, 51429 Bergisch Gladbach
    06.03., 17:00 Uhr, Einführung in das Thema und Gottesdienst. Anschließend Beisammensein und Spezialitäten aus Simbabwe

Rhein-Erft-Kreis

Evangelische Friedenskirchengemeinde in Erftstadt
  • St. Joseph Köttingen, Otto-Hue-Straße, 50374 Erftstadt
    06.03. 10:45 Uhr, Gottesdienst, anschließend Beisammensein im Pfarrheim
  • Friedenskirche Liblar (BZ), Schlunkweg 52, 50374 Erftstadt
    06.03. 15:00 Uhr, Gottesdienst, anschließend Beisammensein im Gemeindehaus
  • St. Lambertus Bliesheim, Lambertusstraße, Lambertusstraße, 50374 Erftstadt
    06.03. 15:00 Uhr, Gottesdienst, anschließend Beisammensein im Pfarrheim
Evangelische Kirchengemeinde Brüggen/Erft
  • Lukaskirche Brüggen, Kirchweg, 50169 Kerpen-Brüggen
    06.03. 16:00 Uhr, Gottesdienst mit Gitarrencombo, anschließend Beisammensein bei Kaffee und Kuchen
Evangelische Kirchengemeinde Frechen
  • St. Severin, An St. Severin, 50226 Frechen
    06.03. 15:00 Uhr, Ländervortrag Simbabwe und Kaffeetrinken
    06.03. 17:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst
Evangelische Kirchengemeinde Horrem
  • St. Mariä Himmelfahrt Kirche, Matthias-Werner-Straße 15, 50226 Frechen-Grefrath
    06.03. 15:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst
Evangelische Kirchengemeinde Hürth
  • Martin-Luther-Kirche Gleuel, Am Hofacker 41, 50354 Hürth
    07.03., 19:30 Uhr, Gottesdienst im Kerzenschein zum Weltgebetstags-Motto „Steh auf und geh!“ mit Pfarrerin Franziska Boury
Evangelische Kirchengemeinde Kerpen
  • Pfarrkirche St. Quirinius, Kirchplatz 3, Kerpen-Mödrath, 50171 Kerpen
    06.03., 15:00 Uhr, ökumenischer Gottesdienst zum Weltgebetstag. Anschließend Kaffeetrinken und Gespräch im Gemeindehaus
Evangelische Kirchengemeinde Sindorf
  • Christus-Kirche, Carl-Schurz-Straße 2/Ecke Kerpener Straße, 50170 Kerpen
    06.03., 16:30 Uhr, Weltgebetstags-Gottesdienst, Pfarrer Drensler. Anschließend kleiner Imbiss im katholischen Pfarrheim
  • Apostel-Paulus-Kirche Heppendorf, Johann-Josef-Wolf-Straße, 50189 Elsdorf-Heppendorf
    06.03. 15:00 Uhr, Weltgebetstag, Pfarrer Drensler
  • St. Dionysius Sindorf-Heppendorf, Alefstraße 17, 50189 Elsdorf
    06.03., 15:00 Uhr, Gottesdienst, anschließend Kaffeetrinken
Evangelische Kirchengemeinde Wesseling
  • Kreuzkirche, Kronenweg 67, 50389 Wesseling
    06.03. 16:30 Uhr, ökumenischer Gottesdienst, anschließend Beisammensein mit Köstlichkeiten aus Simbabwe
Evangelische Kirchengemeinde Bedburg-Niederaußem-Glessen
  • Friedrich-von-Bodelschwingh-Gemeindezentrum Glessen, Hohe Straße 49, 50129 Bergheim
    06.03. 15 Uhr, ökumenischer Gottesdienst. Anschließend gemütliches Beisammensein und Kaffeetrinken im katholischen Pfarrheim, Pfarrer-Tirtey-Straße 2 in Glessen
Evangelische Kirchengemeinde an der Erft, Bereich Quadrath-Ichendorf
  • St. Laurentius-Kirche Quadrath
    06.03. 15:00 Uhr (Ansingen 14:45 Uhr), ökumenischer Gottesdienst. Im Anschluss Vortrag über Simbabwe und Kaffee und Kuchen
Evangelische Kirchengemeinde an der Erft, Bereich Bergheim-Zieverich-Elsdorf
  • Lutherkirche Elsdorf, Aachener Straße 174, 50189 Elsdorf
    06.03., 15:00 Uhr, Weltgebetstags-Gottesdienst mit anschließendem Kaffeetrinken im Lutherzentrum
  • St. Hubertus, Luisenstraße 18, 50126 Bergheim-Kenten,
    06.03.,15:00 Uhr, Gottesdienst mit anschließendem Kaffeetrinken im Pfarrheim St. Hubertus
Evangelische Kirchengemeinde Ichthys
  • Kirchenladen Sinthern, Am Hoppeberg 5, 50259 Pulheim-Sinthern
    06.03., 19:00 Uhr, Weltgebetstags-Gottesdienst. Anschließend Büfett mit landestypischen Speisen
Evangelische Kirchengemeinde Pulheim
  • Gnadenkirche, Gustav-Heinemann-Straße 28c, 50259 Pulheim
    06.03. 15:00 Uhr, Gottesdienst im Gemeindesaal
  • Pfarrsaal St. Kosmas und Damian, Escher Straße 4, 50259 Pulheim
    06.03. 19:00 Uhr, Gottesdienst

Für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Gottesdienst-Termine sind die jeweiligen Gemeinden selbst verantwortlich.

Weitere Informationen: www.weltgebetstag.de .

Text: APK
Foto(s): Nonhlanhla-Mathe

Der Beitrag „Steh auf und geh!“ – Weltgebetstags-Gottesdienste 2020 im Bereich des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Schule als Ort, Demokratie zu verstehen und zu schützen“ – Aktuelles Thema beim Schulpolitischen Aschermittwoch im Haus der Evangelischen Kirche

Extremisten aller Richtungen sind derzeit auf dem Vormarsch. Ihr Ziel ist, die Demokratie zu destabilisieren. Dieses hochaktuelle Thema stand im Mittelpunkt beim traditionellen „Schulpolitischen Aschermittwoch“ im Haus der Evangelischen Kirche: „Schule als Ort, Demokratie zu verstehen und zu schützen.“ Gastredner war Burkhard Freier, seit 2012 Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen. Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger begrüßte Freier und die zahlreichen Leiterinnen und Leiter aus allen Schulformen. „Wir sind hier in politisch bewegten Wochen. Nach Rosenmontagszügen mit ungewöhnlich starken politischen Inhalten auch in Köln, nach dem Chaos und den Verirrungen im Thüringer Landtag, in Zeiten der Orientierungssuche der etablierten politischen Parteien, in Zeit der Verrohung der Sprache, von zunehmendem Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus, in Zeit aufrechter Demonstrationen für unsere Demokratie, aber eben auch nach dem fremdenfeindlichen Anschlag von Hanau.“

Seiger erinnerte an die „Barmer Theologische Erklärung“ von 1934, die damals eine Argumentationshilfe für die von den Nationalsozialisten bedrohten Gemeinden sein sollte. Der Stadtsuperintendent zitierte aus der 5. These, die sich mit den Aufgaben des Staates befasst: „Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen.“ Für Recht und Frieden nach innen und außen zu sorgen sei auch heute noch nach evangelischer Auffassung zentrale Aufgabe des Staates. „Deshalb sind menschenverachtende, rassistische und demokratiefeindliche Einstellungen mit dem christlichen Glauben unvereinbar, denn sie zerstören den inneren Frieden in einer Gesellschaft“, fuhr Seiger fort und erklärte, dass menschenverachtende und demokratiefeindliche Einstellungen immer wieder in der Öffentlichkeit geäußert werden. Und sie würden auch parteipolitisch begünstigt. „Der Konsens über Recht und Frieden in unserer Gesellschaft ist gefährdet.“

Burkhard Freier lud die Anwesenden ein zu einem „Parforceritt“ durch die Extremistenszene in NRW. Er warnte zunächst aber vor Hysterie. „Wir leben in einem der sichersten Länder der Erde. Unsere Demokratie ist gefestigt. Aber der Hass und die Verrohung der Sprache nehmen zu.“ Freier unterschied drei extremistische Strömungen: Links- und Rechtsextremismus sowie den Salafismus. Ihnen gemeinsam sei die „zunehmende Qualität der Gewalt“. Dabei diene das Internet als Katalysator. Im Internet würden viele Kinder und Jugendliche erreicht. „Verbote von Plattformen bringen nichts. Von denen gibt es 360. Und dann haben wir von Facebook und Twitter noch gar nicht gesprochen,“ sagte er weiter.

Der Verfassungsschützer hat beobachtet, dass die Gesellschaft sich zusehends spaltet und „Dinge akzeptiert, die wir vor zehn Jahren für unmöglich gehalten hätten“. Zwischen den Extremistengruppen gebe es Wechselwirkungen. „Die Linken beobachten sehr genau, was die Rechten tun und setzen dann noch einen drauf.“ Ebenso sei es mit den Rechten und den Salafisten. So entstehe ein Kreislauf. Viele „Extremisten-Karrieren“ begännen bereits im Kindergarten. Die Polizei sei zuständig, wenn sich eine Straftat konkretisiere. Der Verfassungsschutz begleite Extremisten vom Anfang bis zur Haftentlassung und darüber hinaus, etwa mit Aussteigerprogrammen. „Wir haben Augen und Ohren, aber keine Arme. Die Polizei hat weniger Augen und Ohren, darf aber alles anfassen“, fasste Freier die Unterschiede der Behörden in einem eingängigen Bild zusammen. Der Verfassungsschutz befasse sich nicht mit Radikalen, sondern mit Extremisten und Terroristen. „Extremisten fordern die Abschaffung unserer Grundwerte, Terroristen versuchen, die Forderung in die Tat umzusetzen.“

Die Herausforderung durch islamistische Extremisten nehme zu, führte Freier weiter aus. „Wir gehen in NRW von 3.200 Salafisten aus. Pro Jahr werden es 100 mehr.“ Man gehe im Moment von über 100 islamistischen Familienverbünden aus, „die weit weg leben von unserer Gesellschaft“. Die Linksextremisten zeigten ebenfalls eine große Gewaltbereitschaft, wie man im Hambacher Forst gesehen habe. Sie versuchten, so der Verfassungsschutz-Leiter, Räume zu schaffen, auf die die Polizei keinen Zugriff habe. Die Linksextremen hätten versucht, die „Friday for Future“-Demonstrationen für ihre Zwecke zu nutzen und sie zu unterwandern etwa mit dem Angebot, die Organisation der Demos zu übernehmen.

Zu den Extremisten auf der rechten Seite erklärte Freier: „Wer heute AfD wählt, muss wissen, was er tut.“ Der Rechtsextremismus käme immer „hipper“ daher. Die Themen, die Sprache und auch die Musik würden immer moderner. Jugendliche würden in Umfragen Angst vor Terror äußern, Angst vor Parallelgesellschaften, vor dem Verlust der Identität. Diese Themen würden die Rechten aufgreifen, so Freier. Dazu kämen dann noch die Verschwörungstheoretiker der „Identitären Bewegung“, die behaupteten, die politische Elite verfolge mit der Aufnahme von Geflüchteten den „Austausch der Bevölkerung“. „Die, die das vertreten, sind keine Glatzen, Hooligans oder Rocker. Das sind im Zweifel junge freundliche Menschen.“

Burkhard Freier beim Vortrag

Zu dem Attentat von Hanau sagte Freier: „Nicht jeder, der Ballerspiele spielt, wird zum Attentäter. Und nicht jeder Attentäter hat Ballerspiele gespielt.“ Aber es gebe ein Muster. In einem dieser Ego-Shooter-Spiele schaffe man sich einen Avatar und bekomme für das Töten Punkte. Das könne man auf Attentate übertragen. Der Mörder von Christchurch habe nach dieser perversen Zählung 53 Punkte erreicht. „Es gibt potenzielle Täter, die diese Punktezahl überbieten wollen“, sagte Freier. Angefangen habe alle mit Anders Breivik, der 2011 bei einem Anschlag 77 Menschen getötet hat. „Der hat dieses Spiel ein Jahr lang gespielt, nur um zu lernen, wie man Menschen tötet.“

Die Identitäre Bewegung glaubt aus Sicht der Behörde, dass das deutsche Volk verdrängt werde. Deshalb griffen die Mitglieder Synagogen, Moscheen, Politiker und Ausländer an, um aktuell einen Bürgerkrieg zu provozieren, wie beispielsweise in Halle. „Denn jetzt sind wir noch die Mehrheit, denken die“, beschrieb Freier die Strategie dieser Bewegung. Dies hätten auch die zwölf kürzlich als Terrorverdächtige Festgenommenen verfolgt. „Wo Ängste sind, aber keine Sicherheit, entsteht dieses Milieu“, hat der Verfassungsschutz festgestellt. Aber 80 Prozent aller Radikalisierungswege seien erkennbar. Freier erklärte die drei großen A: „Abschottung, Abwertung, Antidemokratische Einstellung“. Für Islamisten bedeutet dies eine die Abwertung der Ungläubigen, für Rechtsextreme die Abwertung von Ausländern und für die Linksextremen die Abwertung der staatlichen Institutionen mit ihren handelnden Personen.

Die Anfragen von Schulen an den Verfassungsschutz hätten sich deutlich erhöht. Gründe könnten sein, dass es an Schulen mehr Extremismus gebe und die Lehrer sensibler geworden seien. Jeden Tag sei ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes in einer Schule, um aufzuklären. „Es gibt beispielsweise Theaterstücke und Buchlesungen. Jetzt denken Sie sicher, dass Jugendliche da eher nicht zuhören“, wandte sich Freier an seine Pädagogen-Zuhörerschaft: „Weit gefehlt. Wenn da eine Geschichte über einen Mann gelesen wird, der in Syrien umgebracht wurde, weil er schwul ist, sind alle sofort mucksmäuschenstill.“ Ein weiteres Angebot für Schülerinnen und Schüler ist ein virtueller Escape-Room, in dem sie auf Symbole aus dem rechtsextremen Bereich träfen. Das sorge regelmäßig für Irritation und Nachdenken. „Es müsste an jeder Schule jemanden geben, der sich nur um Extremismus kümmert“, forderte der Verfassungsschützer. „Unsere Demokratie der Zukunft lebt von den Jugendlichen. Wenn man das Thema wirklich ernst nehmen will, muss man schon in den Kindergärten ansetzen. Die Arbeit an den Schulen ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Aus dem Publikum kam Kritik. „Für eine Stelle, die sich um Extremismus kümmert, wird es schlicht kein Geld geben“, sagte eine Schulleiterin. „Aber trotzdem müssen wir es versuchen“, entgegnete Freier.

Der Verfassungsschutz bietet auch Fortbildungsprogramme für Lehrerinnen und Lehrer an. An erster Stelle nannte Freier das VIR-Programm: „VeränderungsImpulse setzen bei Rechtsorientierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen“. Mit Hilfe des VIR-Trainings könnten Lehrerinnen und Lehrer Impulse bei Zielgruppen setzen, die der Verhaltensänderung skeptisch gegenüberstehen und bei denen intensive Beratungsprozesse zunächst aussichtslos scheinen. „Das kann in einem Tür- und Angel-Gespräch nach einer Unterrichtsstunde sein. Das Gespräch dauert vielleicht nur drei Minuten. Aber die müssen sitzen“, fasste Freier zusammen.

In Bezug auf die Schule forderte der Behördenleiter vor allem strategische Partnerschaften in den Kommunen. „Die Schule allein ist mit extremistischen Vorfällen überfordert. Es braucht ein Netzwerk aus Polizei, Schulen, Jugendämtern, Vereinen und Hilfsorganisationen.“ Und wenn ein Jugendlicher in der Schule in Verdacht geriete, sich zu radikalisieren, solle man den Verfassungsschutz informieren. Auf die Frage aus dem Publikum, ob es nicht hilfreich sei, bestimmte Ballerspiele zu verbieten, hatte der Verfassungsschützer eine einfache Antwort: „Die können sie zwar verbieten. Aber deshalb sind sie nicht verschwunden. Es gibt sie dann auf dem Schwarzmarkt oder im Darknet.“ So sind eher Medienkompetenz und eine Sensibilisierung für das Verständnis der Demokratie gefragt, die in der Schulzeit den Heranwachsenden mit auf den Weg gegeben werden können.

Der Schulpolitische Aschermittwoch im Haus der Evangelischen Kirche in Köln wurde auch in diesem Jahr vom Schulreferat und vom Pfarramt für Berufskollegs veranstaltet.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann/APK

Der Beitrag „Schule als Ort, Demokratie zu verstehen und zu schützen“ – Aktuelles Thema beim Schulpolitischen Aschermittwoch im Haus der Evangelischen Kirche erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Wochenendtipps: Vesperabend, Herzens-Sprechstunde, CD-Release-Konzert, Kammermusik und „Lebensretter”

Die Zeit der Wiener Klassik – Vesperabend in der Zeltkirche

Bensberg (epk). Pfarrer Robert Dwornicki liest Texte mit Bezug zum Vorfrühling und lädt zu einem Vesperabend am Sonntag, 1. März, 18 Uhr, in die Evangelische Kirche Refrath-Kippekausen, Am Rittersteg 1, ein. Musikalisch unterstützt wird er dabei von Ulla Pillmann (Klavier) und Xaver Hetzenegger (Orgel) mit Werken aus der Zeit der Wiener Klassik. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Kontakt: www.kirche-bensberg.de

Neu: Aktionsgruppe „Lebensretter“ – Jugendliche treffen sich an der Apostelkirche in Wesseling

Wesseling (epk). In der Evangelischen Kirchengemeinde Wesseling gibt es eine neue Aktionsgruppe für interessierte Jugendliche. Themen bei den „Lebensrettern“ sind der Umweltschutz und die Bewahrung der Schöpfung. Dabei können Ideen für Projekte und Aktionen gemeinsam überlegt und umgesetzt werden. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat von 18 bis 20 Uhr in den Jugendräumen der Apostelkirche, Antoniusstraße 8. Das nächste Treffen findet am Freitag, 28. Februar, statt. Kontakt: www.evangelisch-wesseling.de

„Was bewegt mich? – Was möchte ich bewegen?“ – Einladung zur „Herzens-Sprechstunde“ in Hürth

Hürth (epk). Kleine soziale Netzwerke in der Nachbarschaft knüpfen und Herzensangelegenheiten in die Tat umsetzen ist das Ziel der sogenannten „Herzens-Sprechstunde“, zu der die Evangelische Kirchengemeinde Hürth am Freitag, 28. Februar, 16 Uhr bis 18.30 Uhr, in die Martin-Luther-King-Kirche, Villering 38, einlädt. In der „Herzens-Sprechstunde“ gehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam ihren persönlichen Anliegen auf den Grund und planen deren Umsetzung. Eine Anmeldung unter Telefon 0163/7341235 oder per E-Mail an tanja.david@ekir.de ist wegen der begrenzten Teilnehmerzahl erforderlich. Kontakt: www.evangelisch-in-huerth.de

„Fortune Obscure – die Schicksalsballaden des Codex Chantilly“ – CD-Release-Konzert mit „Fortuna Canta“ in der Antoniterkirche

Köln-Innenstadt (epk). Mit ihrem Programm „Fortune Obscure – die Schicksalsballaden des Codex Chantilly“ präsentieren „Fortuna Canta“ bei einem CD-Release-Konzert am Freitag, 28. Februar, 18.15 Uhr, in der Antoniterkirche, Schildergasse 57, höfische Musik des ausgehenden Mittelalters. Das Ensemble besteht aus Stefanie Brijoux (Sopran), Katrin Krauß-Brandi (Blockflöte), Ute Faust (Fidel und Blockflöte) sowie Holger Faust-Peters (Fidel und Organetto). Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Kontakt: www.antonitercitykirche.de

Kammermusik in der Versöhnungskirche – Trio Farrenc kombiniert Klavier, Querflöte und Cello

Köln-Holweide (epk). Das Trio Farrenc besteht aus Beatrix Ebersberg (Klavier), Arnim Klüser (Querflöte) und Ulrike Tiedemann (Cello). Bei einem Konzert in der Versöhnungskirche Holweide, Buschfeldstraße 30, am Sonntag, 1. März, 16 Uhr, lassen sie Kammermusikwerke von den Komponisten Philippe Gaubert, Jean Francaix, Johann Nepomuk Hummel sowie der Komponistin Louise Farrenc erklingen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Kontakt: www.ulrike-tiedemann.de/triofarrenc und www.evangelisch-in-koeln-dellbrueck-holweide.de

Text: APK
Foto(s): Annika Bocks

Der Beitrag Wochenendtipps: Vesperabend, Herzens-Sprechstunde, CD-Release-Konzert, Kammermusik und „Lebensretter” erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Fastengruppen und Passionsandachten – Übersicht

Stadtgebiet Köln

„spürbar.glauben.leben.“ – Glaubenskurs der Evangelischen Brückenschlag-Gemeinde Köln-Flittard/Stammheim

Köln-Stammheim (epk). „spürbar.glauben.leben.“ ist der Titel eines Glaubenskurses zum Thema „Alltag des Christseins“, zu dem die Evangelische Brückenschlag-Gemeinde Köln-Flittard/Stammheim in die Immanuel-Kirche Stammheim, Bonhoefferstraße 10, einlädt. An sieben Abenden in der Passionszeit, immer mittwochs, vom 26. Februar bis zum 8. April, jeweils 19 bis 21 Uhr, wechseln sich Gespräch und Vortrag ab. Die Abende werden von Wilfried Jepp und Pfarrer Thomas Fresia gestaltet. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung über die Homepage ist erforderlich. Kontakt: www.brueckenschlag-gemeinde.de

„7 Wochen ohne Pessimismus“ -Fastenaktion in der Evangelischen Kirchengemeinde Mauenheim-Weidenpesch

Köln-Mauenheim-Weidenpesch (epk). Das Positive und Hoffnungsvolle des Alltags zu suchen und zu finden, ist das Ziel der Fastenaktion „Zuversicht! 7 Wochen ohne Pessimismus“, zu dem die evangelischen Kirchen in der Fastenzeit 2020 einladen. Mit Anregungen aus der Bibel und gegenseitigen Ermutigungen in einer Gruppe, möchte sich die Evangelische Kirchengemeinde Mauenheim-Weidenpesch dem Motto der Fastenaktion anschließen. Interessierte stimmen sich am Aschermittwoch, 26. Februar, 19.30 Uhr, im Lichtwinkel der Philipp-Nicolai-Kirche, Nibelungenstraße 62, auf die Fastenzeit ein. Danach werden die regelmäßigen Termine gemeinsam mit der Gruppe festgelegt. Kontakt: Evangelische Kirchengemeinde Köln-Mauenheim-Weidenpesch, Telefon 0221/74 89 47, www.kirche-mauwei.de

Meditative Passionsandachten – Wöchentliche Treffen von Aschermittwoch bis Ostern

Köln (epk). Zu einer Reihe von Passionsandachten lädt die Evangelische Gemeinde Köln in die Thomaskirche, Neusser Wall/Ecke Lentstraße, ein. Die meditativen Andachten werden in der Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern immer donnerstags, 19 Uhr, gefeiert. Der erste Termin ist am Donnerstag, 27. Februar. Kontakt: www.thomaskirche-koeln.de

Passionsandachten mit fortlaufender Passionslesung – Feier der Komplet in der Antoniterkirche

Köln-Innenstadt (epk). In der Passionszeit lädt die Evangelische Gemeinde Köln zu sechs Passionsandachten mit Abendmahlsfeier, Predigtimpuls und fortlaufender Passionslesung in der Antoniterkirche, Schildergasse 57, an. Jeweils mittwochs zwischen 4. März und 8. April, 20 Uhr, werden die Andachten als Komplet (Abendgebet im Stundengebet) gefeiert. Kontakt: www.antonitercitykirche.de

Fastenwoche nach Buchinger in Porz – Tägliche Treffen mit der Fastenleiterin

Köln-Porz (epk). Der Frühling ist eine gute Zeit, um innen und außen Frühjahrsputz zu halten und Altes und Überflüssiges loszulassen. Das Heilfasten nach der Buchinger Methode ist dabei ein Weg, den Körper und die Seele zu reinigen und wieder Klarheit für die wichtigen Dinge des Lebens zu erlangen. Die evangelische Kirchengemeinde Porz bietet von Freitag, 27. März, bis Freitag, 3. April eine Fastenwoche unter Anleitung der erfahrenen Fastenleiterin Karen Nespethal, Oecotrophologin aus Köln, an. Interessierte treffen sich täglich für eine Stunde im Gemeindezentrum, Martin-Luther-Straße 38, zum Austausch. Die Teilnahme kostet 79 Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich. Wer sich vorab informieren möchte, kann das bei einer kostenlosen Veranstaltung am Montag, 16. März, 19 Uhr, ebenfalls im Gemeindezentrum, tun. Kontakt: Karen Nespethal, Telefon 0221/8886757, E-Mail info@ernaehrungsberatung-zetheg.de, www.kirche-porz.de

Rhein-Erft-Kreis

Passionsandachten in der Evangelischen Kirchengemeinde Brühl – Zur Ruhe kommen und loslassen

Brühl (epk). In den sieben Wochen der Passionszeit lädt die Evangelische Kirchengemeinde Brühl dazu ein, immer am Mittwochabend in der Stille der Andreaskirche, Andreaskirchplatz 3, zur Ruhe zu kommen und sich in Gebeten und Gedanken Gott anzuvertrauen. Die Passionsandachten können den Besucherinnen und Besuchern helfen loszulassen, was die Seele belastet. Die Andachten finden im Zeitraum Aschermittwoch, 26. Februar, bis Mittwoch, 8. April, jeweils 19 Uhr, statt. Kontakt: Evangelische Kirchengemeinde Brühl, Telefon 02232/436 02, www.kirche-bruehl.de

Sechs Passionsandachten in Kerpen – Impulse zum Innehalten und Nachdenken in der Fastenzeit

Kerpen (epk). Auf dem Weg durch die Passionszeit von Aschermittwoch bis zum Osterfest lädt die Evangelische Kirchengemeinde Kerpen zu sechs Passionsandachten in die Johanneskirche, Filzengraben 19, ein. Immer donnerstags, 19 Uhr, gibt es Impulse, die zum Innehalten und Nachdenken über den Leidensweg Jesu anregen sollen und damit den Blick auf wesentliche Dinge leiten können. Die Andachten finden von Donnerstag, 27. Februar, bis Donnerstag, 2. April, statt. Kontakt: www.evangelisch-in-kerpen.de

„Das Zeitliche segnen“ – Fastengruppe zum Thema „Sterben und Tod“ in Brühl

Brühl (epk). Mit dem Thema „Sterben und Tod“ beschäftigen sich die Teilnehmenden einer Fastengruppe in der Evangelischen Kirchengemeinde Brühl. An sechs Donnerstagabenden in der Passionszeit wird unter dem Motto „Das Zeitliche segnen“ über Leben und Tod aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Als Referenten sind unter anderem ein Bestatter und ein Diakon eingeladen. Die Treffen finden zwischen Donnerstag, 27. Februar, und Donnerstag, 2. April, jeweils 19.30 Uhr, in der Andreaskirche, Andreaskirchplatz 3, statt. Eine Teilnahme ist auch an einzelnen Abenden möglich. Zur besseren Planung wird um eine Anmeldung bis Donnerstag, 20. Februar, gebeten. Kontakt: Evangelische Kirchengemeinde Brühl, Telefon 02232/436 02, www.kirche-bruehl.de

Text: APK
Foto(s): Annika Bocks

Der Beitrag Fastengruppen und Passionsandachten – Übersicht erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

#denäxtjeneraeschen tanzt und feiert im Blue Shell

Bis in die frühen Morgenstunden feierte die junge Generation der U30jährigen ihre #denäxtjeneraeschen-Vorkarnevalsparty im Rahmen von „Loss mer singe“. Das Event wurde veranstaltet in Kooperation von dem Verein „Loss mer singe“, der „Evangelischen Jugend Köln und Umgebung“, der „ev-angel-isch gGmbH und dem „Bund der Deutschen Katholischen Jugend“ der Stadt Köln.

Zum ersten Mal im Kwatier Latäng

In diesem Jahr fand die Veranstaltung nach zwei Durchgängen in der Südstadt zum ersten Mal im kultigen „Blue Shell“ im Kwatier Latäng statt. Bereits Wochen vorher war die Megaparty komplett ausverkauft. 240 junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren waren ins Blue Shell gekommen, um mitzumachen, mitzufeiern, mitzusingen und über den besten Hit der Session abzustimmen. Anheizt durch das Moderationsteam und unterstützt durch junge Teammitglieder aller vier Veranstalter wurden die besten und neuesten Sessionstitel zusammen gesungen.

Überraschungen bei den „Loss mer singe“-Aktionen der jungen Generation

Manches ist bei den „Loss mer singe“-Aktionen der jungen Generation anders. Die #denäxtjeneraeschen-Partys sind einfach immer etwas Besonderes: „Die Leute sind voll bei der Sache und dazu gibt es noch jede Menge Überraschungen, die das Event auch für uns zu einem besonderen Abend machen“, sagte Leo vom Team „Loss mer singe“. In der Tat gab es an diesem Abend einige Überraschungen: Zum Beispiel wurde das Lied „Tommi“ von der Kölner Rockband AnnenMayKanntereit, das eigentlich kein Karnevalssong ist, besonders begeistert mitgesungen und vom jungen Publikum zum Sieger des Abends gekürt.

Weitere Überraschungen waren zwei Live-Auftritte von jungen Kölner Bands. So heizte nach der Halbzeitpause die Band „KING LOUI“ dem Publikum ein und am Ende feierten alle ausgelassen mit der Band „Planschemalöör“.

Neue Runde in 2021

„Das war ein toller Abend. Alle sind zufrieden, wir als Veranstalter, die Bands, die Gäste und auch die Location“, urteilte der glückliche Organisator Daniel Drewes von der „Evangelischen Jugend Köln und Umgebung.“ Alle waren sich einig: Eine Wiederholung soll es im nächsten Jahr auf jeden Fall geben.

Text: Daniel Drewes/APK
Foto(s): Yannic Kötter

Der Beitrag #denäxtjeneraeschen tanzt und feiert im Blue Shell erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger verurteilt rassistische Tat von Hanau

„Mit großem Entsetzen und Fassungslosigkeit haben wir heute Morgen von den Schüssen in Hanau gehört, bei denen insgesamt bislang elf Menschen gestorben sind“, sagte Pfarrer Bernhard Seiger, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region.

„Wir verurteilen diese unfassbare Tat, die nach ersten Informationen einen rassistischen Hintergrund hat, und sprechen den Angehörigen der Opfer unser tiefes Beileid aus. Jede Art von Gewalt gegen unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger in unserem Land dürfen wir nicht tolerieren. Wir rufen zu einem Verständnis füreinander und zu einem Miteinander in unserer Gesellschaft auf. Rassistischer Terror hat auch bei uns in Köln keinen Platz!“

Weiter sagte Stadtsuperintendent Bernhard Seiger: „Heute freuen sich viele Menschen in unserer Stadt auf den Start des Straßenkarnevals. Dieses Attentat überschattet unser Fest der Freude und der Gemeinschaft aller Menschen. Das Motto in diesem Jahr, „Et Hätz schleiht em Veedel“, bedeutet auch, dass wir hier in Köln in unseren Stadtteilen in Vielfalt zusammen leben. Lassen Sie uns in diesen Karnevalstagen trotz des bunten Treibens in Köln einen Moment der Stille haben und an die Opfer von Hanau denken und, wenn Sie mögen, für die Verletzten und die Angehörigen der Getöteten ein Gebet sprechen.“

Text: APK
Foto(s): APK

Der Beitrag Stadtsuperintendent Bernhard Seiger verurteilt rassistische Tat von Hanau erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Tauschen statt kaufen – Evangelische Jugend organisierte Kleidertauschparty

Kaufen wird in Zeiten zunehmenden Umweltbewusstseins immer mehr in Frage gestellt. Das gilt nicht nur für größere Anschaffungen wie für Autos oder Mobiltelefone, auch bei Kleidung gibt es durchaus Alternativen zum Neukauf. Der neueste Trend sind in diesem Sinne Kleidertauschpartys. In lockerer Runde wird sich getroffen, Kleidung, die nicht mehr gefällt oder nicht mehr passt, wird mitgebracht und im Gegenzug gibt es ein neues Outfit.

Premiere: Kleidertauschparty in der Gemeinde Ichthys in Widdersdorf

Sophie von der evangelischen Jugend kannte Kleidertauschpartys aus ihrem Bekanntenkreis. „Warum sollen wir das nicht mal hier in der Gemeinde machen?“, dachte sich die junge Frau und fand spontan einige Interessierte. Eine passende Location war schnell gefunden, das Gemeindehaus „Unter Gottes Gnaden“ eignete sich perfekt für eine solche Party. Eingeladen waren Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren.

Kleidertausch – gegen den Konsumwahn

Kleidung ist ein schnelllebiges Gut geworden, was vor allem den immer kürzeren modischen Zyklen geschuldet ist. So fristet knapp die Hälfte der Klamotten im Kleiderschrank ein unnützes Dasein, bis sie irgendwann bestenfalls in der Altkleidersammlung landen. Dafür muss natürlich Ersatz her, in der Regel werden neue und möglichst preisgünstige Klamotten gekauft. Die Industrie fördert dieses Verhalten: Kleidung wird immer billiger, der Umsatz geht nach oben mit der Folge, dass die Ausbeutung der Menschen in den Kleiderfabriken der Billiglohnländer steigt. Fest steht: Umwelt und Menschen profitieren nicht wirklich von diesem Trend. Da kommt die Alternative ins Spiel: Ein Kleidertausch verhilft zu neuen Sachen, schadet aber weder Mensch noch Umwelt. Außerdem entfällt der stressige Einkauf in der Innenstadt und ungeliebte Fehlkäufe finden neue Besitzer.

Spannung am Premierenabend

Die Kleidertausch-Idee überzeugte die Jugendlichen der Ichthys-Gemeinde, schnell wurde das Gemeindehaus gebucht und mit der Vorbereitung begonnen. „Die meiste Arbeit haben wir in Werbung gesteckt“, so Nöel Braun vom Orga-Team. Dazu wurden ein paar Snacks und Getränke besorgt, die Musikanalage angeworfen und die Party konnte steigen. Um das Ganze nicht ausufern zu lassen, wurden klare Regeln festgelegt: „Pro Person dürfen zwei Kleidungsstücke mitgebracht werden, jeder darf auch zwei davon wieder mit nach Hause nehmen. Die Sachen müssen in einwandfreiem Zustand sein.“ In der ersten Stunde wurden Kleidungsstücke abgegeben, gesichtet und vorsortiert. So präsentierten sich die unterschiedlichsten Klamotten und Accessoires auf den Tischen und warteten auf neue Besitzer. Dann folgte der Startschuss zum Tausch und schnell waren die ersten Sachen auch schon vergeben. Ausführlich wurde untereinander diskutiert, anprobiert – genauso, wie im richtigen Klamottengeschäft.

Aller Anfang ist schwer

Obwohl reichlich die Werbetrommel gerührt wurde, war das Interesse an der Kleidertauschparty zunächst nur verhalten. Im Laufe des Abends trudelten allerdings genug Leute ein, um die Party steigen zu lassen. Niemand musste seine Sachen wieder mit nach Hause nehmen, was nicht wegging, wurde gespendet. „Eigentlich passte alles, wir haben groß getauscht und wir hatten einen tollen Abend“, zieht Nöel Braun ein erstes Fazit. Für die Umwelt war es auf alle Fälle ein Gewinn. Ob und wann die nächste Kleidertauschparty in Widdersdorf stattfindet, steht allerdings noch in den Sternen. Infos dazu findet man auf der Website der Gemeinde unter https://evkirche-ichthys.de/.

Text: Dr. Klemens Surmann
Foto(s): Dr. Klemens Surmann

Der Beitrag Tauschen statt kaufen – Evangelische Jugend organisierte Kleidertauschparty erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Auf der Krempe steht ein Beffchen, als könne es nicht anders – Stadtsuperintendent begrüßt Dreigestirn im Haus der Evangelischen Kirche

Sollte irgendjemand Zweifel daran gehabt haben, dass der neue Stadtsuperintendent die schwierigste Herausforderung seines Amtes meistern würde, wurde er eines Besseren belehrt. Dr. Bernhard Seiger kann Karneval. Das konnte jeder und jede bei seinem ersten Empfang des Dreigestirns im Haus der Evangelischen Kirche schon an reinen Äußerlichkeiten feststellen.

Gipfel-Treffen

Das Kölner Dreigestirn 2020 mit Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger

Der Stadtsuperintendent im Schreiner-Outfit. „Ich komme aus einer Handwerkerfamilie. Mein Großvater war Schreiner.“ Und auf der Krempe seines zünftigen Hutes stand, als könne es nicht anders, ein leibhaftiges Beffchen. Dass der Höchste, den der kölsche Fasteleer zu bieten hat, also Prinz Christian II., den Höchsten, den der kölsche Protestantismus in seinen Reihen hat, also Stadtsuperintendent Seiger, durch die Bank als „de Jong“ ansprach, war keineswegs despektierlich sondern freundschaftlich gemeint.

In alten Zeiten wurden Würdenträger von den Jecken schon mal falsch herum auf Esel gebunden und durch die Stadt getrieben. So gesehen erging es „dem Jong“ inmitten des jecken Protestantenschmölzjes ausgesprochen gut.

 

 

„Et Hätz schleiht em Veedel”

In seiner Begrüßung von Prinz Christian II. (Christian Krath), Jungfrau Griet (Ralf Schumacher) und Bauer Frank (Frank Breuer) vom Reiter-Korps Jan von Werth lobte er das Motto der Session „Et Hätz schleiht em Veedel“: „Ich könnte mir kein besseres vorstellen. Wir haben ein Zuhause dort, wo man sich kennt. Und dort entscheidet sich, wie man miteinander umgeht. Und wir gehören zusammen, so unterschiedlich wir sind.“

„Lokal fühlen”

Dr. Seiger erinnerte an den Gottesdienst zur Sessionseröffnung im Dom. „Dort habe ich gesagt: Global und digital denken und wahrnehmen, aber lokal fühlen. Das heißt ,Et Hätz schleiht em Veedel‘. Die Nachbarschaft, die Menschen, die machen es, dass unser Herz sich wohlfühlt.“ Tusch, Alaaf, Beffchentorte. Letzte überreichte Dr. Seiger in guter alter Tradition an das Dreigestirn. Dann lud der Stadtsuperintendent das Dreigestirn zur Prot‘s-Sitzung in der kommenden Session ein. Dann wird wieder protestantisch-jeck in der Kartäuserkirche gefeiert.

Musikalisches Trifolium im Haus der Evangelischen Kirche

Prinz Christian II. feiert mit den Blauköpp

Das Trifolium in dieser Session ist musikalisch unterwegs. Der Prinz verzichtet auf große Reden und singt lieber mit den Jecken. Das Repertoire reicht von „En unserm Veedel“ bis zum „Stammbaum“. Der Evangelischen Stadtkirchenverband Köln und Region bedankt sich für den Besuch des Dreigestirn mit einer Spende für dessen Projekt, im übernächsten Rosenmontagszug einen Wagen für Menschen mit Handicap auf den Weg zu schicken. Nochmal Beifall der Versammelten.

Tusch, Alaaf: Abmarsch, Klatschmarsch, frohes Fest. Die Party im Haus der Evangelischen Kirche dauerte noch länger. Moderator und Pfarrer Hans Mörtter sowie Kantor Thomas Frerichs hatten den jecken Spontanchor bestens im Griff. Und: Dass die beiden Strohballen am Eingang als besonderes Zeichen der Wertschätzung des Reiterkorps Jan von Werth aufgestellt worden waren, erschloss sich dem verwunderten Laien erst auf Nachfrage. Aber nette Idee.

 

Der Empfang des Kölner Dreigestirns

Der Empfang des Kölner Dreigestirns 2020 im Haus der Evangelischen Kirche war live auf Facebook und kann hier angesehen werden:

Empfang des Kölner Dreigestirns im Haus der Evangelischen Kirche

Gepostet von Evangelischer Kirchenverband Köln und Region am Mittwoch, 5. Februar 2020

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann/APK

Der Beitrag Auf der Krempe steht ein Beffchen, als könne es nicht anders – Stadtsuperintendent begrüßt Dreigestirn im Haus der Evangelischen Kirche erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Halt geben, wenn er fehlt: Ehrenamt „Seelsorge“

Voll belegt sitzen 1.169 Inhaftierte hinter der 1,3 Kilometer langen Mauer der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf ein, 814 Männer und 318 Frauen unterschiedlichen Alters und Nationalitäten. Für rund 3 bis 4 Stunden pro Woche lässt sich Edith Simons (70) an der Pforte abholen, unterzieht sich einer Leibesvisitation und wird in einen kleinen Raum im zweiten Stock geführt. Getränke und Essen sind dort nicht erlaubt – aber Privatsphäre gibt es.
Magdalena Otto aus Erfstadt-Lechenich ist 67 Jahre alt und Stammgast im Altenheim ihrer Gemeinde. Momentan besucht sie vier der Menschen dort regelmäßig.
Edith Simons und Magdalena Otto sind zwei der ehrenamtlichen Seelsorgenden des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Sie haben an einer Fort- und Ausbildungsreihe in Kooperation mit der Kölner Melanchthon-Akademie teilgenommen und sich befähigen lassen, andere Menschen professionell seelsorglich zu begleiten. Obwohl sie keine Geistlichen sind.

Frau Otto, vor mehr als zehn Jahren haben Sie begonnen, Besuchsdienste für die Gemeinde zu machen, lange vor Ihrer Ausbildung zur Seelsorgerin. Das Talent, einfühlsam mit Menschen umzugehen, besaßen Sie als Lehrerin sicher auch schon. Hat sich überhaupt etwas für Sie verändert?

Das hat es. Ich tue, was ich sowieso tue, aber deutlich reflektierter und qualifizierter. Niemand kann leugnen das eigene Leben und die eigene Persönlichkeit in diese Aufgabe mitzubringen. Andere Menschen in ihren Emotionen anders wahr-und ernst zu nehmen verändert aber die Lebenshaltung. Aus den zwei Ausbildungsjahren geht man nicht heraus wie man hineingegangen ist. Ich zum Beispiel habe lernen müssen, personenorientiert statt lösungsorientiert an Begegnungen heranzugehen. Problematische Situationen wollte ich früher vor allem anpacken und verändern. Bei Besuchen im Heim habe ich versucht, durch eigene Erzählungen aufzumuntern oder auf andere Gedanken zu bringen. Heute nutze ich erlernte Gesprächstechniken, um ihn oder sie selbst ins Reden zu bringen. Von der eigenen Geschichte erzählen zu lassen, schöne Erinnerungen zu wecken. Das gibt ein bisschen Mut und Glücksmomente.

Wieso haben Sie sich entschlossen, Nächstenliebe „professionell“ zu leben?

Mit meinen Besuchen habe ich ursprünglich begonnen, als immer mehr ältere Nachbarinnen „plötzlich“ verschwanden – denen es wie den meisten aber überhaupt nicht leichtfiel, ins Altenheim zu ziehen. Mit ihnen dort Zeit zu verbringen statt einmal im Jahr zum Geburtstag vorbeizuschauen, war etwas ganz anderes. Ich merkte, wie wichtig es für sie ist, den Kontakt zu ihrem alten, normalen Leben nicht zu verlieren. Als ich dann von dem Ehrenamtsprojekt „Lebenswege begleiten“ las, war das einfach richtig für mich.

Die Verbindung in die Gemeinde, besonders die Geistlichen, spielen da auch eine große Rolle. Wir selbst können uns Unterstützung holen, wenn uns etwas umtreibt, wir bekommen Supervision und werden tatsächlich „befähigt“. Wirklich oft höre ich auf die Frage „Möchten Sie, dass wir zusammen beten?“ – „Ja, gerne!“ Es ist aber sicher nicht jeder dafür geeignet – die vorgesehene Vorauswahl ist schon sinnvoll. Und auch nach dem Basiskurs scheiden noch einige aus, die das alles nicht vertiefen möchten oder können.

Gefängnisseelsorge ist ein sehr spezieller Bereich, Frau Simons. Was hat Sie bewegt, sich gerade dafür zu entscheiden?

Ich hatte selbst ein erlebnisreiches Leben, habe Täler und Höhen durchlaufen. Solche Knicke im Leben sind wichtig! Meine Geschichte ist zwar eine ganz andere, aber gegenüber Menschen, die „außer der Reihe laufen“ habe ich keine Berührungsängste. Das Thema „Knast“ ist ebenso wie Sterben mehr oder weniger ausgelagert aus unserer Gesellschaft – was es für die Menschen hinter Gittern noch schwieriger macht, sich in sie einzupassen. Besuch von „draußen“ ist ganz wichtig für die Menschen „drinnen“. Ein Gefängnis ist alles andere als ein Sanatorium. Ich war Buchhalterin, habe später fünf Jahre lang eine Seniorengruppe geleitet… aber als ich mich gefragt habe „Was IST denn Gutes, das ich tun könnte?“, habe ich hier das Passende für mich gefunden. Gefängnisseelsorge hat mich herausgefordert. Diese Arbeit ist nicht für jeden gemacht und nicht jeder für diese Arbeit. Aber ich bin hier an der richtigen Stelle.

Im Kölner „Klingelpütz“ sind mehr als 30 verschiedene Nationalitäten unter einem Dach, von Konfessionen oder Menschen ohne religiösen Bezug ganz abgesehen. Auch wenn Sie nicht Pfarrerin sind, kommen Sie aber ausdrücklich als ehrenamtliche Seelsorgerin der Evangelischen Kirche…

Ja, und ich unterliege ebenso der Schweigepflicht wie sie. Der Wunsch nach einem vertraulichen Gespräch ist unabhängig von den persönlichen Wurzeln groß. Ein Antrag auf Seelsorge wird jedenfalls von den Gefangenen selbst gestellt, wir schauen dann, ob die Chemie zwischen uns stimmt. Ich bin auch in einem Alter, wo viele so etwas wie eine Großmutter oder Mutter in mir sehen. Alles, was gesagt wird, darf in diesen vier Wänden bleiben, ich bin danach nicht auskunftspflichtig. Dabei sind es meist gar nicht die großen Dinge, die auf der Seele brennen. Im Einzelgespräch sind die Menschen anders als im Gefängnisalltag. Es geht darum, auch mal zusammenfallen zu dürfen und gehalten zu werden. Ich habe wenig Berührungsängste. Vor kurzem saß während des Gottesdienstes eine Frau in der Kirche, die ganz fürchterlich schluchzte. Sie hat meine Sprache gar nicht gesprochen, aber manchmal kann man einfach besser weinen, wenn einem jemand die Hand hält.

Was nehmen Sie Positives für sich aus Ihrem Seelsorge-Ehrenamt mit? Gibt es auch etwas, womit Sie schwer umgehen können, Frau Otto?

Ich erfahre viel Vertrauen. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Ich gehe aus keinem Zimmer raus und hinterlasse jemanden totunglücklich. Ein nur punktueller Kontakt wäre schwierig für mich, deshalb habe ich mich auch gegen Telefonseelsorge entschieden. Ich baue bei meiner Arbeit Bindungen auf, rechne aber natürlich mit dem Sterben. Auszuhalten, wenn mir mal jemand menschlich und charakterlich ganz fremd ist: Das fällt mir manchmal schwer.

Geht Ihnen das ähnlich, Frau Simons?

Im Gefängnis ist alles auf das Wesentliche reduziert. Es gibt keine freundliche Tischdecke oder eine Tasse Kaffee, um eine positive Atmosphäre zu schaffen. Ich bringe nur mich zu den Gesprächen mit – das alles verändert sicher auch das eigene Empfinden. Es war schon wichtig, dass ich durch die Ausbildung und Supervision gelernt habe, meine eigenen Grenzen zu wahren und auch mal „Nein!“ zu sagen. Ich habe gelernt, aufmerksam zu sein und Dinge dort zu lassen, sie nicht mit heim zu nehmen. Und manchmal ertränke ich das Gehörte danach auch in Kaffee und Kuchen, ja. Das ist aber alles nicht negativ gemeint, falls das so klingen sollte. Ich erlebe auch ganz schöne und rührende Dinge und bekomme viel Wertschätzung entgegengebracht. An Matthäus 25, Vers 36 denke ich oft: „Ich war im Gefängnis und ihr kamt zu mir.“ Diese Menschen in der JVA haben in meinen Augen kaum eine Chance auf echte Rehabilitation. Sie sind „außen vor“. Für sie da zu sein, solange sie dort in Haft sind, halte ich für ganz wichtig. Danach ist das nicht mehr meine Aufgabe. Und jeder sollte seine Gaben nutzen!

____________

Informationen zu „Lebenswege begleiten – Ausbildung in Seelsorge für Ehrenamtliche“:

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller

Der Beitrag Halt geben, wenn er fehlt: Ehrenamt „Seelsorge“ erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.