Corona-Krise und christliches Leben – Statement von Pfarrer Bernhard Seiger, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region zur aktuellen Lage

Die letzten Wochen und Tage unter dem Eindruck der Corona-Epidemie beschäftigen jeden von uns. Alltägliche Abläufe sind von jetzt auf gleich verändert, die Nachrichten und die politische Entscheidungslage ändern sich in rasantem Tempo. Die Begrenzung der Ausbreitung des Coronavirus und der Schutz von Menschenleben, insbesondere von alten und vorerkrankten Menschen hat Vorrang vor allen anderen berechtigten Anliegen und Wünschen. Fragen stellen sich, mit denen man sich nie zuvor befassen musste. Es stellen sich zahlreiche Fragen zu gesundheitlichen, politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Themen, und das jeden Tag in neuen Konstellationen. Das Arbeitsleben, das wirtschaftliche Leben und die Freizeitgestaltung ändern sich so deutlich, wie sich das vor Wochen kaum jemand hätte vorstellen. Das kirchliche Leben hat sich ebenfalls stark verändert und stellt uns vor Herausforderungen und Chancen Wir lernen ständig dazu und bewerten Informationen immer wieder neu.

Unterstützung für behördliche Entscheidungen

Wir unterstützen als Kirchen die Maßnahmen der Regierung und der staatlichen Behörden zum Schutz der Bevölkerung und ermutigen zum verantwortlichen Handeln jedes Einzelnen.

Für das gemeindliche Leben ergeben sich aus dieser Lage tiefgreifende Einschnitte, da sich das öffentliche und soziale Leben deutlich und spürbar verändert. Diese Einschnitte sind notwendig – zugleich fordern sie uns heraus, neu zu überlegen, wie Christen ihr Gemeinschaftsleben neu organisieren und welche Chancen in den vielfältigen digitalen und anderen medialen Möglichkeiten bestehen.

Wie geht gemeindliches Leben jetzt weiter?

Öffentliche Gottesdienste mit Live-Begegnung werden nun aus Fürsorgegründen nicht mehr gehalten. Wir werden sehen, wie lange das geht. Es werden nicht nur Veranstaltungen und Freizeiten abgesagt und kirchliche Kindertagesstätten geschlossen, sondern die Gemeinden sind auf dem Weg, kreative Möglichkeiten zu entwickeln, die einem Orientierung und Impulse und Halt geben können.

Zu nennen sind:
  • Live-Übertragungen von lokalen Gottesdiensten auf Gemeinde-Homepages und in sozialen Netzwerken
  • Gottesdienste im Radio und im Fernsehen. Die Seite rundfunk.evangelisch.de führt vielfältige Möglichkeiten auf.
  • „Gottesdienste to go“, das heißt, vor Kirchen werden Predigten und Gebete zum Mitnehmen auf Wäscheleinen gehängt.
  • Geöffnete Kirchen. Solange es noch erlaubt ist und verantwortlich mit dem erforderlichen Abstand umgegangen wird, werden verschiedene Kirchen für Einzelbesucher zum persönlichen Innehalten und zum Gebet offen gehalten.
  • Seniorinnen und Senioren, die nicht digital affin sind, nützen die neuen Angebote meistens wenig. Hier helfen Telefonketten, die in Gemeinden organisiert werden, so dass man die Einsamkeit durch den direkten und regelmäßigen Kontakt etwas mildert.
  • Gemeinden organisieren ehrenamtliche Bringdienste, um Versorgung von Menschen zu unterstützen, die das Haus zur Zeit nicht verlassen sollten.
  • Viele weitere Ideen und Experimente und Initiativen werden in den nächsten Wochen entstehen.
  • Unserer Telefonseelsorge ist rund um die Uhr besetzt und kann über die kostenlose Rufnummer 0800 111 0 111 angerufen werden.

Zuversicht und Verbundenheit

Es zeigt sich in diesen Wochen, wieviel vom Geist der Zuversicht und der Nächstenliebe in unseren Gemeinden und in der Nachbarschaft lebendig ist und Menschen gut tut, gerade denen, die eher am Rande und stiller leben. Manche trifft die Krise auch seelisch und wirtschaftlich viel härter, als man sich vorstellen kann. Das Motto dieser Karnevalssession hieß: „Et Hätz schleiht em Veedel“. Wir haben damals noch nicht geahnt, wie aktuell und lebensnotwendig dieses Motto für uns alle ist! Ich vertraue sehr auf den Zusammenhalt, die Rücksichtnahme, die soziale Initiative und die Kreativität von ganz vielen.

Glockenläuten und Gemeinschaft

Ich habe in diesen Tagen an einen Bericht von vor etwa hundert Jahren gedacht, der von einem tief verschneiten Tal in den Alpen erzählt. In der Weihnachtszeit war das Tal durch die Schneemassen so von der Außenwelt abgeschnitten, dass keine Wege mehr gegangen werden konnten, niemand von den ferneren Höfen im Tal konnte mehr zu den Gottesdiensten in der Kirche des Hauptdorfes kommen. Aber die Glocken riefen zum Gebet. Und jeder, auch Kilometer entfernt, hörte den Klang in der ruhigen Zeit und wusste: Jetzt singen und beten einige andere im Dorf und denken an uns. Und sie haben das dann zuhause auch getan. Eine Brücke zwischen Menschen, die zusammen gehören und als Christinnen und Christen verbunden miteinander waren. Die Glocken waren die Brücke. Es waren intensive Weihnachtstage, die über Generationen in Erinnerung geblieben sind.

Was wäre, wenn wir genauso leben?

Nun leben wir nicht in einem abgeschiedenen Tiroler Tal, sondern in städtischem Umfeld, aber sonst ist vieles in diesen ruhigeren Krisentagen gleich. Jede unserer Kirchen läutet das Tagesläuten und sie lädt zur üblichen Gottesdienstzeit am Samstag oder Sonntag zum Gebet und zum Gottesdienst ein. Was wäre, wenn wir das Läuten der Kirche „im Veedel“ oder „im Dorf“ wieder bewusster als Einladung zum Innehalten nutzen?

Zutaten zum Hausgottesdienst

Was wäre, wenn wir in den Gemeinden das übliche Gottesdienstläuten selbstverständlich beibehalten und einladen, eben auch um 10 Uhr oder 11 Uhr oder wann auch immer es üblich ist, innehalten und einen kleinen Hausgottesdienst feiern? Mit Lied, Psalm, Gebet, Bibel-Lesung, einem kurzen Impuls zur Auslegung von denen, die sonst vor Ort verkündigen, Lied, Fürbitte, Vaterunser, Bitte um den Segen?

Man ist dann zuhause an einem sicheren Ort allein oder zu zweit oder als Familie oder im kleinen Freundeskreis, aber weiß: Jetzt singen und beten einige andere in der Nachbarschaft und denken auch an mich. Und dann feiern sie zuhause mit denselben Schätzen mit. Eine Brücke zwischen Menschen, die zusammen gehören und als Christen miteinander verbunden sind. Die Zutatenliste kann an einer Wäscheleine vor der Kirche hängen oder auf der Homepage verfügbar sein oder per Mail versandt werden oder in Briefkästen geworfen werden.

Ich kann mir in diesen überraschenden und bewegten Tagen viel denken und vorstellen, aber vor allem die Bewährung der Haltung der ersten Christen: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7).

Text: Bernhard Seiger
Foto(s): Bernhard Seiger

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Video-Gottesdienste: „Einfach mal trauen – oder Not macht erfinderisch“

Viele Kirchen sind am vergangenen Wochenende wegen des Coronavirus geschlossen geblieben. Auf Gottesdienste mussten Gemeindemitglieder dennoch nicht überall verzichten. Ein Beispiel aus der Evangelischen Brückenschlag-Gemeinde Köln-Flittard/Stammheim zeigt, wie Video-Gottesdienste aussehen können.

Es war der letzte Gottesdienst von Vikarin Jennifer Scheier in der Gemeinde, und eigentlich wäre dieser Gottesdienst dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Denn die Vikarin wechselt von der Gemeinde in Köln-Flittard/Stammheim nach Bergisch Gladbach, wo sie als Pfarrerin im Probedienst arbeiten wird. Dass dieser Gottesdienst im Internet stattfinden konnte, hat Pfarrer Thomas Fresia organisiert. Mit einem iPad und einem iPhone streamte er Liturgie, Lieder und Predigt auf Facebook. Mehr als 260 Mal ist das Video inzwischen aufgerufen worden, am Sonntagmittag waren es rund 120.

Wie in Köln-Flittard/Stammheim fällt die Entscheidung zum Live-Stream eines Videogottesdienstes in der jetzigen Zeit oft spontan. Dabei geht eine Übertragung schon mit einem Smartphone, das mit dem Internet verbunden ist und auf dem zum Beispiel ein Nutzer auf Facebook angemeldet ist. Auch in der Pressestelle des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region fragten einige Gemeinden nach und ließen sich beraten. So wird es am kommenden Wochenende voraussichtlich noch mehr Online-Gottesdienste aus Köln und Region geben. Auf der Internetseite www.kirche-koeln.de wird die Online-Redaktion Ende der Woche einen Überblick geben, wo Gottesdienste in unserer Region übertragen werden.

Text: ekir/APK
Foto(s): APK

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Gemeinden im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region sagen Gottesdienste, Konzerte und Veranstaltungen ab

Die evangelischen Gottesdienste im Kölner Bereich des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region werden zunächst und ab sofort eingestellt. Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region folgt damit der Aufforderung der Stadt Köln, bis einschließlich Karfreitag, 10. April 2020, keine Gottesdienste zu feiern. Der Rhein-Erft-Kreis warnt vor Veranstaltungen auch mit weniger als 1.000 Teilnehmenden. Die Gemeinden entscheiden in ihrer Verantwortung nach Risikoabwägung über die Absagen von Gottesdiensten in diesem Gebiet. „Dies ist ein großer Einschnitt in das kirchliche Leben“, sagte Stadtsuperintendent Bernhard Seiger. „Doch die Gesundheit der Bevölkerung hat oberste Priorität. Der Glaube gibt auch zuhause Kraft und Trost.“ Auch alle Konzerte und Veranstaltungen in den Gemeinden fallen aus.

Die Evangelische Kirche im Rheinland empfiehlt den Gemeinden auch die Kirchen nicht mehr zu öffnen. „Angesichts von Ausgangssperren und Einlassbeschränkungen zu Geschäften, wie es sie anderenorts bereits gibt, scheint es uns sinnvoll, Kirchengebäude für den Publikumsverkehr zu schließen, um Infektionsmöglichkeiten weiter zu minimieren. Dies empfehlen wir den Kirchengemeinden ausdrücklich“, heißt es in den Hinweisen des Landeskirchenamtes an die Gemeinden und Kirchenkreise. Gottesdienste und Sendungen mit geistlichem Zuspruch werden in Radio, TV und Internet von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sowie Privatsendern angeboten. Weitere Informationen zu Angeboten der EKD finden Sie hier.

Menschen, die gerne mit einer Pfarrerin oder einem Pfarrer sprechen möchten, können sich telefonisch an ihre Gemeinde wenden. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Evangelischen Telefonseelsorge stehen unter der kostenlosen Rufnummer 08001110111 rund um die Uhr zu Gesprächen bereit.

Text: APK
Foto(s): APK

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Neuer Termin für Nachschulungen von Presbyterinnen und Presbytern

Die geplanten Nachschulungen der Ev. Beratungsstelle für Presbyterinnen und Presbyter am 24. März wurden abgesagt und verschoben. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen und des generellen Veranstaltungsverbotes der Stadt Köln, findet die Schulung erst im Juni statt.

Neuer Termin im Juni

Die Schulungen für Presybterinnen und Presbyter finden
am 22. Juni 2020
im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region,
Haus der Evangelischen Kirche,
Peter-von-Fliesteden-Raum statt.
Wir danken für Ihr Verständnis!
Weitere Informationen über die Arbeit der Ev. Beratungsstelle finden Sie auf:

Text: Ev. Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Foto(s): fotografie-schulzki.de

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Seid sehr wachsam – Liane Bednarz und Arnd Henze über rechtes Gedankengut in der Kirche

Die Publizistin und Juristin Liane Bednarz warnt in ihrem Buch „Die Angstprediger“ davor, dass rechte Bewegungen sich als „konservativ“ darstellen, aber unter diesem Deckmantel rechte, rechtsextreme bis hin zu rechtsradikale Positionen verbreiten und damit auch bei Christen ankommen. Sie wirbt daher für eine klare Unterscheidung zwischen Christen, die konservativ orientiert sind und „Christen mit Rechtsdrall“. Arnd Henze, Journalist und Autor des Buches „Kann Kirche Demokratie?“, hat sich ebenfalls intensiv mit dem Thema beschäftigt. Die beiden Referenten waren auf Einladung der Melanchthon-Akademie in diese gekommen, um über das Thema zu sprechen, zu diskutieren und auch zu debattieren.

Der Begriff Konservativ

Wer sich mit den „Angstpredigern“ auseinandersetzt, wird mit Dingen konfrontiert, die fast täglich geschehen und die doch oft als weit entfernt wahrgenommen werden. Die Regierungskrise in Thüringen, die Amtsniederlegung von Landesbischof Carsten Rentzig, die Ideen von Götz Kubitschek – welche Zusammenhänge stecken hinter diesen Geschehnissen? Um sich dieser Frage zu nähern, erläuterte Bednarz den Begriff „Konservativ“ und auch, warum rechtes Denken keinesfalls mit konservativem Denken gleichzusetzen ist. So versteht man als konservativ zwar einen Habitus, der das Neue mit Skepsis betrachtet. Aber wer konservativ eingestellt ist, pflegt die Erinnerungskultur und blendet beispielsweise den Krieg nicht aus.

Anfällig für rechtes Denken

Das rechte Denken, so erläuterte die Referentin, basiert auf Antipluralismus, Antiliberalismus und Ethnopluralismus. „Dabei verstehen sich ein Großteil der neuen Rechten als Christen“, betonte sie. Die Verächtlichmachung des politischen Gegners, eine Diktatursprache, abwertende Begriffe etablierter Medien, all dies gehört zu einer beängstigenden Entwicklung. Da ist die Rede von der Merkeldiktatur, von der Lügenpresse, von Volksverrätern. Bednarz zeigte viele Einblicke in ihre Rechercheergebnisse und berichtete auch von ganz persönlichen Momenten. Sie zitierte mit Blick auf die AfD aus einem Gutachten des Bundesamts für Verfassungsschutz und zeigte Filmausschnitte, sie erläuterte dabei auch sehr detailliert, warum konservative Christen anfällig sind für rechtes Denken. Denn rechte Christen sind seit Jahren auf dem Vormarsch, das zeigen zahlreiche Studien und zahlreiche tagesaktuelle Geschehnissen. Sie haben ein klares Feindbild, sie wollen das christliche Abendland schützen. Sie kämpfen gegen die angebliche Islamisierung, gegen Zuwanderung und Migration. Ihre Themen richten sich gegen die „Ehe für alle“, Homosexualität, Gender Mainstreaming, Gleichberechtigung und Abtreibung.

BU v.l. Arndt Henze, Liane Bednarz und Dr. Martin Bock

Liane Bednarz schilderte eindringlich die Seite der „Anbieter“ dieser Theorien, Arnd Henze hatte sich ausführlich vor allem auch mit der Seite, die dafür anfällig ist, beschäftigt. „Ich appelliere an uns, dass wir die blinden Flecken in uns herausholen, damit wir Antworten finden. Denn wir haben ganz große Erinnerungslücken“, so Henze. Er warnte nach dem Vortrag von Bednarz sehr eindringlich davor, dass soeben gesehene und gehörte als „Freakshow“ abzutun und wegzuschieben als „das sind ja die anderen“. Auch er hatte für sein Buch viele Studien angepackt und viele Erfahrungen gesammelt: „Mehr als 70 Prozent der regelmäßigen Gottesdienstbesucher sind der Meinung, man könne nur „richtiger“ Deutscher sein, wenn man deutsche Vorfahren hat und hier geboren ist“, betonte er. Tief im Unterbewußtsein sei eine Denkweise verwurzelt, die das deutsche Volk für überlegen erachte, führte er aus. Entweder werde Kirche ein Lernort für den Wandel oder „sie bleibt ein Rückzugsort für die, die mal endlich einfach deutsch sein wollen“, spitzte er eine Forderung zu. Es reiche nicht, die Realität zu schildern, man müsse sich der Herausforderung stellen. Mit dem Buch von Thilo Sarrazin, welches in 2010 bis 2012 über 1,5 Millionen mal verkauft worden ist, habe sich die Grenze des „Sagbaren“ verschoben. Die Zielgruppe des Bildungsbürgertums wurde erreicht und das Thema sei mitten in der Gesellschaft angekommen.

Auch Bednarz ergänzte: „Empörung bringt nichts, wir müssen Verantwortung in mühevoller Kleinarbeit übernehmen“. Viele Mechanismen ähnelten Sekten, führte sie weiter aus. Draußen die Welt sei böse, im eigenen Kreis sei alles in Ordnung. Die Betroffenen bewegten sich nur noch in eigenen Umfeldern, „und man bekommt diese Menschen nur aus dem herausgelöst, wenn man ganz viel mit ihnen spricht“, so die Autorin. Es sei eine Aufgabe, die auch auf pastoraler Ebene anstehe – auch wenn dies anstrengend und schwierig sei.

Dr. Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, hatte zu Beginn des Abends die Frage aufgeworfen, warum es so wenig schwer geworden sei, rechtes Gedankengut in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Dieser Abend gab viele konkrete Antworten auf diese Frage, ganz ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Bock hatte auch gesagt, dass „wir es unseren Mitbürgern, auch den jüdischen und muslimischen, schuldig sind, laut zu werden“ und auch dies zeigte der bewegende Diskussionsabend deutlich. Deutlich wurde dabei auch, wie wichtig es ist, „als Kirche sprechfähig zu werden“ (Henze). Inhaltlich und rhetorisch gekonnte Antworten sind gefragter denn je.

www.melanchthon-akademie.de

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Text: Judith Tausendfreund
Foto(s): Judith Tausendfreund

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Evangelische Bildungseinrichtungen in Köln lassen Veranstaltungen pausieren

Die Bildungseinrichtungen im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region lassen bis auf weiteres ihre Bildungsangebote pausieren. Dies betrifft die Angebote der Melanchthon-Akademie, der Evangelischen Familienbildungsstätte, des Evangelischen Jugendpfarramtes, des Schulreferates und des Pfarramtes für Berufskollegs.

Das Sekretariat der Melanchthon-Akademie ist wie gewohnt ab dem 16.3. unter der Telefonnummer 0221-931803-0 oder per Mail anmelanmeldung@melanchthon-akademie.de zu erreichen. Aktuelle Informationen aus der Akademie finden Sie auf der Internetseite www.melanchthon-akademie.de .

Die Internetseiten der Evangelischen Familienbildungsstätte, des Schulreferates und des Pfarramtes für Berufskollegs und des Jugendpfarramtes werden in kürze aktualisiert und dann auch über den jeweiligen Stand der Angebote informieren.

Text: APK
Foto(s): APK

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Clarenbachwerk – in Würde alt werden

Wie kann man auf einer Baustelle alt werden? Ist das nicht unerträglich? – Die Antwort ist einfach – es geht und es ist nicht unerträglich. Der Beweis hierfür ist das Clarenbachwerk in Köln-Braunsfeld. Mehr als 600 alte und betreuungsbedürftige Menschen leben in dieser diakonischen Einrichtung. Und die Verantwortlichen dieses Werkes haben in den vergangenen Jahren Großartiges geleistet. Manuela Duchon und Hans-Peter Nebelin leiten das Clarenbachwerk und freuten sich besonders über den Besuch von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, der sich auf den Weg in den Kölner Norden gemacht hatte.

Jeder Bewohner und jede Bewohnerin werde als Persönlichkeit mit individuellem Lebensweg und mit eigenem kulturellem und religiösem Hintergrund verstanden und respektiert, erläuterten die beiden Geschäftsführer das Leitbild der Einrichtung. Für sie gehören Krankheit, Alter und Behinderungen zu den integralen Bestandteilen des Lebens. Doch sie gehen als christliche Einrichtung noch einen Schritt weiter. Auch Menschen aus anderen Religionen wie Muslime oder Buddhisten sind im Clarenbachwerk willkommen. „Es ist wichtig in der Mitarbeiterschaft, dass hier in diesem diakonischen Werk auch die Nationen- Vielfalt breit ist. Hier arbeiten Menschen aus 38 Nationen. Es ist gut zu sehen, dass dies von der Leitung des Clarenbachwerkes so gefördert wird“, sagte Bernhard Seiger nach seinem Besuch.

Hinter der Geschäftsleitung des Clarenbachwerkes steht ein Verein, der diese diakonische Arbeit trägt. Stadtsuperintendent i. R. Ernst Fey ist Vorstandsvorsitzender dieses Trägers. Auch im Ruhestand nimmt der pensionierte Pfarrer so noch Leitungsverantwortung für diakonische Arbeit wahr. Seit den 50er Jahren gibt es das Clarenbachwerk und so sind inzwischen viele der Gebäude in die Jahre gekommen und würden heute nicht mehr den aktuellen Pflegestandards entsprechen. Daher begleitet Fey in den letzten Jahren auch intensiv die Neubau- und Umbaumaßnahmen. Insgesamt mehr als 40 Millionen Euro hat das Werk investiert, um die diakonische Arbeit an diesem Ort gut für die Zukunft aufzustellen.

Die Baumaßnahmen laufen parallel zum normalen Pflegealltag hier im Clarenbachwerk. Da befindet sich zum Beispiel in einem Haus im Eingangsbereich eine Wand, die vorher noch nicht da war. Vorne ist alles sauber und aufgeräumt, dahinter werkeln die Handwerker, reißen ab, bauen neu oder renovieren. Die Professionalität in der Planung, Umsetzung und Fertigstellung im laufenden Betrieb sind schon faszinierend. Natürlich sind das Belastungen, räumt Hans-Peter Nebelin ein und Manuela Duchon ergänzt, dass dies aber bislang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern fast immer reibungslos geklappt hat. Denn nach dem Umbau ziehen diese dann in die schönen und neu gestalteten Wohnungen und Zimmer.

Und auch die Belegschaft des Clarenbachwerkes trägt die Umbauarbeiten mit Fassung mit. Auf der einen Seite freuen sich die Mitarbeitenden natürlich, wenn endlich die Bauwagen weg sind und sie wieder an einer Stelle parken können, erklärt Nebelin. Die beiden Geschäftsführer sind stolz darauf, dass sie trotz der vielen Um- und Neubauten wenig Wechsel in der Belegschaft haben. Manche Angestellte haben sogar schon in der Pflegeschule des Clarenbachwerkes ihre Ausbildung gemacht und sind dann hier geblieben. „Die Menschen, die hier ausgebildet werden, bleiben oft hier, weil es hier viele Arbeitsmöglichkeiten gibt und schon Bindungen zu den Einrichtungen und Stationen entstanden sind“, fasst Stadtsuperintendent Seiger diese Strategie zusammen, die gerade in Zeiten von Personalmangel im Pflegebereich einen eigenen Lösungsansatz beschreibt.

Und so zieht Bernhard Seiger eine positive Bilanz nach seinem Besuch im Clarenbachwerk: „Es ist schön zu sehen, dass die Menschen hier die Erfahrung machen, dass sie willkommen sind, dass sie gut betreut werden, dass sie so leben können, wie es in ihrem Lebensalter mit ihren Möglichkeiten möglich ist. Das Werk unterstützt das mit allen Kräften. Wie gut, dass hier Diakonie praktisch vor Ort gelebt wird.“

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Den ganzen Beitrag zum Nachlesen:

Kirche und Diakonie haben einen gemeinsamen Auftrag: Die Diakonie ist tätig in der Nachfolge Jesu im Dienst am Nächsten. 

Das war auch ein wichtiges Thema der Landessynode 2020 in der Rheinischen Landeskirche – die enge Verbindung von Kirche und Diakonie und den gemeinsamen Auftrag herauszustellen.

Wie konkret diakonische Arbeit aussieht, das ist von Ort zu Ort und von Aufgabe zu Aufgabe unterschiedlich. Ich bin hier im Clarenbachwerk in Köln-Müngersdorf, einer großen diakonischen Einrichtung, die sich um Menschen im Seniorenalter kümmert. Etwa 600 Menschen wohnen hier, werden hier begleitet und betreut.

Hier bin ich im Heinrich-Püschel-Haus. Menschen, die alt geworden sind, brauchen verschiedene Formen von Betreuung.

Zunächst genügt es oft, wenn man sich in einem eigenen Wohnumfeld befinden kann und Unterstützung bekommt durch ambulante Betreuung. Später kann es erforderlich sein, Pflegebereitschaft zu bekommen. Dieses wird hier im Haus angeboten.

Die Menschen, die hier wohnen, die brauchen Räumlichkeiten, die für sie leicht zugänglich und barrierefrei sind.

Und weil sich die Anforderungen auch an das Leben im Alter immer weiter verändern, wird hier in der Region und hier im Clarenbachwerk viel neu gebaut, so dass ansprechende moderne

Räumlichkeiten entstehen. Eine weitere Besonderheit des Clarenbachwerks ist es, dass hier eine Pflegeschule für Pflegekräfte betrieben wird.

Es sind 90 Mitarbeitende, die hier ausgebildet werden, um eben den vielen Anforderungen, die es im Pflegebereich gibt, entsprechen zu können.

Die Menschen, die hier ausgebildet werden, bleiben oft hier im Werk, weil hier viele Arbeitsmöglichkeiten bestehen und Bindungen schon entstanden sind zu den Einrichtungen, zu den Stationen.

Es ist wichtig in der Mitarbeiterschaft hier im Werk, dass die Nationenvielfalt breit ist. Es arbeiten hier Menschen aus 38 Nationen, das wird gefördert von der Betriebsführung. So sind auch Menschen des christlichen, muslimischen und anderen Glaubens in dieser Einrichtung tätig.

Wichtig ist, dass die Menschen, die hier wohnen und leben, die Erfahrung machen, dass sie willkommen sind, dass sie gut betreut werden, dass sie so selbstständig leben können wie es in ihrem Lebensalter mit ihren Möglichkeiten möglich ist. Das Werk unterstützt das nach allen Kräften. Wie gut, dass hier die Diakonie praktisch vor Ort gelebt wird.

Text: APK
Foto(s): APK

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Kirchenkreis Köln-Nord spendet für Mahnmal – Eröffnung des „Gedenkorts Deportationslager Köln-Müngersdorf 1941-1945“ am 15. März

Zwei Schwerlastkräne blockierten den Walter-Binder-Weg mitten im Äußeren Grüngürtel. Die waren auch zwingend nötig. Galt es doch, 20 Tonnen Cortenstahl in die Höhe zu hieven und kurze Zeit später zentimetergenau abzusenken.

Mahnmal

Gleich vorweg: Das durchaus ambitionierte Vorhaben gelang meisterhaft. Vier Meter hoch und 19 Meter lang ist die Skulptur, die am zukünftigen „Gedenkort Deportationslager Köln-Müngersdorf 1941-1945“ am Walter-Binder-Weg stehen wird. Gedacht wird der 5000 Inhaftierten, die das Nazi-Regime in dem Müngersdorfer Fort untergebracht hat. Der international bekannte Künstler Simon Ungers hat die Skulptur erschaffen. Ungers starb 2006. Seine Schwester Sophia verwaltet seinen Nachlass. Die übereinander geschweißten Doppel-T-Träger formen eine große Wand mit mehreren Öffnungen. Das Kunstwerk steht zum einen stellvertretend für die Wände des Forts. Es symbolisiert aber auch die Eisenbahnschienen, auf denen das Regime Juden deportierte.

Spenden

„Wir freuen uns, dass wir dank Spenden von rund 132.000 Euro aus unserer Stadtgesellschaft und der Schenkung des künstlerischen Entwurfs von Sophia Ungers nun in der Lage sind, mit der zugesagten öffentlichen Förderung hier einen würdevollen Gedenkort zu schaffen“ sagte Hildegard Jahn-Schnelle, Vorsitzende des Bürgervereins Müngersdorf. Ihr besonderer Dank galt den Großspendern, darunter der Bank-Verlag, die Bethe-Stiftung, der Evangelische Kirchenkreis Köln-Nord, Nachlass Simon Ungers, Rewe-Zentralfinanz, Sparkasse KölnBonn, Stiftungszentrum Erzbistum Köln, Friedrich Wassermann GmbH und die WvM Immobilien- und Projektentwicklung GmbH. Die Stadt Köln unterstützt den Gedenkort mit 150.000 Euro, das Land Nordrhein-Westfalen mit 70.000 und die Bezirksvertretung Lindenthal mit 5.000 Euro. „Ein solcher Gedenkort ist einfach wichtig. Gerade in diesen Zeiten“ erklärte Pfarrer Markus Zimmermann, Superintendent des Kirchenkreises Köln-Nord, stellvertretend für alle Spender.

Weg des Gedenkens

Sophia Ungers und der Müngersdorfer Designer und Künstler Bernd Grimm planen einen sogenannten „Weg des Gedenkens“. Der soll im öffentlichen Raum auf die historischen Stätten des Deportationslagers hinweisen. Der Weg aus roten Ziegelsteinen, die an das längst abgerissene Fort erinnern, wird eine rote Linie ziehen zwischen dem Barackenlager und dem Fort V. Am Anfang, am Ende und an der Abbiegung zum ehemaligen Barackenlager werden rechteckige Quader mit eingelegten Edelstahlplatten stehen, auf denen über die Geschichte der Örtlichkeit informiert wird. Mittels eines QR-Codes gelangt man auf die Internetseite des Kölner NS-Dokumentationszentrums. Dort findet man Texte zum Deportationslager im Kölner Westen.

Fort V

Das Fort V stammte aus den 1870er Jahren, wurde aber 1918 nach dem Versailler Vertrag geschleift. Es hatte auch als Militärgefängnis gedient. Im Gebäude lagen 32 für Wohnzwecke völlig ungeeignete Räume an den 110 Meter langen Korridoren. 1942 wurde in der Nähe des Forts ein Barackenlager errichtet. Es gab weder Strom noch fließend Wasser. Geheizt werden konnte auch nicht. Primitive Aborte standen im Freien.

Laut Kurt Schlechtriemen, der intensiv über das Deportationslager geforscht hat, verfolgten die Nazis mit dem Lager in Müngersdorf zwei Ziele. Zum einen die Deportation der Juden in Vernichtungslager. Zum anderen wollte man dem Wohnungsmangel in Köln entgegenwirken, der nach den Bombenangriffen der Alliierten entstanden war. Etwa 3.500 Juden aus dem Rheinland wurden aus dem Lager in Müngersdorf in den Tod deportiert. Die Transporte starteten vom Bahnhof Deutz-Tief. Dorthin wurden die Opfer mit Lastwagen gebracht oder sie liefen zu Fuß von Müngersdorf in die Innenstadt.

Eröffnung am 15. März

„Wir liegen bestens im Zeitplan“, sagte Hildegard Jahn-Schnelle am Rande der Veranstaltung: „Wir werden in Anwesenheit von Oberbürgermeisterin Henriette Reker am 15. März den Gedenkort im Rahmen einer Feier eröffnen können.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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Wochenendtipps: Ökumenischer Friedensgottesdienst, Lange Nacht der Kirchen, Orgelvester und Geistliche Musik im Altenberger Dom

„Der Frieden als Weg der Hoffnung“ – Ökumenischer Friedensgottesdienst 2020

Köln (epk). Die Evangelische und Katholische Kirche laden zu einem Ökumenischen Friedensgottesdienst am Freitag, 13. März, 18 Uhr, in die Minoritenkirche, Kolpingplatz 5, ein. Der Friedensgottesdienst wird die Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag 2020 aufgreifen: „Frieden als Weg der Hoffnung – Dialog, Versöhnung und ökologische Umkehr“. Die Predigt hält Kirchenrätin Pfarrerin Anja Vollendorf, Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der ökumenische Musikkreis „Musica Vita“ aus Pulheim-Sinnersdorf wird den Gottesdienst musikalisch gestalten. Die Liturgie wird von Mitgliedern verschiedener christlicher Kirchen sowie der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Kölns gestaltet. Im Anschluss an den Gottesdienst sind alle zur Begegnung im Pfarrsaal von St. Kolumba, gegenüber der Minoritenkirche eingeladen. Kontakt: www.kirche-koeln.de

Lange Nacht der Kirchen in der Kölner Innenstadt – Einladung zu Begegnung und Besinnung in evangelischen und katholischen Kirchen

Köln-Innenstadt (epk). Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region lädt am Freitag, 13. März, 20 Uhr, zur Langen Nacht der Kirchen in die Trinitatiskirche, Filzengraben 4, ein. Immer zur vollen und zur halben Stunde wechseln sich kleine Lesungen mit Texten von Dietrich Bonhoeffer, vorgetragen von Pfarrer Dr. Martin Bock und meditative Orgelmusik von Wolf-Rüdiger Spieler ab. In der AntoniterCityKirche, Schildergasse 57, lädt Pfarrer Markus Herzberg zu einer Komplet, einem gesungenen Nachtgebet, das um 22 Uhr beginnt, ein. Jeweils um 20, 21 und 22 Uhr, wird die Stille in der Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, von Musik und Gebet unterbrochen. Die Lange Nacht der offenen Kirchen hat sich in Köln zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Über 20 evangelische und katholische Kirchen in der Kölner Innenstadt beteiligen sich. Sie öffnen von 20 bis 24 Uhr ihre Türen und laden zur Besinnung im Kirchraum und zum Erleben von Nacht, Raum und Stille auf einzigartige Weise ein. Der Eintritt ist frei. Kontakt: www.nachtraumstille.de, www.trinitatiskirche-koeln.de

Orgelvesper mit Pfarrer Bernhard Seiger – Musik von Bach, Kropfreiter und Buxtehude

Köln (epk). Zu einer Orgelvesper in der Trinitatiskirche, Filzengraben 4, lädt der Evangelische Kirchenverband Köln und Region am Samstag, 14. März, 18 Uhr, ein. Sigrun Terletzki-Büttner, Organistin und Chorleiterin der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes bringt Werke von Johann Sebastian Bach, Augustinus Franz Kropfreiter und Dietrich Buxtehude zu Gehör. Für die liturgische Gestaltung mit biblischer Lesung und Gebet zeichnet Superintendent Dr. Bernhard Seiger verantwortlich. Kontakt: www.trinitatiskirche-koeln.de

Eröffnung der Geistlichen Musik 2020 im Altenberger Dom – Domorganisten spielen Passionsmusik von Bach

Altenberg (epk). Zur Eröffnung der kirchenmusikalischen Reihe „Geistliche Musik 2020“ am Sonntag, 15. März, 14.30 Uhr, präsentieren im Altenberger Dom, Eugen-Heinen-Platz, Kirchenmusikdirektor Andreas Meisner, evangelischer Domorganist, sowie Kantor Rolf Müller gemeinsam Passionsmusik von Johann Sebastian Bach. Für die liturgische Gestaltung zeichnen Pfarrerin Claudia Posche und Pfarrer Thomas Taxacher verantwortlich. Kontakt: www.altenberg-dom.de 

Text: APK
Foto(s): Annika Bocks

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„Bewährte Verfassung oder Verfassung in Bewährung?“ – Abraham Lehrer über das Grundgesetz in Deutschland

Das Attentat in Hanau, die Regierungskrise in Thüringen und weitere aktuelle Geschehnisse beunruhigen viele Menschen – sicherlich ganz zu Recht. Anlass genug, sich einmal über das Grundgesetz zu unterhalten, denn dieses hat Deutschland über 70 Jahre lang ein festes Fundament gegeben.

Das Grundgesetz

Hält dieses Fundament weiter oder muss etwas geändert werden – über diese Fragestellung sprach Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, in einer Veranstaltung in der Melanchthon-Akademie. Der Abend fand in Kooperation mit dem Friedensbildungswerk Köln und Kölner Runder Tisch für Integration statt.

Abraham Lehrer schilderte eindringlich seinen Glauben an das Grundgesetz und sein Vertrauen in den Staat und dessen Einrichtungen. Er schilderte jedoch auch, dass schon in seiner Kindheit jüdische Einrichtungen von der Polizei geschützt werden mussten. „Inzwischen habe ich den Glauben daran verloren, dass dies eines Tages nicht mehr notwendig sein wird“, stellte er fest. Dennoch, so Lehrer, habe das Grundgesetz ihm und auch der gesamten jüdischen Gemeinschaft es ermöglicht, die eigene Religion frei auszuüben.

„Das ist mein Land”

„Ich bin sehr gläubig aufgewachsen und habe auch versucht, meinen Kindern den Glauben und das Vertrauen auf den Staat weiter zu geben – und ich denke, das ist gelungen, denn sie haben beschlossen, hier in Deutschland zu bleiben“, führte er aus. Dieser Wunsch, in Deutschland zu bleiben, sei keineswegs selbstverständlich. „Ich sage heute aus Überzeugung: Das ist mein Land“, betonte er. Andere Juden seien ausgewandert und hätten dabei auch rückblickend schon mal festgestellt, dass Deutschland eben nicht „ihr Land“ sei – dies aber ging ihm eben nicht so.

Er habe Vertrauen auch in die 75 Prozent, die nicht AfD wählen, dennoch müsse man überlegen, was falsch gelaufen ist und wie es soweit kommen konnte, dass die AfD von einer so hohen Prozentzahl Wähler angenommen wird. „Wo haben wir nicht aufgepasst?“, fragte er. Es sei schwierig, die einstigen Schrecken der Kriegszeiten der heutigen Generation zu vermitteln.

„Das Grundgesetz wird immer wichtiger”

„In meiner eigenen Lebens- und Arbeitswelt wird das Grundgesetz immer wichtiger“, stellte Roland Schüler, Geschäftsführer des Friedensbildungswerks, fest. Früher habe er sich vor allem als Kölner, als Rheinländer und als Europäer gefühlt. Wie wichtig jedoch gerade der erste Satz des Grundgesetz, „die Würde des Menschen ist unantastbar“, sei, erfahre er oft im Rahmen der Einbürgerungen, die er als stellvertretender Bezirksbürgermeister begleite.

„Aber ich habe immer mehr Probleme mit dem zweiten Absatz: „Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt““, führte er weiter aus. „Woher kommt bei Ihnen das Vertrauen in die staatlichen Organe?“, fragte er Lehrer. Dieser wiederum betonte erneut, dass er immer gute Erfahrungen gemacht habe und sich dieses Vertrauen immer wieder als richtig erwiesen habe.

Flüchtlinge

Auch andere Besucher der Veranstaltung brachten Fragen und Überlegungen in die Runde ein. So war ein Gast vor Ort, der Anfang der achtziger Jahre aus Nigeria nach Deutschland eingewandert war. „Ich habe noch immer das Gefühl, dass es nach der Wende nicht gelungen ist, die beiden Systeme, die aufeinander prallten, zu einem System zu machen“, so seine Überlegung.

Lehrer fokussierte die Überlegungen dann auf die Flüchtlingswelle, die 2015 kam. Es habe schon zu früheren Zeiten immer auch rechtslastige Politiker und Parteien gegeben, doch erst in den letzten Jahren habe sich diese Politik „etablieren“ können. „Seitdem haben wir das nicht mehr im Griff“, so sein Eindruck.

Dabei sprach er zwei verschiedene Probleme an: Zum einen die Deutschen, die sich durch die Flüchtlingswelle „bedroht“ sehen. Zum anderen gebe es auch Flüchtlinge, in ihren Ländern stark antisemitistisch geprägt worden seien. „Ich denke mit Grauen daran, was passiert, wenn das erstmal ausgepackt wird“, schilderte er eine Sorge.

Die Begegnung miteinander

Gemeinsam kamen alle Beteiligten auf einen wichtigen und zentralen Punkt: Die Begegnung miteinander. „Wir versuchen wirklich jeden Termin wahrzunehmen, um dies zu ermöglichen. Aber wir sind viel zu wenige“, beschrieb Abraham Lehrer ein weiteres Problem. Man engagiere sich als jüdische Gemeinde in Schulen und biete Führungen durch die Synagoge in der Roonstraße an.

Lehrer berichtete von dem Projekt der drei großen Religionen für friedliches Zusammenleben in Deutschland: „Weißt du, wer ich bin“ ist ein gemeinsames Vorhaben der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, des Zentralrats der Juden, des Zentralrats der Muslime, der Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion, des Islamrates und des Verbandes Islamischer Kulturzentren. Es sei faszinierend zu sehen, wie aufmerksam und aufnahmebereit sich die Kinder, die in diesem Rahmen erfahren, wie die Religion der „anderen“ aussieht, beobachten.

Am Ende kam die Runde noch einmal auf das Thema Grundgesetz zu sprechen: „Wir müssen vielleicht mal eine Bestandsaufnahme machen und genau hinsehen“, schlug Lehrer vor. Es gehe dabei um den Blick auf die eigenen Werte. Und wenn man dabei merke, dass diese Werte vielleicht nicht ausreichend geschützt seien, müssen man eben noch einmal genauer überlegen, ob man wirklich alles gut genug gemacht habe.

Mehr über die Arbeit der Melanchthon-Akademie finden Sie hier: www.melanchthon-akademie.de

Text: Judith Tausendfreund
Foto(s): Judith Tausendfreund

Der Beitrag „Bewährte Verfassung oder Verfassung in Bewährung?“ – Abraham Lehrer über das Grundgesetz in Deutschland erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.